Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten der EMMA März/April 2006.
Abpfiff für Zwangsprostituierte
| Nun ist er doch mit von der Partie, der DFB! Wenn am 7. März, dem Vorabend des Frauentags, die Kampagne ‚Abpfiff!‘ gegen Zwangsprostitution bei der Fußball-WM startet, wird auch der Deutsche Fußballbund dem Geschäft mit der Ware Frau die Rote Karte zeigen. Bisher hatten sich Mayer-Vorfelder und seine Mannen vornehm zurück gehalten – trotz |
der Tatsache, dass in den zwölf WM-Städten 30.000 bis 40.000 getäuschte oder verschleppte Frauen erwartet werden, um Frauenhändlern und Fans zu Diensten zu sein (EMMA 1/06). Als sich Ende Januar zunächst das Europaparlament mit dem Problem beschäftigte und dann auch noch das Innen- und Frauenministerium zu einem ‚Runden Tisch gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2006‘ luden, wurde es aber wohl doch zu peinlich. „Wir stellen unsere Plattform für dieses wichtige gesellschaftliche Anliegen gern zur Verfügung“, erklärte DFB-Präsident Theo Zwanziger den TeilnehmerInnen von BKA über Fanprojekte bis zum Deutschen Frauenrat. Der wünscht sich, dass „sich in jeder Ausrichterstadt ein prominenter Fußball-Repräsentant für unsere Kampagne zur Verfügung stellt“. Mit im ‚Abpfiff!‘-Team sind auch amnesty international und der Bund Deutscher Kriminalbeamter. AktivistInnen für die Aktionen vor Ort werden dringend gesucht. http://www.frauenrat.de/
Ein Skandal?
| „Die Männer wurden herausgefiltert“, klagte das Schweizer Nachrichtenmagazin Facts. Dem folgten Rücktritte und Medienberichte mit Schlagzeilen wie: „Eclat: Bundesrätin Micheline Calmy-Rey diskriminiert |
Männer.“ Was war passiert? 14 AnwärterInnen für eine Botschaftskarriere schafften die Prüfungen und landeten auf der Liste der Zulassungskommission, darunter vier Frauen und zehn Männer. Daraufhin entschied die Außenministerin, die eine strikte Gleichstellungspolitik auch innerhalb ihres Ministeriums vertritt: Vier Frauen und vier Männer treten das einjährige Praktikum im Diplomatischen Dienst an. Die restlichen sechs Männer können im nächsten Jahr nochmal antreten. „Pure Willkür!“ schrie Ständerat Dick Marty und trat aus der Prüfungskommission für zukünftige Diplomaten zurück. „Unheilvoll“ sei der Eingriff, klagte Universitätsprofessor de Senarclens und trat ebenfalls zurück, zusammen mit einem weiteren Kollegen. Der Skandal war komplett. Im diplomatischen Corps der Schweiz sind heute 376 Männer und 71 Frauen, von 116 Botschaftern sind nur zehn weiblich. „Ich fände es wunderbar, wenn jede Diskriminierung von Frauen denselben Wirbel verursachen würde“, feixt Regula Frey-Nakonz, die Beauftragte für Chancengleichheit in Calmy-Reys Ministerium. „Danke, Dick Marty!“, spottet SP-Generalsekretär Thomas Christen. „Der Rücktritt der drei beleidigten Männer macht endlich Platz für Frauen.“ Das aktuelle Geschlechterverhältnis in der Zulassungskommission: 19 Männer – und vier Frauen. Christine Loriol
Komische Angie
| Guter Humor teilt nach oben aus. Solange nur Männer oben sitzen, sind auch Satiriker und Parodisten Männer. Die Kanzlerin bringt jetzt die bisher relativ arbeitslose Riege weiblicher Comedians in Lohn und Kaviar. So sind Schauspielerin Antonia von Romatowski (Foto), 29, und Radiomoderatorin Anne Onken, 28, als Deutschlands Top-Merkel-Imitatorinnen im |
Dauereinsatz. Die eine spricht auf Bayern 3 als ‚Angie aus Berlin‘ allmorgendlich zu den Menschen in Stoiberland und saß – weil sie nicht nur so sprechen kann, sondern auch noch so aussieht – freitags beim ‚Talk im Tudio‘ in feindlicher Runde mit „Ex-Kanzla“ Kohl, „Edmund Stoiba“ und ihrem „Amtsvorgänga“ Schröder. Onken spielt die akustische Hauptrolle in ‚Angela – Schicksalsjahre einer Kanzlerin‘. Die Radionovela ist so erfolgreich, dass sie zweimal täglich auf zwölf Sendern von Eins Live bis Inselradio Mallorca laufen. Nicht nur WDR-Moderatorin Katrin Schmick alias Ullalala Schmidt übernimmt gelegentlich eine Gastrolle. „In der Comedy müssen wir uns neu justieren, weil jetzt alles weiblicher wird“, freut sich Merkel-Double von Romatowski. „Mit der neuen Kanzlerin werden die Frauen auf den Putz hauen. Das gibt bestimmt ne kleine Revolution!“ www.bayern3.de/comedy, www.einslive.de/daswort/diecomedys
Theron im Kalten Land
| Filmisches Gipfeltreffen zweier Powerfrauen: Die Regisseurin Niki Caro (Whale Rider) verfilmt mit Charlize Theron (Monster) in der Hauptrolle die wahre Geschichte einer dritten Powerfrau: |
der Bergarbeiterin Josey Aimes. Die kehrt nach ihrer Scheidung mit ihren zwei Kindern nach Minnesota zurück und nimmt den lukrativen Job im Eisenbergwerk an. Männerarbeit. Was sucht die Frau hier?! Erst sind es nur Blicke, dann Worte, dann Taten. Aber Josey duckt sich nicht – sie wehrt sich. Und sie wird dabei immer einsamer in diesem ‚Kalten Land‘. Die ebenfalls belästigten Kolleginnen haben Angst und ihrer Familie ist die ganze Sache peinlich. Doch sie steht es durch – und erkämpft 1984 die erste gerichtliche Sammelklage gegen sexuelle Belästigung in den USA. So erschütternd wie mitreißend. Jetzt im Kino.
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