Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten der EMMA März/April 2005.
Ehe unter Freundinnen

Anfang Januar erschienen vor dem Standesamt in Bad Schwartau zwei Rentnerinnen, nennen wir sie Trude (73) und Renate (79), und begehrten, die Eingetragene Lebenspartnerschaft fürs Leben schließen zu dürfen. Warum nicht, Liebe kennt schließlich keine (Alters)Grenzen. Aber nein! Die beiden Damen legten Wert auf die Klarstellung, dass sie zwar die Homo-Ehe eingehen wollen aber kein Homo-Paar seien, sondern nur „beste Freundinnen“. Auch wenn die Sache eigentlich anders gedacht war, ein rechtliches Hindernis war das nicht. Denn im Lebenspartnerschaftsgesetz ist zwar von der „gegenseitigen Verantwortung, Fürsorge, Unterstützung und gemeinsamen Lebensgestaltung“ die Rede, nicht aber von den „ehelichen Pflichten“ (die ja inzwischen auch in der Hetero-Ehe vor keinem Gericht mehr einklagbar sind). Im Klartext: Zum Schließen der Homo-Ehe muss man oder frau zwar gleichgeschlechtlich sein, nicht aber homosexuell. Jetzt erhalten also Trude oder Renate die Hinterbliebenenversorgung der anderen. Aber die Damen haben schließlich nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Ganz wie beim französischen Pendant zur deutschen Homo-Ehe, dem ‚Pacte Civile de Solidarité’ (PACS), der von Anfang an nicht auf „Liebe“, sondern – wie der Name schon sagt – auf „Solidarität“ angelegt war. Übrigens: Nach ihrer spektakulären Verbündung fürs Leben waren Trude und Renate für die Presse nicht mehr zu sprechen – sie reisten ab gen Süden. Eine Hochzeitsreise muss eben doch sein.
Girls Day 2005

Der Girlsday geht in die fünfte Runde. Am 28. April schwärmen wieder Mädchen im ganzen Land aus in Werkstätten, Labore und Büros, um zu sehen, was sie alles werden können: Polizistin, Pilotin, Politikerin. Zum Beispiel. Betriebe, die neugierige Mädels der 5. bis 10. Klasse einladen möchten, können sich auf der Homopage der deutschen Girlsday-Zentrale eintragen. Mädchen finden dort auf der ‚Aktionslandkarte’ einen Girlsday-Platz in ihrer Nähe. Auch in diesem Jahr sind wieder alle mit von der Partie, die in Sachen Berufsausbildung Rang und Namen haben: Bildungs- und Frauenministerin, Arbeitgeberverbände, Handwerkskammern und der Deutsche Gewerkschaftsbund. Die konzertierte Aktion hat Erfolg: 250.000 Girls haben seit dem Start des aus den USA übernommenen Aktionstages im Jahr 2000 beim Girlsday mitgemacht – zur besonderen Freude von EMMA, die den „Take Our Daughters to Work-Day“ seit 1997 promotet hat. www.girls-day.de, T 0521/106-7357
Vätermafia auf Sendung
Von der „Ohnmacht der Väter“ (Spiegel), dem „armen Papa“ (Zeit), dem „Schlampengesetz“ (Volksmund) ist gerne die Rede, wenn es um Konflikte zwischen Müttern und Vätern geht. Und in der Talkshow sitzen stimmgewaltige Vertreter der Väterorganisationen. Und die Mütter? Sie sind nicht zu hören. Vielleicht haben sie keine Zeit für solche Auftritte, weil sie sich um die Kinder kümmern müssen? Arte gibt den Müttern nun einen ganzen Abend lang eine Stimme: beim Themenabend ‚Wenn Väter sich rächen’. Brisant die Dokumentation ‚In Nomine Patris – die Interessen der Väterbewegung’. Myriam Tonelotto begibt sich auf die Spuren der international organisierten „Männerrechtler“. Bedrückend die Dokumentation‚ Trennungsdramen – Wenn der Mann zum Feind wird’. Und aufschlussreich die wahren Motive dieser vielbeachteten Minderheit rachsüchtiger Väter. ‚Wenn Väter sich rächen’, arte, 22.3., ab 22.45 Uhr.
Glückliche Mutter

Der Papst und Kardinal Meisner müssten eigentlich zufrieden sein – auch wenn die späte Mutter der orthodox-katholischen (und nicht der römisch-katholischen) Kirche angehört. Mit 67 ist die rumänische Literaturwissenschaftlerin Adriana Iliescu die „älteste Mutter der Welt“ geworden. Denn: „Es war immer mein Traum, ein Kind zu haben.“ Und „Eine Frau, die kein Kind geboren hat, hat kein erfülltes Leben.“ Als junge Frau hat Adriana dreimal abgetrieben (die übliche Verhütungsmethode in sozialistischen Ländern), ab 55 unterzog sie sich einer Hormonbehandlung und jetzt trug sie die künstlich befruchtete Eizelle einer Spenderin in ihrer „wiedererweckten Gebärmutter“ aus. Mutter Illiescu ist überglücklich über Tochter Eliza Maria. „Man sollte einen solch späten Kinderwunsch genau hinterfragen“, sagte der Präsident der deutschen Gynäkologen, Prof. Vetter zurecht. Mehr noch: Man sollte die Kinderwünsche um jeden Preis immer genau nach ihren Motiven hinterfragen, egal wie alt die Mutter ist. Und man sollte sich jeglicher moralischer Be- oder gar Verurteilung der späten Mütter enthalten, solange ein später Vater als toller Hecht gilt: Wie Justus Franz, der gerade mit 60 Vater wurde, oder Klausjürgen Wussow (mit 64), Graf Lennart Bernadotte (ab 65 fünf mal) oder Anthony Quinn (mit 79!). Über diese alten Väter konnten wir in Bild noch nichts lesen von ihren „tiefen Falten“ und „Altersflecken“. Im Gegenteil.
Rezensionen
Diese Bücher werden u.a. in der EMMA 2/05 besprochen:
Christine Kaufmann: Christine Kaufmann und ich (Lübbe)
Masha Gessen: Esther und Rusja. Wie meine Großmütter Hitlers Krieg und Stalins Frieden überlebten (Hanser)
Ingrid Hoogervorst: Die Wut der anderen (Eichborn)
Silke Scheuermann: Reiche Mädchen (Schöffling & Co.) / Julie Orringer: Unter Wasser atmen (KiWi)
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Hg. Alice Schwarzer:
"Die große Verschleierung" Für Integration, gegen Islamismus.
(KiWi, 9.95 €)
Simone de Beauvoir DVD, ein Film von Schwarzer 1973, 45 Min., deutsche u. franz Version
(EMMA, 10 €)
Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)








