Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten der EMMA November/Dezember 2005.
Lissy & Sabine sagen: JA
| Normalerweise hält sich das öffentliche Interesse an den Hochzeiten von EU-Parlamentariern in Grenzen. In diesem Fall aber wurde das Brautpaar von den Medien regelrecht „überrollt“. |
Fotografengeschwader und Kamerateams aus aller Welt waren dabei, als die beiden Frauen sich im historischen Rathaus von Brüssel das Jawort gaben: Die EU-Abgeordnete Lissy Gröner, 51, und ihre Lebensgefährtin Sabine Gilleßen, 39. Kein geringerer als Bürgermeister Freddy Thielemans erklärte die beiden Bräute zu Frau und Frau, und unter den 30 reiswerfenden Hochzeitsgästen war auch die belgische Justizministerin Laurette Onkelinx. Den Empfang, den das EU-Parlament seiner frischgetrauten Abgeordneten nebst Gattin gab, eröffnete Vladimir Spidla, der tschechische EU-Kommissar für Chancengleichheit. Belgien ist neben Spanien und Holland das dritte EU-Land, das die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet hat. Und so zogen die SPD-Politikerin Gröner und die Unternehmensberaterin Gilleßen eine Hochzeit an ihrem Arbeitsplatz Brüssel einer „Verpartnerung“ in Lissys fränkischen Heimat vor. Was wohl auch eine Frage des Takts ist. Denn dort lebte Lissy Gröner jahrelang mit Mann und zwei Kindern – im Gegensatz zu ihrer Ehefrau Sabine, die immer schon Frauen geliebt hat, war Lissy lange gut hetero. In ihrer Heimat sind Frauen- und Männerpaaren die Standesämter auch noch immer verschlossen. „In Bayern hätten wir zu irgendeinem Notar gemusst.“ Zweitens bringt die deutsche ‚Eingetragene Lebenspartnerschaft‘ den Paaren immer noch mehr Pflichten als Rechte. Weil sie das ändern wollen, wird der eigentlich „sehr private Schritt“ von Lissy Gröner und Sabine Gilleßen jetzt politisch: Das Ehepaar will die Anerkennung seiner Ehe in Deutschland einklagen. Wenn Gröner und Gilleßen damit Erfolg haben, dann wäre das „ein Präzedenzfall, der auch anderen Paaren diesen Weg eröffnen würde.“ Denn schließlich soll „unsere Hochzeit in Belgien auch einen Push für Deutschland geben!“
Aktion Kriegsbeute
| „Ich bin auch von Russen vergewaltigt worden“, sagte die alte Frau mitten in der Kölner Fußgängerzone. Sie war nicht die einzige Passantin, die an diesem Samstagmittag spontan auf die 40-köpfige Frauengruppe in den blauen T-Shirts mit der Aufschrift „Kriegsbeute“ zuging und anfing zu reden: über die Gewalt, die sie vor 60 Jahren erlitten hatte. |
„Kriegsbeute“ – das waren Hunderttausende deutsche Frauen, die vor allem von den russischen Besatzern bei Kriegsende vergewaltigt wurden. Zuvor waren die Russinnen die Beute der deutschen Wehrmacht gewesen. Bis heute sind Frauen auf der ganzen Welt „Kriegsbeute“. Mit rund 3.600 Plakaten und Aktionen in Fußgängerzonen will die Organisation medica mondiale auf diesen Krieg gegen Frauen aufmerksam machen. Die „Aktion Kriegsbeute“ ist Teil der Kampagne „Zeit zu sprechen“. Deshalb hat medica mondiale ein Internet-Forum eingerichtet, in dem Frauen ihre traumatischen Erlebnisse berichten und sich austauschen können. www.zeit-zu-sprechen.de/, www.medicamondiale.org
Bundesagentur fördert Strich-AG
Auf den ersten Blick scheint es unglaublich, auf den zweiten ist es nur folgerichtig: Die ‚Bundesagentur für Arbeit‘ vermittelt nicht nur Bordellen auf Staatskosten Prostituierte (EMMA 3/05). Sie fördert auch Frauen (theoretisch auch Männer), die sich als Prostituierte selbstständig machen wollen. „Die Förderung der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit im Bereich der Prostitution mit Existenzgründungszuschuss oder Überbrückungsgeld ist nicht ausgeschlossen“, erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise auf Anfrage eines CDU-Bundestagsabgeordneten. Und auf EMMA-Nachfrage bestätigt die Bundesagentur: „Laut Gesetzeslage sind wir zur Förderung verpflichtet.“ Weil die rot-grüne Prostitutionsreform seit 1. Januar 2002 Prostitution zum „Beruf wie jeder andere“ erklärt, sind die Voraussetzungen für einen Zuschuss zur Prostitution die gleichen wie bei der Ich-AG: Die „Existenzgründerin“ muss Arbeitslosengeld beziehen, einen „Businessplan“ aufstellen und ihr „Geschäftskonzept“ von einer „fachkundigen Stelle“ (zum Beispiel einem Steuerberater) für „tragfähig“ erklären lassen. Dann fließt öffentliches Geld: Im ersten Jahr 600 Euro pro Monat, im zweiten 360, im dritten 240. „Wir bemühen uns, die Voraussetzungen streng zu prüfen“, beschwichtigt man in Nürnberg. Hoffentlich prüft die Bundesagentur auch, wie viel der staatlichen Zuschüsse von Zuhältern einkassiert wird.
Traum Feuerwehrfrau
| Da gibt es Truppführer, Wehrführer und Brandinspektoren, man hantiert mit schwerem Gerät und geht mit den Kameraden buchstäblich durchs Feuer: Was ist männerbündischer als die Freiwillige Feuerwehr? Nicht so in Hainstadt. Via Plakat-Aktion verkündet die 9.000-Seelen-Gemeinde bei Frankfurt am Main |
stolz: „Feuerwehr – Nicht nur Männersache!“ Darauf werben die Hainstadter Powerfrauen in voller Montur für ihr Lieblings-Hobby: zünftig bewaffnet mit Kettensäge, Feuerwehrbeil, hydraulischem Schneidegerät und natürlich dem Feuerwehrschlauch – professionell: dem Strahlrohr. Feuerwehrfrau Mona Merz (23): „Ich wollte schon als Kind zur Feuerwehr!“ Die örtlichen Feuerwehrmänner bestärkten sie: „Wir brauchen jeden Mann und jede Frau.“ Im Osten ist jeder siebte Feuerwehrmann eine Feuerwehrfrau, im Westen kommen nur ein bis zwei Feuerwehrfrauen auf hundert. Mit elf Feuerwehrfrauen von rund 100 Aktiven liegt das hessische Hainstadt sogar über Ostniveau.
www.feuerwehr-hainstadt.de
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