Simone de Beauvoir im 21. Jahrhundert
Vive Simone!


"Zweifellos ist es bequemer, in blinder Unterwerfung zu leben, als an seiner Befreiung zu arbeiten: Auch die Toten sind der Erde besser angepasst als die Lebenden." (Simone de Beauvoir in "Das andere Geschlecht")
Am 14. April 1986 starb Simone de Beauvoir im Alter von nur 78 Jahren. Ihr Tod kam überraschend – und ihre Beerdigung auf dem Pariser Friedhof Montparnasse wurde zur „dernier manif du MLF“, zur letzten Demonstration der Frauenbewegung. Tausende Frauen und auch viele Männer folgten dem Cortège. „Sie öffnete uns die Tür. Den vielen Frauen, überall auf der Welt, deren Leben sie auf immer bewegt und erleuchtet hat“, schrieb Kate Millett in ihrem Nachruf. „Die Hälfte der Menschheit. Wer hätte je ein Buch geschrieben, das das Schicksal aller Menschen verändern würde?“
Und Alice Schwarzer, die drei Jahre zuvor gemeinsam mit Beauvoir ihre Gespräche zwischen 1972 und 1983 veröffentlicht hatte, schrieb: „Das war nicht nur ein Abschied, es war auch ein Versprechen. Versprechen, weiterzukämpfen. Für die Freiheit. Für die Selbstverantwortung. Für das Glück aller Menschen. Vor allem und endlich auch für das der weiblichen Menschen.“
Seither gab es reichlich Aufs und Abs in der Rezeption von Beauvoirs Werk, ihres Schlüsselwerks „Das andere Geschlecht“, ebenso wie ihrer Romane. Dieses Auf und Ab ist bestimmt von der jeweils herrschenden Ideologie. Sind Frauen „anders“? Oder sind die Geschlechter im Prinzip gleich, die Gemeinsamkeiten größer als die Unterschiede und letztere nicht definierend für einen Menschen?
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hatte sich eigentlich die Auffassung von der Gleichheit der Geschlechter durchgesetzt – doch der Rückschlag ließ nicht auf sich warten. Er manifestiert sich heute vor allem im religiösen Fundamentalismus, im Islam wie im Christentum. Auch deshalb ist Beauvoirs Denken jetzt aktueller denn je zuvor.
EMMAonline, 14.4.2011

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Bücher, Film & Hörbuch über Beauvoir
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SCHWARZER ÜBER BEAUVOIR
Die Frauenbewegung wäre ohne sie nicht denkbar
Alice Schwarzer ist hingerissen von der Klarheit ihres Denkens, der Unteilbarkeit ihres Gerechtigkeitssinnes und der Kühnheit ihrer Visionen. Und gerührt von ihrer Leidenschaftlichkeit und Verletzlichkeit. Artikel lesen

LE CASTOR DE GUERRE
"Nur das Leben ist wirklich...
... Denn der Tod lässt sich nicht denken." - Danièle Sallenave hat eine rigorose und warmherzige Biografie über Simone de Beauvoir verfasst. Die erste, die ihr annährernd gerecht wird. Artikel lesen
SIMONE DE BEAUVOIR
Das andere Geschlecht
"Man kommt nicht als Frau zu Welt, man wird es." Beauvoirs Essay zur umfassenden kulturgeschichtliche und soziologische Abhandlung der Lage der Frauen in einer männerdominiserten Welt ist der radikalste und visionärste Beitrag zur Emanzipation der Frauen im 20. Jahrhundert. Artikel lesen

REAKTIONEN
Ein saftiger Ruf als Lesbe
In ihrem dritten Memoirenband schildert Beauvoir die Reaktionen auf "Das andere Geschlecht". Die Aggressionen auf der Straße und in Cafés und Restaurants gegen die Autorin arteten nicht selten in Pöbeleien aus. Artikel lesen

BESUCH IN BERLIN
Satte Franzosen und dürre Deutsche
Nie verliert Beauvoir ihre Klarsicht und ihren Gerechtigkeitssinn. Nicht einmal im Nach-Hitler-Deutschland. Ein Brief an Algren über ihren Besuch mit Sartre in Berlin im Jahr 1948. Artikel lesen
DIE INTERVIEWS
Das Begehren der anderen
Zwischen 1972 und 1982 führte Alice Schwarzer eine Serie von Gesprächen mit Simone de Beauvoir, auch über Erotik und Weiblichkeitswahn. Artikel lesen

BRIEFE AN ALGREN
Liebe oder Leben?
Warum Simone de Beauvoir sich gegen ihren Lover Nelson Algren entschied und für ihren Lebensgefährten Jean-Paul Sartre. Und was alles sonst noch so in ihren Briefen steht. Artikel lesen

EMMA-DOSSIER
Kontroverse um Beauvoir
Für die einen ist sie von gestern und eine Verräterin der Frauen. Für die anderen ist sie hochaktuell und die bedeutendste Frau dieses Jahrhunderts. Dahinter stehehn auch handfeste politische Differenzen. Artikel lesen
ALICE SCHWARZER
Ihre Geheimnisse
Das Erscheinen der Briefe von Simone de Beauvoir löste heftige Reaktionen aus. Es ist wahrscheinlich, dass die bedeutendste Intellektuelle des 20. Jahrhunderts ohne den Mann an ihrer Seite nie die hätte werden können, die sie ist. Artikel lesen
TORIL MOI
Die bedeutendste Intellektuelle
Die Beauvoir-Biografin sagt, warum Simone de Beauvoir für uns heutige Frauen unentbehrlich ist. Ihr bahnbrechendes Beispiel hat dazu beigetragen, dass Frauen heute als Intellektuelle und Frauen ernst genommen werden. Artikel lesen

INGRID GALSTER
Zum Denkmal erhoben - und vom Sockel gestürzt
Die Bevoir-Forscherin durchleuchtet die Rezeption der Briefe in Frankreich. Auch posthum sind Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre noch für einen Skandal gut. Artikel lesen
IM GESPRÄCH
"Das ewig Weibliche ist eine Lüge!"
Dieses aufschlussreiche Gespräch mit Simone de Beauvoir führte Alice Schwarzer im Jahr 1975. Über die Mystifikation von "Weiblichkeit" und die Falle Mutterschaft. Artikel lesen
DER ABSCHIED
Sie öffnete die Tür
Am 14. April 1986 starb Simone de Beauvoir. Kate Millet zum Tod der Vorreiterin, die das Leben vieler Frauen überall auf der Welt verändert hat. Auch für die Frauen, die nie von ihr gehört hatten. Artikel lesen
ZUM TOD VON BEAUVOIR
Unser aller Vorbild
Alice Schwarzer nimmt Abschied. "Für unsere Generation war sie in den 50er Jahren der einzige Lichtblick. Liebe? Ehe? Kein Nachdenken darüber war denkbar ohne das Modell des Traumpaares Beauvoir und Sartre." Artikel lesen
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