Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten der EMMA Januar/Februar 2003.
Frauen dieser Welt
Meinen die Jungs es gut mit uns? Oder wollen sie uns verarschen? Oder vielleicht beides? Auf einem "reinen Frauenkonzert" in Rottweil haben die Toten Hosen ihren neuen Hit zum ersten Mal vorgetragen, den an die "Frauen dieser Welt". Und da die EMMA-Macherinnen sich beim Für und Wider zum Frauen-Song (geschrieben von Funny van Dannen, der nur einen Mädchennamen hat, aber ein Kerl ist) nicht einig werden konnten, fragen wir jetzt: Wie steht's mit diesen Jungs, Frauen dieser Welt? Was meint ihr?
Lolita zu Weihnachten
Weihnachtszeit, Kinderzeit. Da rappelt's mal wieder vor Klischees in der Geschenkindustrie. Jungspuppen in Blau, Mädchen in Rosa; Action Man gegen Mamma Mia. Den Vogel aber schießt diesmal H&M mit seiner "märchenhaften Herbstkollektion" ab: "Es war einmal vor langer Zeit &" Aber leider sind die H&M-Motive hochaktuell. "Eine kleine Lolita auf dem Waldboden. Ich musste an die ermordete Peggy denken", schreibt EMMA-Leserin Wera Lindner aus Berlin. "Ich finde, dass wir Frauen das so nicht durchgehen lassen dürfen", mailt Katrin Woidich aus Buttenwiesen: "H&M, es reicht!" EMMA-Leserin Katrin träumt von einem Kaufboykott wg. pseudoromantischer pornografischer Kinderwerbung. Gar keine schlechte Idee.
Das hätte Regine gefreut
Regine wäre es zufrieden gewesen. Die, hätte sie gesagt, die haben den Regine-Hildebrandt-Preis wirklich verdient! Der wurde jetzt vom Kanzler persönlich zusammen mit den 20.000 e Preisgeld pünktlich zum 1. Todestag der "Stimme des Ostens" verliehen. Denn sie haben in ihrer kleinen Stadt ganz schön was auf die Beine gestellt, immer nach dem Motto: Selbsthelfen statt Jammern! Angefangen hat es im Juli 1991: Da waren sie noch acht im Verein, aber schon "gleich und berechtigt" wild entschlossen, "der in der Verfassung garantierten Gleichberechtigung zum Leben zu verhelfen!" Gesagt, getan. Die Stadt stellte einen ausrangierten Kindergarten zur Verfügung, die Frauen machten daraus 1992 das erste Lauchhammer Frauenhaus. Ein Jahr später folgte das Frauenzentrum "Horizont". Und wieder ein Jahr später die "Mädchenbude". Inzwischen ist Lauchhamm mit 33 Frauengruppen überzogen und richtete in diesem Jahr den 10. Brandenburgischen Selbsthilfetag aus. "Wir sind stolz und glücklich, als erster Frauenverein mit dem Namen der beliebtesten SPD-Politikerin geehrt zu werden", erklärte Ines Eichhorn, die zusammen mit Renate Stolzenwald vom Frauenhaus den Preis entgegennahm, und schüttelte dem Kanzler kräftig die Hand. Mit dem Preisgeld werden zwei Arbeitsstellen für junge Frauen finanziert, Motto: "Arbeit statt Sozialhilfe!"
Veteranen: Sie killen weiter
Drei Tote waren es beim letzten Redaktionsschluss vor zwei Monaten: Teresa Nieves, Jennifer Wright und Marylin Griffin. Getötet von ihren eigenen Ehemännern, die als US-Soldaten im Afghanistan-Einsatz waren. Doch seither wurden 13 weitere Heimat-Morde von amerikanischen Kriegsveteranen bekannt. Ende Oktober erschoss der Golfkriegs-Veteran Robert Stewart Flores aus Tuscon in einer Krankenpflegeschule einen Büro-Angestellten und zwei Lehrerinnen, weil die den Krankenpflegeschüler in Kinderheilkunde durchfallen ließen. Mindestens zehn Menschen, vermutlich mehr, hat der Golfkriegs-Veteran und islamische Konvertit John Allen Muhammad abgeknallt. Der "Heckenschütze von Washington" war schon 1990 während seiner Militärzeit in Deutschland als Waffennarr aufgefallen. Seine Ex-Ehefrau Mildred Muhammad, die er zwang sich zu verschleiern, ist überzeugt, dass der scheinbar wahllos tötende Massenmörder eigentlich sie "im Fadenkreuz" hatte: "Es sollte so aussehen, als ob ich nur ein weiteres Opfer wäre. Denn dann hätte er als trauernder Vater unsere drei Kinder zurückholen können." Als die geprügelte Mildred nach der Scheidung 1999 das Sorgerecht bekam, drohte ihr der erfahrene Krieger: "Du ziehst meine Kinder nicht auf. Du bist jetzt mein Feind, und den werde ich töten." - In EMMA zum Thema: 6/02
Die Reise nach Kafiristan
Im Jahr 1939 machen sich Ella Maillart und Annemarie Schwarzenbach auf eine abenteuerliche Reise: mit ihrem Ford über Istanbul, Teheran nach Kabul. Ihr Ziel ist Kafiristan, ein abgelegenes afghanisches Tal. Die beiden Reisenden haben zwei verschiedene Ziele: Maillart, bereits bekannte Ethnologin und Olympionikin im Einhandsegeln, will in dem abgelegenen Tal "die Bergbewohner studieren, die nicht durch künstliche Bedürfnisse versklavt sind". Schwarzenbach, schillernde Schriftstellerin im Dunstkreis der Geschwister Mann und stets am Abgrund von Depression und Drogensucht, hat gerade einen Entzug hinter sich. Für sie ist diese Reise "die letzte Chance, mich in die Hand zu bekommen". So wird "Die "Reise nach Kafiristan" überschattet von Annemaries Rückfällen, aber auch dem Schatten des Nationalsozialismus, der bis in den Orient reicht. Die Schweizer Brüder Fosco und Donatello Dubini, haben über diese Reise, die durch Ella Maillarts Bericht "Flüchtige Idylle" berühmt wurde, nun einen jetzt angelaufenen Spielfilm gemacht. Im Mittelpunkt des Films steht, anders als in Maillarts Erzählung, die Beziehung zwischen den beiden Frauen. Jeanette Hain als Annemarie Schwarzenbach und Nina Petri als Ella Maillart können mit ihrem intensiven Spiel die hölzernen Dialoge und die langatmige Erzählweise leider nicht immer auffangen.
Rezensionen
Diese Bücher werden u.a. in der aktuellen EMMA besprochen:
Heike Geißler: Rosa (DVA)
Sumaya Farhat-Naser: Verwurzelt im Land der Olivenbäume (Lenos)
Antje Rávic Strubel: Fremd Gehen (Mare)
Keto von Waberer: Schwester (Berlin Verlag)
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Hg. Alice Schwarzer:
"Die große Verschleierung" Für Integration, gegen Islamismus.
(KiWi, 9.95 €)
Simone de Beauvoir DVD, ein Film von Schwarzer 1973, 45 Min., deutsche u. franz Version
(EMMA, 10 €)
Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)








