Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten der EMMA September/Oktober 2004.
Star Anne Frank
| Später, wenn sie groß sein würde, wollte Anne Frank ein Hollywood-Star werden. Oder Journalistin. Sie konnte sich noch nicht recht entscheiden. Das deutsch-jüdische Mädchen aus Frankfurt ist nie groß geworden, sondern 1945 im KZ Bergen-Belsen elendig gestorben. In diesem Jahr, am 12. Juni, wäre Anne 75 geworden. Ihr so weltberühmt gewordenes Tagebuch ist auch |
literarisch bemerkenswert. Und dass sie auch das Zeug zum Star gehabt hätte, zeigen ihre Fotos. Jetzt tauchte das einzige Filmdokument von Anne auf: Wir sehen sie, am Rande einer Hochzeit, auf dem Balkon stehen, schauen, lächeln, sich drehen. Und schon die wenigen Sekunden lassen spüren, was für ein Charisma und eine Persönlichkeit Anne hatte. Im Berliner Anne-Frank-Haus, einer Dependance des Amsterdamer Hauses, ist bis zum 12. September die Ausstellung "Anne Frank und ihre Familie" zu sehen, mit bisher unbekannten Fotos von Anne. Wem es nach Berlin zu weit ist, kann die Wanderausstellung "Anne Frank – eine Geschichte für heute" allerorten sehen oder ab 2005 die neu konzipierte Multimediaausstellung "Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland“ (das Anne-Frank-Haus sucht noch Aussteller!). Und, hergehört, Annes Schwestern: bis zum 30. September können Mädchen (und Jungen) zwischen 10 und 16 an dem „Buch für Anne Frank"“ mitschreiben. 1. Preis: eine Reise nach Amsterdam. Auf Annes Spuren – und in Annes Geiste.
Infos: Anne Frank Zentrum, T 030/30872988,
starosta(at)annefrank.de
www.annefrank.de
Big Sister hilft
Die amerikanische Krimiautorin Linda Barnes ist bekannt, fast noch bekannter aber ist ihre Detektivin Carlotta Carlyle. Carlotta ist sympathisch, denn sie kümmert sich nicht nur um Gauner, sondern auch um ihre kleine Schwester. „So eine große Schwester müsste eigentlich jedes Mädchen haben!"? fand die deutsche Kinderbuchautorin Brigitte Klose-Grigull und gründete im rheinischen Erkrath kurzerhand ein in Deutschland einmaliges Projekt: "Big Sister"?. Die Idee: Klose-Grigull und ihre sieben MitstreiterInnen vermitteln Verschwesterungen. Die "kleine Schwester"? sollte acht bis 15 Jahre alt sein, die große mindestens volljährig. Katjana zum Beispiel hatte irgendwann die Nase voll davon, immer "Mamis Große"? zu sein. Außerdem konnte die Achtjährige ihren beiden kleinen Geschwistern "schließlich keine ernsthaften Geheimnisse anvertrauen"?. Dafür hat sie jetzt Hedda. Die ist 45 und hat jeden Dienstag Zeit zum Quatschen. "Wir wollen den Mädchen auch unterschiedliche Lebensentwürfe von Frauen zeigen"?, sagt Klose-Grigull. Außerdem sorgt die Verschwesterung für die Entlastung der Mütter. Die sind nun nicht mehr mutterseelenallein zuständig für Krisengespräche über die vergeigte Klassenarbeit, den toten Hamster oder das Zerwürfnis mit der besten Freundin. 20 Schwesternpaare hat "„Big Sister"? bisher vermittelt. Zunächst nur im Raum Düsseldorf, aber Schwesternagenturen in den anderen Bundesländern sind schon in Arbeit. Sisterhood ist ja bekanntlich powerful.
Big Sister: Hof Gretenberg 1, 40699 Erkrath, T 02104-946380 Fax: -81
Girls, Girls, Girls …
| Welche Frau träumt nicht davon, mal eine echte femme fatale zu sein? Selbst Feministinnen sollen davor nicht ganz gefeit sein. 13 Frauen aus der Ruhrpottstadt Herten haben sich jetzt diesen Traum erfüllt – und das auch noch für einen guten Zweck. Denn diese Girls sind nicht etwa zwischen 14 und 18 (das aktuelle Höchstalter für Models), sondern zwischen 46 und 70! |
„Die hatten einfach keine Lust, für einen guten Zweck immer nur Kuchen zu backen. Die wollten mal was Verrücktes machen“, erklärt Initiatorin Marita Stucke-Lotz, 56. Sie hatte die Idee aus Großbritannien, wo zwölf Ladies aus Yorkshire jenseits der 50 für eine Krebsstiftung gestrippt und einen Kalender draus gemacht hatten, unter die Hertenerinnen gebracht. Nachdem eifersüchtige Ehemänner und irritierte Chefs besänftigt waren, konnten die Hüllen fallen – zur Freude der Fotografinnen Birgit Cullmann & Karola Hoppe. Die suchten nun das passende Motiv zu jedem Girl. Die Kommunalpolitikerin und 120-Kilo-Frau Stucke-Lotz zum Beispiel lichteten sie vor einer Dampfmaschine in der Zeche Ewald ab – „Weil ich immer unter Dampf stehe.“ Übrigens: Die Geschichte aus England ist bekanntlich verfilmt worden. Wer gewinnt das Rennen um die Hertener Rechte?
Kalender-Bestellungen ab 3.10.: Stucke-Lotz, Erlenstr. 4, 45701 Herten, T 0209/359241 (15 €)
Fechterin: Ich bin lesbisch
| Wenn in diesen Tagen in Athen fast 5.000 Sportlerinnen um olympische Siege ringen, sind darunter etliche, die goldverdächtig sind – und nicht wenige, denen zu Hause nicht der Freund oder Ehemann die Daumen drücken, sondern die Freundin oder Lebensgefährtin. So wie bei Imke Duplitzer, der ersten deutschen Spitzensportlerin, die offen Frauen liebt. Zwar bekannte sich die |
29-jährige Sportsoldatin schon vor zweieinhalb Jahren zu ihrer Homosexualität und Freundin Eli, aber: Kurz vor Olympia, wo die Vize-Weltmeisterin wahrscheinlich Gold für Deutschland holt, ist so ein Coming Out für die Medien natürlich besonders spektakulär. „Die Zeit vor meinem Coming Out ist mir als Gefängnis in Erinnerung. Ein ständiger Zwang zu lügen und die immer präsente Angst, jemand könnte mein Geheimnis entdecken“, schreibt Imke Duplitzer auf ihrer Homepage. Gerade in der Welt des Spitzensports ist der Druck auf homosexuelle Frauen besonders groß. Die Sponsoren haben es nicht gern, wenn eine homosexuelle Sportlerin als „Mannweib“ durch die Presse geht. So geschehen bei den Tennis-Kolleginnen Navratilova und Mauresmo. Imke macht Mut: „Klar steht vor der Freiheit nach dem Coming Out auch die Angst, abgelehnt, verspottet und verprügelt zu werden. Aber ich sage euch: Es lohnt sich!“
www.imke-duplitzer.de
Rezensionen
Diese Bücher werden u.a. in der aktuellen EMMA besprochen:
Claudia Wolff: Letzte Szenen mit den Eltern (Kunstmann)
Antje Strubel: Tupolew 134 (Beck)
Liza Marklund: Der rote Wolf (Hoffmann & Campe)
Susan J. Brison: Vergewaltigt (Beck)
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Hg. Alice Schwarzer:
"Die große Verschleierung" Für Integration, gegen Islamismus.
(KiWi, 9.95 €)
Simone de Beauvoir DVD, ein Film von Schwarzer 1973, 45 Min., deutsche u. franz Version
(EMMA, 10 €)
Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)











