Gipfelstürmerinnen
Sie haben die Nordwände der Alpen und sogar fast den Mount Everst bezwungen - in einer Zeit, als das Hochgebirge noch Männerwelt war. Drei Bergsteigerinnen aus der Schweiz blicken stolz zurück. Sie erzählen über Frauensiege im Aufstieg und Männerneid am Abhang.
Marianne Winkler (Fotos, li mit 39 Jahren beim Aufstieg auf den Mont Vélan) hat alle Viertausender der Schweiz bestiegen. Es fällt in der Tat nicht schwer, sich die 75-Jährige vorzustellen, wie sie an einem Seil in einer Steilwand hängt. Winkler steht vor einer Wand aus gehacktem Holz und grinst keck an der Kamera vorbei. Drahtig und zäh sieht sie aus. „In den Bergen habe ich Selbstvertrauen bekommen“, sagt sie. Sie ist professionelle Bergsteigerin, schon immer gewesen. Auch in einer Zeit, als das Hochgebirge noch eine Männerwelt war.
Marianne Winkler ist eine von 13 Alpinistinnen über siebzig, die in dem Buch „Früh los“ von Patricia Purtschert über ihre Erlebnisse, Ängste und Freuden am Berg spricht. Der Titel hat eine doppelte Bedeutung. Er steht für das Morgengrauen, in dem die Frauen aufbrachen. Und er steht für ihre Rolle als Wegbereiterinnen. Denn die Alpinistinnen haben nicht nur Routen erschlossen, die heute noch genutzt werden. Sie haben dem schwachen Geschlecht die Welt der Berge überhaupt erst eröffnet. Die Ich-Erzählungen liefern darüber hinaus Einblicke in den Alltag der Schweizerinnen in der Zeit vor dem Frauenwahlrecht. Bis 1979 hat der Schweizer Alpenclub (SAC) keine Frauen aufgenommen. „Wir waren damals, Mitte der 50er Jahre, gut zwanzigjährig“, sagt Winkler. „Eines Tages stiegen wir mit den Skiern aufs Leckihorn. Wir waren zwanzig Frauen und vor uns lief der Tourenleiter. Da dachte ich: Müssen denn zwanzig Hühner hinter diesem einen Mann hergehen? Können wir das nicht selber?“...
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