Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den zwei Magazin-Seiten der aktuellen EMMA.
FRAUEN IN DIE
Aufsichtsräte

Gudrun Schyman hat ein neues Betätigungsfeld. Die schwedische Feministin und Vorsitzende der Frauenpartei F! ist als Kleinaktionärin bei zehn großen Unternehmen eingestiegen. Von der Kämpferin für die Frauen zur Kämpferin für den Kapitalismus? Nicht wirklich. Denn Schymans Investitionen haben nur ein Ziel: Nur jeder fünfte Schwede in Aufsichtsräten ist weiblich (was übrigens für Deutschland eine Traumquote wäre). Und mit dem Besitz einer (!) Aktie erkauft sich Aktionärin Schyman automatisch das Recht, an Aktionärsversammlungen teilzunehmen. Und dort tut sie das, was sie immer tut – sie kämpft für die Frauen. Ihr Argument: Forschungsergebnisse der Universität Uppsala, die zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen (hoher) Rendite und (hoher) Frauenquote gibt. Marcus Wallenberg, Patriarch einer der reichsten schwedischen Unternehmerfamilien, pflichtet Schyman schon bei: „Wir glauben, dass ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern ein besseres Betriebsergebnis bringt.“ Ihre Antwort: „Worauf wartet ihr dann noch?“ Im Nachbarland Norwegen hat die Regierung 2006 die Unternehmen gesetzlich zu 40 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten verpflichtet.
In EMMA zum Thema: Bastion Wirtschaft – Frauen ante portas (3/06)
HEDWIG DOHM
Mehr Stolz, Ihr Frauen!

Sie war die brillanteste und eine der radikalsten unter den historischen Frauenrechtlerinnen. Schon 1872 fordert sie das Frauenwahlrecht und erklärt – fast ein Jahrhundert vor Beauvoir – das Geschlecht als „durch soziale Bedingungen Gewordenes“. Der Satz „Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“ stammt aus ihrer Feder. Zu ihren Lebzeiten war Hedwig Dohm (1831-1919) eine Berühmtheit. Dennoch erinnert in ihrer Heimatstadt Berlin nicht eine Tafel an die große Tochter der Stadt, nicht einmal eine Straße ist nach der kühnen Vordenkerin benannt, ihr Grab sollte sang- und klanglos eingeebnet werden. Der Journalistinnenbund verhinderte das und beschloss, mit einem Gedenkstein zu Dohms „Wiederentdeckung beizutragen“. Am 22. September (Dohms Geburtstag) wird nun auf dem St. Matthäuskirchhof in Schöneberg ein Gedenkstein eingeweiht, gestaltet von der Kölner Künstlerin Ulrike Oeter. Es folgen eine Veranstaltung der Initiative „Hedwig Dohm sichtbar machen“ im Schöneberger Rathaus und mehrere Lesungen. Hedwig Dohm wäre begeistert. Schließlich hat sie auch den weiblichen Hang zur Bescheidenheit mit einem berühmten Satz attackiert: „Mehr Stolz, Ihr Frauen!“
Gedenkfeier: 22.9., 13.30 Uhr, St. Matthäuskirchhof
SACHSEN
Berufsverbot für Frauen?
Kommt ein arbeitsloser Neonazi zur Agentur für Arbeit. Sein Sachbearbeiter heißt Darici und ist türkischer Herkunft. Der Neonazi bedroht den Türken und verlangt einen deutschen Fallmanager, denn in seinen Kreisen sei es nicht üblich, sich mit Ausländern abzugeben. Die Agenturleitung hat Verständnis und setzt den türkischen Sachbearbeiter woanders ein. Hier und heute unmöglich? Stimmt. Aber nicht, wenn es um Frauen geht. Die Agentur für Arbeit in Freiberg bei Dresden hat, so berichtet uns eine aufgebrachte EMMA-Leserin, mehrere Sachbearbeiterinnen „versetzt“, weil „iranische und irakische Klienten“ sich weigerten, mit Frauen zu verhandeln und die Mitarbeiterinnen „körperlich bedrohten“. Auf Nachfrage von EMMA erklärte die Pressestelle der Arbeitsagentur: einen solchen Fall habe es nicht gegeben. Doch wenn er eintrete, so Pressesprecherin Michaela Barthel, würde man so handeln: „Im Sinne unserer Mitarbeiterinnen. Und auch im Hinblick darauf, dass wir den Besonderheiten anderer Kulturkreise in angemessener Weise gerecht werden.“ Und wann müssen sich die Sachbearbeiterinnen auf „Wunsch des Kunden“ verschleiern? Oder bekommen sie gleich Berufsverbot? Dann könnte man sich das lästige Umdisponieren der Dienstpläne sparen.
NRW
Hilfe gegen Zwangsheirat
„An der Wand ein weißes Kleid, mein Käfig und traumhaft zugleich, trägt mein unerträgliches Leid.“ Das Gedicht auf der Homepage www.zwangsheirat-nrw.de ist anonym. Mit Hilfe dieser Website, die vom Mädchenhaus Bielefeld und unterstützt vom nordrhein-westfälischen Familienministerium ins Leben gerufen wurde, sollen sich jungen Mädchen und Frauen vor einer Zwangsheirat schützen. Auf Deutsch, Türkisch, Arabisch, Englisch, Kurdisch und Albanisch können bedrohte Frauen sich an die ausschließlich weiblichen Beraterinnen wenden, um sich anonym über das Thema Zwangsheirat zu informieren. Die Website ist Teil einer Postkarten-Kampagne, die Integrationsminister Armin Laschet Ende 2006 unter dem Titel „Ihre Freiheit - seine Ehre“ gestartet hatte.
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