Sie werden zwar kaum erwähnt, aber sie hatten eine entscheidende Rolle. Jetzt ist den Frauen eine Ausstellung gewidmet.

- DemonstrantInnen am 24. Oktober 1989 in Berlin; Foto: Andreas Schoelzel
Es hätte der Beginn eines Bürgerkriegs werden können. Am 9. Oktober 1989 will die DDR-Führung in Leipzig ein Exempel statuieren. Schützenpanzerwagen, Wasserwerfer werden aufgefahren, mehr als 5.000 bewaffnete Sicherheitskräfte in Position gebracht. Die Krankenhäuser stocken Betten, Blutkonserven und Personal auf, rechnen mit tausenden Verletzten. Die deutschen Prügelaktionen zum 40. Jahrestag der DDR in Leipzig und Plauen sowie das chinesische Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking haben gezeigt, wozu ein Staat fähig ist, wenn seine BürgerInnen nicht spuren. Das Blutbad scheint vorprogrammiert, als die Sicherheitskräfte ausströmen. Doch auf das, was sie auf den Straßen vorfinden, sind sie nicht vorbereitet: rund 70.000 friedliche DemonstrantInnen, Frauen, Männer, vereinzelt sogar Kinder, und mit Kerzen statt Knüppeln in den Händen.
Polizei, Stasi und Militär sind ratlos. 70.000 Menschen lassen sich nicht niederschlagen. Es ist das Ende der DDR.
Genau 20 Jahre später gedenkt man in Leipzig noch einmal der mutigen 70.000 von 1989. Es sollen diesmal über 100.000 sein, die erneut die Strecke um den Altstadtring zur Nikolaikirche ablaufen. Unter ihnen viele mit Tränen in den Augen. Auf den Bühnen von Medien und Politik formieren sich die Promis des Widerstands: Gewandhaus-Chefdirigent Kurt Masur, Kabarettisten, die aktiven Pfarrer. Unter ihnen kaum eine Frau.
„Wir sind das Volk?“ – „Ja, und wir auch“, erinnert sich Gisela Kallenbach, eine der AktivistInnen der ersten Stunde und heutige Abgeordnete der Grünen im Sächsischen Landtag. Sie und sieben weitere Frauen des Widerstandes stehen im Fokus der Leipziger Ausstellung „Revolution ist weiblich“, die die Lebensstationen von Sächsinnen nachzeichnet, die sich in den 1980er Jahren exponiert in Frauen-, Friedens-, Menschenrechts- oder Umweltgruppen engagiert haben. Unter dem Damoklesschwert der Stasi verteilten sie Flugblätter, planten Aktionen, bildeten Gruppen, erstellten Westkontakte.
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Annika Ross, EMMA 2/2010
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