Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten in der EMMA Januar/Februar 2004.
Aufruf wider eine "Lex-Kopftuch"!
| Auf Initiative der grünen Ausländerbeauftragten Marieluise Beck veröffentlichten 72 Frauen aus Politik und Wissenschaft am 1. Dezember einen Aufruf wider eine "Lex Kopftuch", Motto: "Religiöse Vielfalt statt Zwangsemanzipation!". Darunter einschlägig Engagierte, wie die seit langem mit fundamentalistischen Positionen sympathisierende Ex-Ausländer-Beauftragte |
von Berlin, Barbara John (CDU), aber auch überraschende Namen wie Künast, Leutheusser-Schnarrenberger oder Süssmuth. Einige von ihnen ließen es sich nicht nehmen, vor der Minerva-Statue (die Göttin der Weisheit - ausgerechnet) zu posieren. Ein Foto von der historischen Aktion existiert leider nicht. Beck hat die Chuzpe, vor einer "Dämonisierung" des Kopftuchs zu warnen, ein Kopftuch-Verbot in der Schule das immer wie ein allgemeines Verbot dargestellt wird würde "moslemische Frauen in die Hände islamischer Fundamentalisten treiben". Dabei ist in der Realität das Gegenteil der Fall: Die bisher passive Politik überlässt die Mehrheit der demokratischen MuslimInnen in Deutschland schutzlos der hart agitierenden Minderheit der Fundamentalisten die auch den Ludin-Prozess mit Verve betreiben und liefert muslimische Mädchen und Frauen der Entrechtung aus. Trockener Kommentar des Berliner Junge Union-Chefs Peters auf den Appell: "Die Damen stellen aus falsch verstandener Liberalität nützliche Idioten des fundamentalistischen Islam dar". Und selbst die dem Kopftuch gemeinhin sehr geneigte Süddeutsche Zeitung spricht von einem zwar "ehrenhaften Anliegen", über das sich allerdings "islamische Fundamentalisten aller Richtungen freuen" dürften. "Weniger Naivität hätte gut getan", kommentiert die SZ. Wobei, das wollen wir gerade bei dieser brisanten Frage nicht übersehen, in dieser Liste durchaus nicht alle naiv sind. Einige wissen sehr genau, was sie da tun.
Die komplette Liste der 72 Unterzeichnerinnen.
TürkInnen protestieren gegen den "Appell wider eine `Lex Kopftuch`":
http://www.tbb-berlin.de
EMMA auf dem Mond
| So viele beteiligten sich noch nie an einem GEO-Wettbewerb! 66 Agenturen reichten 139 Entwürfe ein zu der Aufgabenstellung, eine Anzeige zu entwerfen, die „in Wort und Bild einen Bezug zum Mond herstellt“. Und wer machte den 1. Preis: Die Hamburger Agentur Jung von Matt, die mit einer Mond-Anzeige für EMMA wirbt. Der Abdruck eines |
Frauenschuhs auf dem Mond: Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit. Und wem sonst könnte dieser Schritt zu verdanken sein, wenn nicht EMMA?! Zwei Männer und eine Frau – Philipp Barth, Till Fischer und Christine Ottiger – hatten die Idee zu der spacigen Anzeige und setzten sie überzeugend kreativ um. Der Jury, die dem Team Jung von Matt & EMMA den 1. Preis zusprach, gehörten nicht nur der GEO-Chefredakteur Gaede und W&V Redakteur Bijan Peymani an, sondern auch der erste deutsche Astronaut im All, Ulf Merbold. „Es mag noch eine Weile dauern, bis die drei beworbenen Kunden auf dem Mond vertreten sind“, kommentierte GEO. Warum so pessimistisch, Kollegen? Die erste Kundin ist schon oben: EMMA.
Lehrerinnen
„Lehrerinnen machen Schüler dumm“ alarmierten die Medien und beklagten den „Männermangel im Klassenraum“. Und die Politiker sehen das genauso. Mehrere Kultusminister, allen voran der Niedersachse Bernd Busemann (CDU), äußerten sich besorgt darüber, dass Jungs in der Schule schlechter abschneiden als Mädchen. Tatsächlich sind zwei Drittel aller Sitzenbleiber sind männlich. Die Ursache dieser Männermisere haben Busemann & Co. schon ausgemacht: Es werden zu viele Lehrerinnen auf die Knaben losgelassen bzw., wie es die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU) fein formuliert: Der Schulbetrieb hat sich „stark verweiblicht“. Dies schade den Jungen, die es ja schon zu Hause meistens mit einer Mutter zu tun hätten. In der Tat sind vier von fünf Grundschullehrern weiblich. Jetzt schlagen manche KultusministerInnen allen Ernstes eine Lehrerquote von 30 Prozent vor. Vielleicht sollten Busemann & Co. den Blick nach Norden richten, bevor sie die Lehrerinnen ziehen lassen? In Finnland zum Beispiel unterrichten in allen Schularten fast nur noch Frauen. Resultat: Die finnischen Schülerinnen und Schüler landeten beim Pisa-Test an der Spitze.
Bayer-Mörder vor Gericht!
| Am 21. Januar um 9 Uhr beginnt im Saal 210 des Landgerichts Köln der Prozess gegen den des Mordes an Angelika Bayer angeklagten Detlef W. Wir erinnern uns: EMMA hatte 1991 ausführlich über den Mordfall berichtet - die Leiche von Angelika Bayer war wenige Schritte von der Redaktion entfernt im Gebüsch gefunden worden. Der mutmaßliche Täter wurde |
zwölf Jahre nach der Tat gefasst. Und das auch nur dank der rein zufälligen Entdeckung bei einer routinemäßigen Abgleichung von DNA-Proben ungeklärter Fälle mit einschlägig Vorbestraften. Zum Zeitpunkt der Tat war der Verdächtige 38 Jahre alt. Mit 21 war Detlef W. erstmals wegen "sexueller Nötigung" verurteilt worden. In den Jahren darauf stand er mehrfach vor Gericht wegen Sexualverbrechen, 1985 wegen "versuchten Mordes". Verurteilt wird er jedoch nur für "gefährliche Körperverletzung" zu zwei Jahren und neun Monaten, aber plus anschließender Sicherheitsverwahrung. Fünf Jahre nach dem Urteil befürwortet eine Psychologin nach kurzen Gesprächen die Freilassung des Serien-Sexualverbrechers Detlef W., da von ihm "keine Gefahr mehr ausgeht". Ein Jahr später wird Angelika Bayer ermordet. In EMMA zum Thema: 12/1991
Hebammen
| 10.000 von 700.000 Babys werden in Deutschland nicht mehr im Kreißsaal geboren, sondern in Geburtshäusern oder sogar in den eigenen vier Wänden. Aber auch Frauen, die in Krankenhäusern entbinden, tun das immer öfter mit einer freiberuflichen Hebamme, |
die sie auch vor und nach der Geburt betreut. Dieser Trend könnte schon bald wieder zu Ende sein. Zum 1. Januar 2004 kündigten mehrere Versicherungen den 4.500 freiberuflichen Hebammen die Berufshaftpflicht. Rund 1.500 Euro im Jahr sollen die Geburtshelferinnen künftig für ihre Absicherung gegen Geburtsschäden hinblättern – bis dato waren es zwischen 130 und 500 Euro. „Die ganze außerklinische Geburtshilfe ist gefährdet“, fürchtet der Bund freiberuflicher Hebammen (BFHD). Dabei sei die Begründung der Versicherungen für den enormen Beitragsanstieg unhaltbar. Sechs Schadensfälle in den letzten zwei Jahren hätten Kosten von 800.000 Euro verursacht, erklärte die DEVK in altbekannter Versicherungsphilosophie. „Dabei ist 15 Jahre lang so gut wie nichts passiert“, hält der Hebammenbund dagegen. Mit einem Appell an Gesundheitsministerin Schmidt starteten die Hebammen einen Rettungsversuch: Die Ministerin soll ein Machtwort sprechen und die Geburtshilfe staatlich regeln. Ulla, your turn.
Rezensionen
Diese Bücher werden u.a. in der aktuellen EMMA besprochen:
- Soazig Aaron: Klaras Nein (Friedenauer Presse).
- Birgit Bauer: Im Federhaus der Zeit (DVA)
- Annette Pehnt: Insel 34 (Piper)
- Antje Wagner: Mottenlicht (KiWi).
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Hg. Alice Schwarzer:
"Die große Verschleierung" Für Integration, gegen Islamismus.
(KiWi, 9.95 €)
Simone de Beauvoir DVD, ein Film von Schwarzer 1973, 45 Min., deutsche u. franz Version
(EMMA, 10 €)
Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)












