Ask Alice!

Ask Alice! Tabu Wechseljahre

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Liebe Sabine,

darf ich dir etwas gestehen? Auch ich gehöre zu den Frauen, die das Thema totgeschwiegen haben. Zumindest, soweit es mich persönlich anging. Warum? Ganz einfach: Weil die „Wechseljahre“ eine dieser Schubladen sind, in die man Frauen so gerne stopft. Als ich im Wechseljahralter war, habe ich bei Medienanfragen („Wie sind denn die Wechseljahre für Sie, Frau Schwarzer?“) immer gesagt „Kein Kommentar“ und vor mich hingemurmelt: Wenn ihr mal ebenso über die Wechseljahre der Männer schreibt (die gibt es rein hormonell nämlich auch!), dann könnt ihr euch wieder bei mir melden…

Soweit meine ganz persönliche Reaktion. Als EMMA-Macherin aber habe ich natürlich wiederholt dazu beigetragen, dass das Thema ins Heft kam. Erstmals schon 1981 – zuletzt allerdings 2004. Du hast also ganz recht: Zeit, dass EMMA sich mal wieder der Wechseljahre annimmt!

Was frau auf jeden Fall dazu sagen kann: Die Wechseljahre von Frauen sind körperlich wie psychisch geprägt. Es lässt sich gar nicht immer sauber trennen, ob nun die Hormone einer Frau zu schaffen machen, oder die befürchtete – bzw. ganz reale! – Abwertung als Frau, nach dem Motto: Eine Frau, die nicht mehr gebären kann, ist keine vollwertige Frau mehr und auch erotisch uninteressant. Die Tarnkappenzeit beginnt.

Dagegen haben Feministinnen schon sehr früh protestiert! Dem folgte die bis heute währende Debatte über die Frage: Wieweit sind die Wechseljahr-Beschwerden körperlich bedingt und wieweit psychisch? Und ist es richtig, gegen schwere Beschwerden Hormontabletten zu schlucken oder ist das falsch? Vor allem die letzte Frage wurde nicht immer sachlich, sondern zum Teil auch ideologisch debattiert, was zu so manchen unversöhnlichen Kontroversen geführt hat.

Gehen wir es also sachlich und im Licht der aktuellen Erkenntnisse an. Wie so oft reagieren Frauen auch in den Wechseljahren individuell ganz unterschiedlich. Seit Jahrzehnten zeichnen sich dabei drei Gruppen ab: Ein Drittel hat richtig Ärger mit den Wechseljahren, warum auch immer. Ein Drittel hat leichte Malässen. Und ein Drittel merkt die Wechseljahre kaum bis gar nicht.

Was aber kann Frau nun gegen Beschwerden und Ängste tun? Darüber in einer der nächsten EMMA-Ausgaben mehr.

Mit herzlichen Grüßen
Alice Schwarzer 

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Kommentare

@Randomthought: Danke für Deine Offenheit - ich dachte schon, nur ich fühle das so. Die Hitzewallungen usw. habe ich als lästig empfunden, sie scheinen bei mir aber nach ca. 1 Jahr abzuklingen. Was mir viel mehr zusetzt, ist das kaum noch zu erweckende körperlich fühlbare Lustempfinden - obwohl ich geistig willens wäre. Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich las zwar von manchmal beklagter Lustlosigkeit, dachte aber nicht, dass man den Verlust des Empfindungsvermögens meinen könnte. Der Orgasmus ist auch kaum noch zu vergleichen, ihn zu erreichen wird immer schwerer. Das macht mich/uns traurig - jetzt wo die Kinder groß sind und wir es auskosten könnten.

Was ich auch nicht erwartet hätte, war die plötzlich eintretende sexuelle Gleichgültigkeit. In den Jahren zuvor hatte ich den Sex als aufregender empfunden als in jüngeren Jahren. Doch dann der Absturz. Trockenheit einerseits und eine ganz geringe Libido andererseits. Manchmal flüstere ich meinem Mann beim Schmusen zu: "Hey, ich will endlich mal wieder mit dir schlafen". Aber das ist dann schon der "Höhepunkt" meiner aktuellen Lust. Streicheln, drücken, halten, küssen - das sind weiterhin schöne, angenehme Berührungen - aber wirken nicht mehr luststeigernd. Es ist, als hätte ich alle erogenen Zonen über Nacht verloren. Nicht schön. Weder für mich noch für meinen Mann.

In der Pubertät gab es bei einigen starke Stimmungsschwankungen, Bauchschmerzen und andere körperliche Misslichkeiten - bei mir selbst verlief die Entwicklung ohne große Unannehmlichkeiten. Das erwartete ich daher auch für die Wechseljahre. Jaa, bis sie mich mit Macht einholten.
Hitzewallungen kombiniert mit Herzrasen, Schwindel und Schwäche - einige Male am Tag - egal, wo ich mich gerade befinde, was ich gerade tue oder mit wem ich gerade zu tun habe. Die Schwäche ist derart massiv, dass ich mich (von einem Moment zum anderen) völlig hinfällig fühle - so als sei mein letzter Atemzug gekommen. (Das versetzt mich nicht in Panik, da ich mich in diesem Moment so schwach fühle, das mir alles egal ist.) Diese "Attacken" halten jeweils mehrere Minuten an. Minuten, während derer ich im Kundengespräch ganz normal weiteragieren muss, in Besprechungen durchdachte Antworten geben muss, bei Unternehmungen fit, fidel und fröhlich sein muss, beim Autofahren vernünftig reagieren muss usw.

Die Behauptung, dass bewusst lebende Frauen, die mit sich selbst im Reinen sind, wie es auch hier in einigen Kommentaren anklingt, keine Wechseljahrsbeschwerden haben, führt gerade zu dem Tabu. Kann ich über meine (übrigens massiven!) Beschwerden überhaupt etwas sagen oder gelte ich dann als wehleidig oder irgendwie fokussiert auf meine Befindlichkeit statt mich in vollen Zügen dem Leben mit seinen abwechslungsreichen Aufgaben hinzugeben? Gelte ich dann als langweilige Alte, als ungesund oder unnatürlich Lebende, als ein Hausmütterchen mit wenig Selbstbewusstsein? Wäre ich das alles nicht, dann, ja, dann hätte ich (nach Ansicht einiger Zeitgenossinnen und Zeitgenossen) bestimmt überhaupt keine oder wenn doch nur geringfügige Problemchen, die den Alltag keineswegs beeinträchtigen.

Ich hatte mich mit den Wechseljahren nie beschäftigt, da ich annahm, sie würden sich bei mir ähnlich unspektakulär gestalten wie die Hormonumstellung in der Pubertät. Fortsetzung folgt.

Meine Mutter ist in den Wechseljahren und hat sich seitdem sehr verändert. Sie schminkt sich nicht mehr, was vorher fest in ihre Badroutine involviert war und hat sich die Haare kurz geschnitten. Leider keine schicke asymmetrische Kurzhaarfrisur, sondern die Haare sind irgendwie einfach ab, überall gleich kurz. Ich bin sehr enttäuscht und traurig darüber, aber schweige.
Jetzt verstehe ich ein bisschen, wie sie unsicheres Wesen mit Normalitätsstreben sich durch meinen Paradiesvogelstil mit mir unwohl fühlt und sich immer unwohl gefühlt hat. Ich hatte gedacht, ich sei über die Beurteilung andererleuts Optik erhaben. Aber das und dass der Scheitel meines Vaters schwindet, macht mir durchaus zu schaffen. Jedoch so ist der Lauf der Dinge.

Wechseljahre der Frau mit den bekannten Erscheinungen sind eigendlich in den zivilisierten Ländern vorzufinden. Frauen, die eine natürliche Sexualität ausleben UND zufrieden mit sich selbst sind UND einigermassen gesund und im Einklang mit der Natur leben UND Stress meiden wie die Pest: bei denen sind Wechseljahre ein kleines Lüftchen, was man kaum bemerkt.
Wenn zu biblischen Zeiten die Frau des Erzpropheten Abraham mit 80 noch ein Kind bekommen kann, dann können Frauen das gerade heutzutage eigentlich auch, wenn sie entsprechend leben und sich selbst nie aufgeben.
Schuld am mangelnden Selbstbewustsein von Frauen ist die frauenfeindliche Erziehung und die Nicht-Gleichberechtigung von Frauen.
Wer sagt, dass Frauen an den Herd gehören und nicht die Redefreiheit und Rechte haben wie Männer, der ist in meinen Augen schon hochkriminell !!
Ich wünsche mir, dass Frauen-Rechts-Bewegungen noch viel Aufklärung leisten, sodass sich jede Frau traut, mehr Selbstbewustsein zu haben.

Ich bin 54 und hatte in den letzten Jahren mehrere Liebhaber (sowie etliche "Interessenten"), die allesamt begeistert waren von meiner erotischen Ausstrahlung und meinen Qualitäten als Liebhaberin. Ich kann nur sagen: Sex wird besser mit zunehmendem Alter. Die Qualitäten als Liebhaber steigen mit dem Alter der Männer, jedenfalls innerhalb meiner bescheidenen "Stichprobe". Und die Wechseljahre? Keine Ahnung, ob ich da drin bin oder nicht. Meine Mens war nie besonders regelmässig. Ich beobachte, ob sich was verändert, kann aber kein Muster erkennen. Wundere mich jedes mal: Was immernoch? Ich könnte inzwischen meine eigenen Urenkel gebären. Ja, es gibt vielleicht Hitzewallungen. Aber auch das hatte ich eigentlich schon immer. Also ich vermute, dass diese Jahre für jede Frau anders verlaufen und lasse mich überraschen. Und wie für eine meiner Vorrednerinnen gilt für mich: Diese Lebensphase ist voller Wechsel. Neuer Job, neuer Lebensmittelpunkt, neue Freunde, neue Hobbies

Als wäre man als junge Frau frei davon,permanent diskriminiert,beleidigt,gedemütigt und erniedrigt zu werden! Diskriminierungen aufgrund von Alter oder Klimakterium,was immer das sein soll!,locken mich nicht mehr hinterm Ofen hervor,ist ja nur dasselbe - siehe oben - in grün. Und was die rein sexuelle Anziehungskraft und Attraktivität anbelangt: Auch Männer über ein bestimmtes Alter hinaus lösen gar keinen sexuellen Appetit mehr bei mir aus (da vergisst mein sexuelles Ich doch glatt wie alt mein Körper selber ist) und ein älterer Mann müsste sich schon als ganz toller,wertvoller Mensch erweisen,um die sexuelle Attraktivitätslücke wettmachen zu können. Daran glaube ich nicht mehr,also lebe ich in Frieden und Freiheit und mit dem mitunter schon schmerzlichen Verlust sinnlich-körperlicher Freuden alleine. Gibt Schlimmeres!

"Die TCM sagt sinngemäß zum Versiegen der Menstruation, dass dann der feurige Drache der Frau frei wird"
"ja, die TEM (Traditional European Medicine) sagt z.B., dass Leiden und Krankheiten von Dämonen und als Strafe Gottes verursacht werden und ein Zeichen für ein ungöttliches Leben darstellen. Daher könne man durch Gebet und Ablasszahlungen seine Leiden lindern."
Der schulmedizinische Ansatz ist da sehr unpersönlich und pathologisiert die Symptome, da haben Sie recht. Mit Drachen Reiten oder Dämonenaustreibung kommt man da leider nicht weiter, allerdings hat sich in der Geschichte der Ansatz als wirkungsvoller herausgestellt und gerade nicht medizinische Gründe als Grund für Krankheiten anzuführen hat sich als nicht so zielführend erwiesen (Also Drachenreiten und Dämonenaustreiben).

Zitat Creedinger: Da hier das Thema als Tabu bezeichnet und dies kritisiert wird, würde ich gerne als Mann hier eine Frage stellen. Woran soll man denn erkennen können, ob eine Frau bereits in den Wechseljahren war oder nicht?
Ich kann nur für mich sprechen: ich habe die letzten 4 Jahre so eine typische "Altweiberfigur" bekommen, d.h. mehr auf die Hüften, das sich auch nach hinten zieht, alles etwas unförmiger, usw (ich bin normalgewichtig) und das Gewicht schwankt auch nicht mehr nach unten, wie es sonst, z.B. jahreszeitlich abhängig, getan hat. Und ich finde, dass ich anders rieche. All das gefällt mir nicht und ich fühle mich dadurch selbst auch unattraktiv. Das strahle ich sicher auch aus. Aber es gibt schon Änderungen in der Optik und Biochemie, und ich bin überzeugt, dass wir daher sehr wohl unbewusst darauf reagieren. Das ist objektiv gesehen zwar alles nicht negativ, aber für mich ist das psychisch schon eine Umstellung.

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