Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten in der EMMA März/April 2003.
Gerit Thomas ist empört
Am 20. Dezember 2002 kamen die Kündigungen: 8.300 Kindern in Dresden wurde der Krippen- beziehungsweise Hortplatz gestrichen. Nur noch der Nachwuchs von arbeitenden und studierenden Eltern soll in Zukunft ein Recht auf so einen Platz haben. Aber erstmal wurde pauschal allen Kindern gekündigt - die Mütter und Väter hatten sodann den Nachweis zu erbringen, dass sie wirklich beschäftigt sind. Aber wie soll sich jemand fortbilden oder bewerben, wenn das Kind nicht in die Krippe darf? ärgert sich Gerit Thomas, Mutter zweier Kinder und Sprecherin der Gruppe Dresden für Kinder!. Und der Protest scheint schon Erfolg zu haben. Das Verwaltungsgericht Dresden erklärte Ende Januar die Kündigungen per einstweiliger Anordnung für rechtswidrig. Bis zum 1. April ist das Hauptverfahren einzuleiten. Gerit Thomas: Da reden wir mit! - www.steb-dresden.de», www.dresden-fuer-kinder.de»
Dohnal - wer sonst!
| Als die ÖsterreicherInnen befragt wurden, wen sie denn gerne so hätten als Frauenministerin, da antworteten sie in überwältigender Mehrheit: die Johanna Dohnal! Nun ist die Wiener Jeanne d'Arc zwar schon seit 1995 nicht mehr in der Regierung, aber sie ist unvergessen. Das liegt |
an der Persönlichkeit. Und wie sie so wurde, was sie ist, erzählt nun (ein wenig trocken, aber doch sehr kundig), Susanne Feigl, eine sozialistische Weggefährtin, in der autorisierten Biografie: "Was gehen mich seine Knöpfe an?" - Den inzwischen legendären Satz antwortete Dohnal, als sie noch Ehefrau (und Mutter) war - lang lang ist's her. Johanna, geborene Diez, kam am 14. Februar 1939 im Wiener Allgemeinen Krankenhaus zur Welt - als dritte in einer, wie sie sagt, "Dynastie unehelicher Mütter". Aufgewachsen ist sie bei der strengen aber patenten Großmutter in einem engen proletarischen Milieu. Doch "väterliche Gewalt" war Johanna fremd. Und Handarbeit hat sie "wirklich gehasst". Die 14-jährige Johanna kennt nur zwei Berufe: Verkäuferin und Schneiderin (das ist die Großmutter). Also wird sie Verkäuferin. Und sodann hat die junge Frau es der Partei und später vor allem Kreisky zu verdanken, dass ihr Horizont immer rascher über die Cumberlandstraße hinauswächst. Als Johanna 1977 als Staatssekretärin "Selbstbewusstseins-Seminare" initiiert, weiß sie nur zu gut, um was es da geht. Irgendwann lässt sie sich scheiden. Und dass sie heute in einer Lebensgemeinschaft mit einer Frau lebt, verbirgt sie schon lange nicht mehr. Die Dohnal war eine wirksame Kreuzung zwischen Frauenbewegung und Regierungspower. Wirklich schade, dass sie das nicht mehr ist! - Susanne Feigl: Was gehen mich seine Knöpfe an? Johanna Dohnal. Eine Biografie (Ueberreuter).
Salma Hayek ist Frida Kahlo
| Nein, es ist kein Zufall, dass Salma Hayek acht Jahre lang gekämpft hat, diesen Film zu machen und Frida Kahlo wieder zu ihrem so leidenschaftlichen Leben zu erwecken. - Es beginnt damit, dass die 1966 geborene Schauspielerin der 1907 geborenen Malerin (gestorben 1954) auf wirklich frappante Weise gleicht; und geht damit weiter, dass beide |
Halbmexikanerinnen sind, Kahlo mit einem deutsch-jüdischen Vater und Hayek mit einem libanesischen; und gipfelt darin, dass beide die Leidenschaft für den Beruf verbindet. Hayek, die Produzentin und Hauptdarstellerin des Films, aber in den USA bis heute gerne als mexikanische Sexpuppe eingesetzt, ist Jahre lang von Pontius bis Pilatus gelaufen, bis sie die Regisseurin Julie Taymor gewinnen konnte und der nicht gerade als zart besaitet verschrieene Harvey Weinstein mit seinem Verleih einstieg. Letzterem ist wohl der Kompromiss zu verdanken, dass die so leidenschaftliche Hommage an Frida Kahlo manchmal doch nicht tiefgründig genug geriet. Doch auch was blieb, ist sehenswert: ein in allen Farben und allen Ausschweifungen schwelgender Film zu einem hochaktuellen Konflikt. Die mit 18 durch einen Unfall fast gelähmte Frida Kahlo will lebenslang alles: Kunst & Politik, Männer & Frauen, Schmerz & Freude. Salma Hayek lässt uns die Hoffnung und die Verzweiflung dieser Malerin miterleben. - In EMMA: "Die andere Frida Kahlo", Porträt, 3/1993.
Entmachtete Väter?
"Die Macht der Mütter" beklagt die Süddeutsche Zeitung und "Die Mutter hat das Sagen" maulte die taz. Kommentiert wurde damit ein besonnenes Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 29.1.2003, das entschied: "Ledige Väter können das Sorgerecht nicht erzwingen." Denn: "Das Kindeswohl verlangt, dass das Kind ab seiner Geburt eine Person hat, die für das Kind rechtsverbindlich handeln kann. Angesichts der Unterschiedlichkeit der Lebensverhältnisse, in die nichteheliche Kinder hineingeboren werden, ist es verfassungsgemäß, das nichteheliche Kind bei seiner Geburt sorgerechtlich grundsätzlich der Mutter zuzuordnen." Die RichterInnen in den roten Roben hatten erkannt: "Eine gemeinsame Sorge gegen den Willen des einen Elternteils würde die Gefahr in sich bergen, dass von vornherein Konflikte auf dem Rücken des Kindes ausgetragen würden." Genauso passiert es tagtäglich. Dabei ist es schon jetzt rechtlich möglich, bei der Geburt des Kindes den Willen zu einer "gemeinsamen Sorge" für das Kind zu erklären, sodass auch der ledige Vater gleichberechtigt ist: in Rechten wie Pflichten. Wo ist also das Problem, die Herren Väter?
Eine kämpferische Baslerin
Dass Frauen, die wie sie nachts arbeiten, ihre Wagen in dunklen Parkhäusern abstellen sollen, findet Claudia Federspiel eine Zumutung. Seit über einem Jahr kämpft die Theaterschauspielerin deswegen um Frauen-Parkvignetten in der Basler Innenstadt. Und ging dafür jetzt sogar ins Gefängnis. Seit Herbst 2001 stapelten sich bei Federspiel die Knöllchen, weil sie abends regelmäßig in der Innenstadt in der Nähe des Basler Stadttheaters parkte. Ein Brief an den Chef des Polzeidepartment brachte zwar einen Teilerlass, aber ihre Anregung der Frauenvignette wurde nicht aufgegriffen. Für Anwohner und Lieferanten gäbe es ja die kaufbare Parkerlaubnis. Die Empörte aber wollte keine Gnade, sondern Recht: auf sichere Parkplätze für die Baslerinnen! Sie zahlte deshalb keinen Franken. Im Sommer 2001 jähte die Schauspielerin erstmals Unkraut, um die Bußgelder abzuarbeiten. Für die restlichen 260 Schweizer Franken ging sie jetzt Januar ins Gefängnis Olten: vier spektakuläre Tage hinter Gitter. Sie hat sie genutzt und ein Signal gesetzt: Seither gibt es eine regelrechte Bürgerinnen-Bewegung, unterstützt von Politikerinnen aller Parteien, Ziel: Die Frauen-Vignette für Basel!
Rezensionen
Diese Bücher werden u.a. in der aktuellen EMMA besprochen:
Allan und Barbara Pease: "Warum Männer nicht zuhören können und Frauen schlecht einparken" und "Warum Männer lügen und Frauen immer Schuhe kaufen". (Ullstein) Artikel lesen» . Alice Sebold: In meinem Himmel (Lenos).
Carson McCullers: Die Autobiographie. Illumination and Night Glare (Schöffling). Richard Newman mit Karen Kirtley: Alma Rosé. Wien 1906/Auschwitz 1944 (Weidle).
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Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)










