Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den zwei Magazin-Seiten der aktuellen EMMA.
Trottas Hildegard

Die international bedeutendste deutsche Filmemacherin, Margarethe von Trotta, schreibt deutsche Frauengeschichte. An ihren Idolen wird der Zeitgeist sichtbar. So verkörpert Barbara Sukowa 1981 die RAF-Terroristin Gudrun Ensslin, 1986 die Kommunistin Rosa Luxemburg – und jetzt, im Jahre 2009, die Nonne Hildegard von Bingen (1098–1179). Sie korrespondierte mit Päpsten, Kaisern und Gelehrten und war ein Multitalent: Denkerin, Heilerin und Komponistin. Sie beeinflusste das Christentum über Jahrhunderte. Im Alter von 42 hat die bodenständige Hildegard ihre erste "Gottesvision" – und es folgen viele, immer dann, wenn sie gehört werden und ihren Willen durchsetzen will. Schließlich lebt sie in einer Zeit, in der Frauen keine Stimme haben – da trifft es sich gut, dass die Äbtissin im Namen Gottes spricht. Trotta, die Geschichtenerzählerin, setzt den Akzent weniger auf die Denkerin, sondern eher auf die Visionärin und Liebende. "In voller Liebe zugetan" ist die lebensfrohe Klostergründerin vor allem der jungen Nonne Richardis von Stade (Hannah Herzsprung). Die geht, aber stirbt an gebrochenem Herzen. Auch Hildegard leidet, aber ihr Herz bricht nicht. Sie überlebt fünf deutsche Kaiser und Könige sowie 17 Päpste und Gegenpäpste – und vollendet ihr beachtliches Werk.
A.S. – Filmstart: 24. September.
Gretel Begmanns Alptraum

Berlin 1936. Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür. Eine der aussichtsreichsten deutschen Gold-Kandidatinnen ist die Hochspringerin Gretel Bergmann. Aber: Sie ist "Volljüdin". Schon 1933 hatte das "Reichsamt für Leibesübungen" Juden aus den Sportvereinen werfen lassen, und auch Olympia soll nach dem Willen des Führers "judenfrei" sein. Da drohen die USA mit Boykott. Also melden die Nazis Bergmann zu den Spielen an. Zunächst … Zur Leichathletik-WM 2009 in ebenjenem Berliner Olympiastadion erzählt Regisseur Kaspar Heidelbach ("Das Wunder von Lengede") mit "Berlin 36" eindringlich die wahre Geschichte der Gretel Bergmann (Karoline Herfurth), die er im Abspann zu Wort kommen lässt. "Ich habe jahrzehntelang immer den selben Albtraum gehabt", erzählt die heute 95-Jährige, die 1937 in die USA emigriert war: "Ich stehe im Olympiastadion und nehme Anlauf, aber meine Beine versagen." Filmstart: 10.9. Bücher: Gretel Bergmann: Ich war die große jüdische Hoffnung (G. Braun), Vergessene Rekorde (vbb)
Unsere Weltmeisterinnen in Aktion

- Fußball-Weltmeisterinnen 2005
Unsere Fußball-Mädels haben ja quasi ein Abo auf den Europameisterinnen-Titel. Sechs mal hat die deutsche Fußball-Nationalfrauschaft den EM-Titel schon geholt (Foto 2005). Ob Silvia Neids Damenriege um Prinz (Weltfußballerin), Angerer (Welttorhüterin) & Co. bei der Fußball-EM in Finnland nun Sieg Nr. 7 erkicken, das wird sich vom 23.8. bis 10.9. erweisen. Einen Gewinner gibt es auf jeden Fall jetzt schon: die FernsehzuschauerInnen. Die guckten nämlich bei der letzten EM noch in die Röhre: Die Übertragungsrechte an den Frauen-Spielen waren ARD und ZDF schlicht "zu teuer" gewesen. Jetzt haben die Öffentlich-Rechtlichen investiert und übertragen alle Deutschland-Spiele live. Anstoß gegen die Norwegerinnen ist am 24. August um 16 Uhr. Ob es die Mädels bis zur Frauenfußball-WM im Jahr 2011 ins Abendprogramm geschafft haben?
www.dfb.de + www.womensoccer.de
Shahla, Fana & Samira wagen es!

Es waren Wahlen in Afghanistan. Dass von den beiden Präsidentschaftskandidatinnen keine gewonnen hat, hat niemanden überrascht. Die Überraschung war, dass diese Frauen es überhaupt gewagt haben zu kandidieren: Beide stehen auf der Todesliste der Taliban. Die 47-jährige Shahla Atta (Foto) ist Parlamentsabgeordnete und versteht ihre Kandidatur als "Demonstration der Gleichberechtigung". "Auch wenn ich verliere, habe ich gesiegt", erklärte sie. "Denn ich bin eine Frau und trete trotzdem an." Die 49-jährige Frozan Fana ist Ärztin und will die Arbeit ihres ermordeten Mannes fortsetzen. – Das Herz dürfte Samira Makhmalbaf höher geschlagen haben, als sie im Pariser Exil von der Kandidatur der Frauen hörte. Sie ist die berühmte Tochter des berühmten Mohsen Makhmalbaf und hat einen ihrer erschütternsten Filme über ein kleines Mädchen in Afghanistan gemacht, das davon träumt, Präsidentin zu werden ("Fünf Uhr nachmittags"). Filme von ihr, ihrem Vater und ihrer Schwester Hana sowie von anderen FilmemacherInnen aus Ländern, in denen es lebensgefährlich ist, den aufrechten Gang zu gehen, sind jetzt in Nürnberg zu sehen, auf dem "Filmfestival der Menschenrechte". Samira stellt ihren neuesten Film vor: "The twolegged Horse". Filmfestival Nürnberg 30.9.–11.10.
www.humanrightsfilmfestival.org
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