Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten der EMMA November/Dezember 2004.
EMMA-Aufruf: Haben Mädchen zu früh Sex?
Die Zahlen sind alarmierend: Junge Mädchen haben immer früher Sexualität und werden immer öfter ungewollt schwanger. Woran liegt das? An der allgemeinen Sexualisierung? An der mangelnden Aufklärung? An der Pornografisierung der Jungen? Welche Rolle spielen die Eltern? Die Schule? Die Medien? Die Frauenbewegung hat dazu beigetragen, dass Frauen freier und selbstbestimmter ihre Lust leben. Wird die Errungenschaft jetzt zurückgedreht und sind Mädchen mehr denn je Objekt? Oder wissen sie, was sie tun? EMMA will es genauer wissen und bittet euch, zu schreiben. Mädchen, Jungen, Mütter, Väter, LehrerInnen, Meinungsfreudige. Stichwort: Zu früher Sex?
E-Mail an: briefe(at)emma.de
Frauen mit Visionen
| Erstmals in Überlebensgröße – die Gesichter über 2,50 mal 3,00 Meter – präsentiert Bettina Flitner ihre „großen Europäerinnen“ im Lichthof des Berliner Museums für Kommunikation. Hinzu kommen 200 großformatige Fotos |
von 60 „Frauen, die Europa prägen“ (s. S. 43+105) über drei Etagen des Museums. Nach einer Preview im Herbst 2002 zeigt Flitner ihre Europäerinnen jetzt erstmals in ihrer Gesamtheit. Berlin ist der Start für die Europatournee der Ausstellung, die danach nach Finnland geht. „Europäerinnen – Frauen mit Visionen“, 5.11.-2.1.2005 im Berliner "Museum für Kommunikation", Leipziger Str. 16. Auf der Vernissage am 4. November ab 19 Uhr sprechen u.a. Michael Naumann (Herausgeber der Zeit) und Alice Schwarzer. Am 13. November um 16 Uhr macht die Fotografin eine persönliche Führung.
Weitere Informationen: www.bettinaflitner.de
Unisex-Tarife?
Die schlechte Nachricht zuerst: Als einziges Land hat Schröder-Deutschland im EU-Ministerrat nicht für Unisex-Tarife bei Versicherungen gestimmt. Dabei ist das, was nun mit 24 Pro-Stimmen und einer deutschen Enthaltung verabschiedet wurde, ohnehin ein lauer Kompromiss: Zwar schreibt nun die EU-Gleichstellungsrichtlinie vor, dass weibliche Versicherte nicht länger durch höhere Prämien diskriminiert werden dürfen. (Es zahlte bisher zum Beispiel eine 35-Jährige, die mit 65 eine Altersrente von 1.000 Euro bekommen will, dafür insgesamt 18.190 Euro mehr Beiträge als ein Mann.) Aber: Die einzelnen Staaten dürfen Ausnahmen gestatten, wenn diese „versicherungsmathematisch gerechtfertigt“ sind. Jetzt die gute Nachricht: Die Beweislast liegt bei den Versicherungen. Und die müssen nun im Falle ungleicher Tarife neue Zahlen darüber vorlegen, ob Frauen sie wirklich mehr kosten als Männer, zum Beispiel wegen höherer Lebenserwartung. Die Kosten für eine Schwangerschaft allerdings dürfen von den Krankenversicherungen jetzt nicht mehr allein den Müttern zugerechnet werden, sonder gehen auch auf das Konto der Väter. „Allein dafür hat sich der Protest gelohnt“, findet Barbara Helfferich, die in der „EU-Kommission für Beschäftigung und Soziales“ für die Unisex-Tarife gekämpft hatte. Und noch eine gute Nachricht, diesmal allerdings für Unisex-Gegner Schröder: Dank der deutschen Enthaltung kann der Kanzler seinen Freunden aus der Versicherungsbranche wieder in die Augen schauen.
In EMMA zum Thema: 5/2003 + 4/2004
Männer wählen rechts
| "Ich finde alles gut, was national ist. Meine Oma hat unter Hitler kein schlechtes Leben geführt. So Recht und Ordnung und so. Dass der Mann zu Hause das Sagen hat, dass die Frau keine Mätzchen macht. Heutzutage sitzen ja sogar Frauen in der Regierung. Wo die doch überhaupt nichts können." |
Endlich wurde es mal berichtet. Dabei springt es schon seit Jahren ins Auge: Die Wähler der rechten Parteien sind nicht nur überdurchschnittlich arbeitslos, jung und ungebildet. Sie sind vor allem eins: männlich. Zwei Drittel (64 Prozent) der WählerInnen, die die NPD in den sächsischen Landtag gehievt haben, sind – Männer. In der Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren gab der braunen Partei, die zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder in einem Landtag sitzt, jeder fünfte Sachse seine Stimme – aber nur jede zehnte Sächsin. Noch gewaltiger klafft der Gender Gap in Brandenburg: Dort nähert sich der Männeranteil der DVU-WählerInnen mit 71 Prozent der Drei-Viertel-Marke. Bisher herrschte über den Hang des starken Geschlechts zu den markigen Männerbündlern Schweigen im Blätterwalde. Endlich hat die Sprachlosigkeit ein Ende: „Wie schon in der Vergangenheit finden DVU und NPD deutlich mehr Unterstützung bei Männern als bei Frauen“, konstatiert nicht nur die Süddeutsche Zeitung. Nur – was folgt daraus? Zwar sinnieren nun die PolitikredakteurInnen ausgiebig darüber, was Hartz IV, die welkenden Ost-Landschaften und mangelnde Kenntnisse der deutschen Geschichte mit dem Wahlergebnis zu tun haben könnten. Dass aber den Schülern nicht nur Wissen über den Nationalsozialismus, sondern auch ein anderes Männerbild vermittelt werden müsste, darüber herrscht Schweigen. Männerwahn? Kein Thema.
In EMMA u.a. zum Thema: 4/98 Männerwahn
Der Sexismus in BILD: wahnhafte Züge …
Der Machokult bei Bild hat nicht nur kommerzielle, sondern langsam wahnhafte Züge. Einer der Höhepunkte im Hause Diekmann war die Reihe aus elf nackten Damen, die anlässlich der Fußball-Europameisterschaft dem Leser ihr Hinterteil entgegenstreckten und verkündeten: „Rudi, ihr müsst siegen, sonst könnt ihr uns mal …“ Leni Breymaier, stellvertretende Bezirksvorsitzende des DGB Baden-Württemberg, hat‘s gereicht. Sie schrieb an den Deutschen Presserat. „Die Würde und die Intimsphäre von Frauen wird auf ungeheuerliche Weise verletzt. Wir fordern eine öffentliche Rüge.“ Eine Verletzung der Menschenwürde konnte Ursula Ernst-Flaskamp, ihres Zeichens Frau und Vorsitzende des Beschwerdeausschusses, aber beim besten Willen nicht erkennen. Denn: „Wir gehen davon aus, dass sich alle beteiligten Frauen freiwillig so ablichten lassen haben.“ Auch eine Diskriminierung qua Geschlecht liege nicht vor. „Die Darstellung des nackten Körpers an sich ist keine Pornografie und auch nicht per se herabwürdigend oder diskriminierend.“ Und über „Geschmacksfragen“ nehme der Presserat „keine Bewertungen vor“. Dermaßen ermutigt präsentierte Bild pünktlich zum Oktoberfest erneut den „nackten Körper an sich“: Acht tiefe Dekolletés , acht Frauenporträts und die Frage: Welche „dicken Dirndl-Duddeln“ gehören zu welchem Madl? Eine Geschmacksfrage? Raten Sie mal, Frau Ernst-Flaskamp.
Rezensionen
Diese Bücher werden u.a. in der EMMA 6/04 besprochen:
Assia Djebar: Das verlorene Wort (Unionsverlag)
Miral al-Tahawi: Die blaue Aubergine (Unionsverlag)
Toni Morrison: Liebe (Rowohlt)
Ulrike Posche: Weibliche Übernahme. Wie Frauen in Deutschland sich die Macht nehmen (Campus)
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Hg. Alice Schwarzer:
"Die große Verschleierung" Für Integration, gegen Islamismus.
(KiWi, 9.95 €)
Simone de Beauvoir DVD, ein Film von Schwarzer 1973, 45 Min., deutsche u. franz Version
(EMMA, 10 €)
Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)










