Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten der EMMA Juli/August 2005.
Wir sind Europameisterinnen!
| In der 63. Minute hatte Weltfußballerin Birgit Prinz den Ball im Tor versenkt, und mit diesem 3:1 gegen Norwegen war die Sensation besiegelt: Unsere Mädels sind Europameisterinnen! Zum sechsten Mal (von neun) und zum vierten Mal in Serie!! |
Die Erfolgsserie des deutschen Frauenfußballs reißt nicht ab: Nach dem WM-Titel 2003 in Los Angeles und Olympia-Bronze 2004 in Athen bewies die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft, die in dieser Europameisterschaft in England kein einziges Spiel verlor, dass sie mit ihrem „explosiven Angriffsfußball“ (Süddeutsche Zeitung) die beste Frauschaft der Welt ist und bleibt. Das konnten 21.000 ZuschauerInnen beim Finale im britischen Blackburn deutlich sehen, im Gegensatz zu den ZuschauerInnen von ARD und ZDF: Den öffentlich-rechtlichen Sendern waren die Übertragungsrechte an der Siegesserie der deutschen Frauen schlicht „zu teuer“. Immerhin ließ sich der DFB auch diesmal nicht lumpen: 10.000 Euro Siegesprämie bekamen Prinz, Rottenberg & Co., und DFB-Chef Theo Zwanziger verkündete nach dem Rekordsieg: Der Fußballbund will bis zur Weltmeisterschaft 2007 in China den Mädchenanteil im Verband verdoppeln. Das wird vor allem diejenige freuen, die ihre Mädels an die Weltspitze des Frauenfußballs geführt hat: Tina Theune-Meyer. Nach neun Jahren gibt die erfolgreichste Nationaltrainerin der Welt ihr Amt weiter an Ex-Nationalspielerin Silvia Neid. Ihre Frauschaft hat ihr mit dem EM-Sieg ein würdiges Abschiedsgeschenk gemacht: „Diesen Mädels gehört die Zukunft!“
Der Blick von Diane Arbus
| Sie ist eine der bedeutendsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts und hat Generationen jüngerer FotografInnen geprägt. 40 Jahre nach ihrem Freitod wird ihr Gesamtwerk erstmals auch in Deutschland gezeigt, einzige Station: |
Essen. Zu sehen sind bekannte und unbekannte Fotos von Diane Arbus (Foto oben), sowie Notizbücher und Briefe. ‚Revelations‘ lautet der Titel des Kataloges, den ihre Tochter dazu herausgegeben hat. Und tatsächlich wird darin auch so einiges enthüllt, auch wenn Arbus selber darin so distanziert bleibt wie ihr Werk. Diane Nemerov kommt 1923 als Tochter jüdischer Pelzhändler in Manhattan zur Welt, studiert Malerei und entdeckt die Fotografie durch ihren Mann, den Werbefotografen Allan Arbus. Doch sie bleibt nicht im Studio, sondern geht auf die Straße. Ihre Themen sind Menschen: Frauen, Männer, Kinder, Paare, Transvestiten, Zwerge, Nudisten. „Arbus Porträts zeichnet eine ganz eigene, nie vor ihr und nie nach ihr erreichte Mischung von kompromissloser Direktheit und mystischer Verwunschenheit aus“, sagt die Fotografin Bettina Flitner. „Die von ihr Porträtierten sind merkwürdig nah und fern zugleich.“ Arbus, bereits zu Lebzeiten eine künstlerische Legende, wurde erst posthum einem breiteren Publikum bekannt. Wer den Weg nach Essen nicht schafft, kann auf den voluptiös gestalteten 320-Seiten-Bildband zurückgreifen.
Bis 18.9.: Museum Folkwang Essen. – Diane Arbus ‚Revelations‘ (Schirmer & Mosel)
Clara & Doreen
| Nur vier Jahre sind vergangen seit ihrem Abschluss der Kunsthochschule Weißensee – und schon sind die Modedesignerinnen Clara Kraetsch (29, Foto li) und Doreen Schulz (28) auf dem Sprung in die internationale Modewelt, |
verkaufen ihr Label c.neeon in Paris wie London und begeistern allen voran das Land, aus dem die Avantgarde-Mode kommt: Japan. Aber auch das traditionelle Modeland Frankreich zieht seinen Chapeau. Auf dem renommierten Modefestival von Hyères errang das Modeduo im Mai den ersten Preis. Konsequenz: Ab Oktober werden ihre Produkte drei Monate lang in der Galerie Lafayette angeboten, aber vorher geht’s noch zum Wettbewerb nach Tokio. Klar, dass Clara und Doreen strahlen – und ächzen, denn die Erwartungen an die neue Kollektion sind hoch. Die beiden ergänzen sich offensichtlich aufs Glücklichste, schon in Weißensee gaben sie die erste Gemeinschafts-Diplomarbeit ab. „Ihre Kleidung hat etwas von einer Festung: standfest und gut verhüllt.“ schreibt der Tagesspiegel. Gleichzeitig aber umschmeichelt sie ihre TrägerInnen wie sanfte Wellen. Das ist die Arbeitsteilung: Clara Kraetsch entwirft und druckt die grafischen, kühnen Muster; Doreen, die auch in Antwerpen Erfahrungen gesammelt hat, bringt die Stoffe an den Körper: Sie wickelt, knotet, legt in Falten. In Berlin gibt es c.neeon-Klamotten bisher nur bei Konk (Raumerstr. 36, www.konk-berlin.de). - www.cneeon.de
Cigdem liebt Frauen
| „Cigdem ist lesbisch – Vera auch! Sie gehören zu uns. Jederzeit!“ Zum Auftakt des Berliner Christopher-Street-Days verkünden über 100 Groß-Plakate in der Hauptstadt eine einfache, von der türkischen Community aber oft verleugnete Tatsache: Auch türkische Mädchen verlieben sich in Mädchen. Um ihnen und ihren Familien zu zeigen, dass das auch gut so ist, hat das ‚Zentrum für Migranten, Lesben und |
Schwule’ (MILES) die Plakataktion gestartet. Ins Boot geholt hat das MigrantInnen-Netzwerk des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) dazu den Türkischen Bund Berlin-Brandenburg (TBB) und, als Schirmherrinnen, die Rechtsanwältin Seyran Ates und die Kabarettistin Maren Kroymann. Gestartet war Stufe eins der Aktion bereits im Februar dieses Jahres mit 10.000 A 2-Plakaten in Jugendzentren, Cafés und Vereinen. Die Reaktionen sind erwartungsgemäß gespalten: „Das lesbische Plakat wird öfter heruntergerissen als sein schwules Pendant“, erklärt MILES-Sprecher Jörg Litwinschuh. „Gleichzeitig bekommen wir tolle Rückmeldungen aus Zentren für türkische Mädchen. Die sagen uns: ‚Wir können die Plakate zwar nicht ans Fenster hängen, damit unsere Eltern die nicht sehen. Aber es hängt drinnen und wir diskutieren darüber.’“
www.miles.lsvd.de, T 030/44008240 + www.lesmigras.de, c/o Berliner Lesbenberatung T 030/2172753
Iranische Amazonen
| Drei iranische Künstlerinnen zeigen bis zum 31. August Arbeiten in Berlin, die ein lebendiger, kühner Beweis für die Reflexion unter dem (Zwangs)Schleier sind. ‚Amazonen’ heißen die Bilder von Shadi Ghadirian, die Frauen zwischen Tradition und Moderne zeigt; die von Shideh Tami, die ihren Werkzyklus ‚Frauen Diary’ ausstellt; und von Bita Fayyazi, die in ihren |
Installationen und Fotografien die Abwesenheit von Frauen im öffentlichen Raum thematisiert.
www.rebellminds.com, T 030/44010270
Rezensionen
Diese Bücher werden u.a. in der aktuellen EMMA besprochen:
- Paula Köhlmeier: Maramba (Paul Zsolnay)
- Angela Steidele: In Männerkleidern. Das verwegene Leben der Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel (Böhlau)
- Luo Lingyuan: Du fliegst jetzt für meinen Sohn aus dem fünften Stock (dtv premium)
- Joyce Carol Oates: Ausgesetzt. (S. Fischer)
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Simone de Beauvoir DVD, ein Film von Schwarzer 1973, 45 Min., deutsche u. franz Version
(EMMA, 10 €)
Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)













