Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten der EMMA Juli/August 2004.
Alle Jahre wieder ...
… veröffentlicht der Deutsche Werberat seine Jahresbilanz, und wie immer stehen die Beschwerden über frauenfeindliche Werbung mit Abstand an der Spitze: 606 Proteste gegen 255 Kampagnen flatterten dem Selbstkontrollgremiem der Werbewirtschaft im vergangenen Jahr ins Haus. Fast die Hälfte dieser Kampagnen, nämlich 109, fanden die genervten KonsumentInnen „sexistisch“. Zum Beispiel diese: Die Kiesow Autorecycling GmbH warb – übrigens auf den LKW der Hamburger Müllabfuhr – mit einer onanierenden Frau. Aufschrift: „Selbermachen ist geil!“ Oder: Der Flyer eines Geschäfts für Musik-Equipment zeigte eine auf dem Bauch liegende Frau mit dem Text: „She loves to blow“. Von den fünf Rügen, die der Werberat dann letzliche aussprach, ergingen drei wg. Sexismus. Eine davon erhielt Bäcker Jens Steinhauer aus Wölfersheim im Wetteraukreis, der es mit seinen Busen-Brötchen in EMMA zum Pascha des Monats gebracht hatte. Der Werberat fand die „Tittis“ von Meister Jens auch nicht lustig und tadelte vor allem die dazugehörige Anzeige mit einem weiblichen Po im Stringtanga. Text: „Fit in den Tag, fit im Job, fit im …“ Steinhauer backt übrigens mittlerweile auch „Joy Stickis“. Mal sehen, ob die im nächsten Jahr auch wieder die zweifelhafte Ehre hat.
Carolinas Welt
| Der eigentliche Star des Films ist die Großmutter, gespielt von der 70-jährigen Shirley MacLaine. Die einst so süß-kitschige Irma la Douce ist jetzt die freakige Grandma Mirabeau, die ihr Leben durch Glücksspielen verdient und ganz |
nebenher drei Enkelinnen aufzieht, die von ihrem saufenden Sohn bei ihr abgeladen wurden. „Carolina“ ist eine der drei Enkelinnen. Mit ihrem sechsten Film knüpft die holländische Regisseurin Marleen Gorris an ihrer oscargekrönten Familiensaga über drei Frauengenerationen an, „Antonias Welt“. In Carolinas White-Trash-Welt geht es härter zu und stehen zwei Frauengenerationen im Mittelpunkt: die Alte und die Jungen. „Ich bin Feministin“, sagt Gorris, 55. „Was für mich als Regisseurin heißt, Frauen im Film wirklich sichtbar zu machen.“ Dies tut sie auch diesmal wieder auf so anrührende wie mitreißende Weise, wenn auch greller als in den bisherigen Filmen: angefangen bei der „Stille um Christine M.“, dem Kultfilm der 80er, bis hin zur Virginia-Woolf-Verfilmung „Mrs. Dalloway“. Diesmal zeichnet Gorris wieder für Drehbuch, Regie und Film verantwortlich und prägt mit ihrem so liebevollen wie bewussten Blick den Film bis ins Detail. „Carolina“ läuft am 29. April an.
Polygamie legal in Deutschland?
Eine nach der Scharia geehelichte Zweitfrau darf in Deutschland bleiben, wenn ihr Mann hier lebt. Das entschied am 30. März 2004 das Oberverwaltungsgericht in Karlsruhe. Es ging um eine Irakerin, die 1990 ihren bereits mit einer ersten Frau verheirateten Mann, der 1996 nach Deutschland ins Exil ging, ehelichte. 1999 reisten beide Ehefrauen nach. Damit erkannte ein höchstes deutsches Gericht die Polygamie an, und das nicht zum ersten Mal. So entschied das Bundessozialgericht in Kassel 2003, die Rente eines verstorbenen Marokkaners habe zwischen seiner Erstfrau, mit der er 37 Jahre verheiratet war, und seiner Zweitfrau, die er drei Jahre vor dem Tod ehelichte, geteilt zu werden. Kommentar von Prof. Mathias Rohe, der in Erlangen lehrt und seit längerem für die Legalisierung islamischen Rechts im Rechtsstaat Deutschland eintritt: Endlich versuche man „so zu urteilen, dass Zweitfrauen nicht schutz- und rechtlos sind“. Hört sich frauenfreundlich an. Ist aber fundamentalistenfreundlich. Und liegt voll in der Strategie der Islamisten, die seit Jahren auf allen Ebenen des demokratischen Rechts gleichzeitig attackieren: vom öffentlichen Recht (Stichwort Kopftuch) bis zum Zivilrecht (Stichwort Ehe). Und für wann dürfen wir mit einer „islamfreundlichen Tolerierung“ im Strafrecht rechnen? Stichwort: Steinigung. In EMMA 4/2002 zum Thema: Die neuen KonvertitInnen.
Frühling 2004: gut lila
Veronika, die Lenzin ist da – und damit Homo-Events en suite: Den Auftakt bildet wie immer das „Lesbenfrühlingstreffen“, kurz LFT, zu Pfingsten. Unter dem Motto „Mittendrin und voll daneben“ pilgern mehrere Tausend einschlägig liebende Frauen vom 28.–31. Mai nach Gießen. Da es sich um das 30. LFT handelt, legen die „Orga-Lesben“ in diesem Jahr Wert auf Geschichte: Besucherinnen sind aufgefordert, Devotionalien zur „Mitbring-Ausstellung 30 Jahre LFT“ beizusteuern und bis zum 7. Mai Geschichten über „Mein erstes LFT“ einzusenden. – Vom 4.–13. Juni wird Hamburg als Gastgeberin für den „Europride“ für zwei Wochen zur europäischen Homo-Hauptstadt. Und dann geht es schon los mit den Christopher-Street-Day-Paraden: am 5. Juni in Dresden, Kiel, Lüneburg, Düsseldorf und Zürich, am 19. Juni in Bielefeld, Augsburg und Oldenburg, am 26. Juni in Wien und Berlin. Die Termine im Juli und August folgen in der nächsten EMMA. www.lesbenfruehling.de, alle CSD-Termine: www.stadt.gay-web.de
Rezensionen
Diese Bücher werden u.a. in der aktuellen EMMA besprochen:
- Brigitte Baumeister: Welchen Preis hat die Macht? (Heyne)
- Rujana Jeger: Darkroom (Beck)
- Annette Kuhn:Ich trage einen goldenen Stern (Aufbau)
- Viola Roggenkamp: Familienleben (Arche)
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Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)









