Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten der EMMA März/April 2004.
Da ist er ja wieder …
| ... aber ob er es wirklich schaffen wird? Seine eigenen Parteifreunde von der CDU Hessen jedenfalls finden seine jüngsten Pläne „an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten“ und die geplante TV-Show „zynisch“. Es geht um Michel Friedman. Er kommt zwar nur im Pay-TV, erregt aber dennoch schon vorab Aufsehen. Denn der „nicht unumstrittene Moderator“ (Spiegel online) |
ist schließlich vorbestraft wg. Kokainkonsum – und moralisch im Zwielicht wg. seiner Angewohnheit, bei Menschenhändlern „naturgeile Ukrainerinnen“ geordert zu haben. Seine Freunde und vor allem Freundinnen hinderte das nicht, nur wenige Wochen nach dem Skandal das Comeback des Charmeurs zu organisieren: Lebensgefährtin Bärbel Schäfer verzieh ihm öffentlich, Pissoirproduzent Wall AG holte ihn in den Aufsichtsrat, Aufbau engagierte ihn als Herausgeber, Max als Kolumnist, Filmproduzentin Regina Ziegler lud tout Berlin zu einem Einstandsdiner und Moderatorin Sabine Christiansen gewährte ihm den ersten TV-Auftritt danach. Ihre Firma TV21 ist auch Coproduzentin von Friedmans neuer Show, Titel: „Im Zweifel für – Friedmans Talk“. Der gelernte Anwalt mit der Schwäche für Auftritte soll darin die amerikanische Krimi-Gerichts-Serie „Law & Order“ kommentieren und mit „prominenten Gästen“ reden. Ungetrübt von Zweifel oder gar Skrupel. – Übrigens: Auch Michael Naumann war Gast beim Friedman-Ehrendiner und das nicht zufällig. Er hatte Staatsanwalt Karge, dem Freier Friedman bei der Ermittlung gegen die Organisierte Kriminalität ins Visier geraten war, als „durchgeknallten Staatsanwalt“ bezeichnet. Dafür wurde der Zeit-Herausgeber Ende Januar zu 9.000 e Strafe wegen Beleidigung verurteilt. In EMMA zuletzt zum Thema: 1/2004
Erfolgreicher Frauenprotest
| „Juhu, gestern wurde der Doppelhaushalt 2004 und 2005 beschlossen – und wir sind wieder mit drin!“ Die frohe Botschaft von Etta Hallenga, Sprecherin der NRW-Frauennotrufe, flatterte am 28. Januar in den elektronischen EMMA-Briefkasten. Der Düsseldorfer Landtag hatte überraschend beschlossen: Die Kürzungen für die Frauenprojekte sind vom Tisch! Die |
Kürzungspläne, die NRW-Finanzminister Jochen Dieckmann (SPD) angesichts der „desolaten Haushaltslage“ geschmiedet hatte, hätten für viele Anti-Gewalt-Projekte des Landes das Aus bedeutet, darunter 45 Notrufe. EMMA berichtete ausführlich und titelte auf der Januar/Februar-Ausgabe mit Frontfrau Etta und dem Slogan: „Es reicht!“ Der Protest hatte Erfolg! Nicht nur Etta sondern auch ihre 44 Notruf-Kolleginnen können also weiterhin hilfesuchende Frauen beraten. Und auch die Frauenhäuser und Beratungsstellen bleiben unangetastet. – In anderen Bundesländern gibt es allerdings weniger Grund zur Freude: In Hessen, wo Roland Koch (CDU) den Frauenhäusern die Hälfte des Etats gestrichen hatte, mussten zum Jahreswechsel mehrere Frauenhäuser ihre Pforten schließen. Und wie sich die Zukunft der bedrohten hanseatischen Frauenprojekte gestaltet, entscheidet sich erst nach den Neuwahlen am 29. Februar.
Newton lebt …
… im neu gegründeten „Centrum für Photographie“ in Berlin, das am 3. Juni eröffnet werden soll und dessen „Herzstück“ über 1.000 Newton-Fotos aus seinem Nachlass sein werden. Helmut Newton, der am 23. Januar im Alter von 83 Jahren tödlich verunglückte, hat es sich selbst zu Lebzeiten realistisch verbeten, als „Künstler“ bezeichnet zu werden. Er war Modefotograf und Pionier bei der Pornografisierung der Modefotografie. Auffallenderweise stilisierte ihn ausgerechnet Deutschland, das den rassistisch Verfolgten als 18-Jährigen aus Berlin vertrieb, in den letzten Jahren zum „Künstler“. Gleichzeitig geriet er durch eine viel diskutierte Analyse seiner Fotos von Alice Schwarzer als „sexistisch, rassistisch und faschistoid“ ab 1993 ins Zwielicht. Darauf spielte der in Sachen Kunst nicht unbedingt als Connaisseur geltende Kanzler wohl an, als er in seinem Brief an die Witwe („Ich trauere mit Ihnen um einen großen Künstler“) schrieb: „Die einen liebten seine Fotos und feierten ihn als großen Künstler, die anderen schmähten und missverstanden ihn.“ – Missverstanden? Das wird zu überprüfen sein in dem Museum, dem Newton seinen Nachlass vermachte (der sonst im Keller in Monaco verschimmelt wäre) und für dessen Erhalt und Präsentation die Stadt Berlin Jahr für Jahr sehr viel Geld zahlen wird. EMMA berichtet weiter in der nächsten Ausgabe. Alice Schwarzer: Newton – Kunst oder Pornografie?, EMMA 6/1993 + auf www.aliceschwarzer.de
22. April: Girls Day!
| Am 22. April ist es wieder soweit: Zehntausende Mädchen im ganzen Land schwärmen aus in Unternehmen und Unis, um zu sehen, was und dass sie alles werden können: von der Maurerin bis zur Managerin. Zum vierten Mal wird in Deutschland zum „Girlsday“ geblasen – mit von der Partie sind auch diesmal |
wieder Bildungsministerin und Frauenministerin, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Arbeitgeberverbände und die Handwerkskammern. Mitmachen ist angesagt! UnternehmerInnen, die Girls einladen möchten; LehrerInnen, die einen passenden Betrieb für ihre Girls suchen und neugierige Girls selber finden Informationen bei der offiziellen Girlsday-Zentrale. „Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie“, Wilhelm-Bertelsmann-Str. 10, 33602 Bielefeld, T 0521/106-7357, www.girls-day.de
Gude Naachd
| Sie waren die dienstältesten Mitarbeiter des ZDFs, sie durften lange ein wenig altmodisch sein, ein bisschen zurückgeblieben, ein wenig sprachbehindert. Jetzt aber wollen die Mainzelmännchen modern sein, ein Designer hat die sechs Zwerge relauncht. Sie haben Handys, essen Pommes, benutzen eine elektrische Zahnbürste, fahren Rasenmäherautos, bestellen beim Chinesen und lassen sich im Solarium den gedrungenen Körper bräunen. Weiterentwickelt |
hätten sich Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen, prahlt Alexander Hefter vom ZDF-Corporate-Design. „Wir haben sie unglaublich modernisiert“, verkündet ZDF-Mitarbeiter Jochen Steuernagel. In der Mini-Serie „Die Mainzels“, die seit November vergangenen Jahres im Kinderprogramm läuft, sehen die sechs Freunde zwar noch altertümlich aus, haben aber immerhin Verstärkung bekommen von den Zwillingsmädchen Lea und Zara. Freilich, so modern, dass die Mainzelmädchen auch die Werbepause aufmoppen, ist man beim ZDF im 21. Jahrhundert noch nicht. Auf die Frage, warum der Gud’n-Aaamd-Clan auch im 21. Jahrhundert ein Männerverein bleibt, weiß das ZDF ein schlagendes Argument: „Frauen waren früher ja auch nicht dabei.“ Na dann: „Gude Naachd“.
Violence-Day statt Valentins-Tag
Es fing an mit einem Theaterstück, in dem Frauen über ihre Vagina sprachen. Sechs Jahre später ist aus der Women-Show eine weltweite Bewegung gegen Gewalt gegen Frauen geworden. Eve Ensler, die Chronistin der „Vagina Monologe“, und ihre Sisters benannten den Valentinstag kurzerhand zum „V-Day“ um. V wie Vagina – und V wie Violence. Seither wird Enslers Stück über Lust und Leid zwischen dem, nein, nicht Valentins- sondern Violence-Tag am 14. Februar und dem Internationalen Frauentag am 8. März in aller Welt tausendfach aufgeführt – von unbekannten Schülerinnen oder berühmten Schauspielerinnen. 20 Millionen Dollar für den Anti-Gewalt-Kampf haben die Benefizaufführungen schon eingespielt. Zum diesjährigen V-Day rufen die Aktivistinnen zum Marsch auf die mexikanische Stadt Juárez auf, in der seit Jahren Hunderte Frauen auf mysteriöse Weise verschwinden. Langsam, aber sicher kommt die V-Day-Bewegung nun auch nach Europa und Deutschland. Ein V-Day-Europa-Büro in Brüssel und ein deutsches Büro in Trier vernetzen Initiativen zum V-Day und bieten ein „Organizer’s Kit“ mit Tipps für ein V-Day-Event. Gesucht wird für 2004 noch ein deutscher Vagina-Monolog. Europa-Koordinatorin ist übrigens Karin Heisecke, die 2001 den „V-Day Stop Rape Contest“ mit einer höchst originellen Idee gewann: einer Brötchentüte mit der Aufschrift: „Vergewaltigung kommt nicht in die Tüte!“ (EMMA 6/01). V-Day Deutschland: notruf.trier@t-online.de, international: www.vdayeurope.org
Rezensionen
Diese Bücher werden u.a. in der aktuellen EMMA besprochen:
- Nicole Glocke/Edina Stiller: Verratene Kinder (Ch. Links)
- Souad: Be lebendigem Leib (Blanvalet)
- Le Thi Diem Thuy: Das Weinen des Schmetterlings (Luchterhand)
- Susanne Riedel: Eine Frau aus Amerika (Berlin)
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Hg. Alice Schwarzer:
"Die große Verschleierung" Für Integration, gegen Islamismus.
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Simone de Beauvoir DVD, ein Film von Schwarzer 1973, 45 Min., deutsche u. franz Version
(EMMA, 10 €)
Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)












