Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den sechs Magazin-Seiten in der EMMA Januar/Februar 2005.
(Schein) Heiliges Treffen

Hauptsache bibeltreu. Da ist der Heilige Vater offensichtlich nicht besonders wählerisch. Im November empfing der Papst die Spitzen der Bild-Redaktion zur Privataudienz (Stichwort Privataudienz: siehe auch Seite 20). Vom bewegten Bild-Reporter Körzdörfer („Ich schauderte vor Ergriffenheit“) war zu erfahren, dass der Besuch bei so einer Privataudienz nichts fragen darf. Ein gehauchtes ‚Heiligkeit‘ muss genügen. Anlass – oder sollte man sagen: Vorwand? – war die ‚Volksbibel‘, die Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und der Weltbild-Verlag in sechsteiliger Auflage herausgegeben haben. Beide, Diekmann und Weltbild, stehen übrigens schriftgläubigen, fundamentalistischen Kreisen nahe. Das haben sie mit dem Papst gemeinsam. Und da stört Bilds bigotte Mischung von Frömmelei und Obszönität keineswegs, genauer: Das gehört zusammen. Während die Ausgabe vom 23. November auf der Frontseite oben den Vatikan-Chef und den Bild-Chef zeigte, kroch auf der Frontseite unten die übliche heiße Hündin mit verblödetem Blick und gespitzten Ficklippen auf allen Vieren. Ein Menschenbild, das den heiligen Vater nicht zu stören scheint. „Er weiß, dass Sie auf der Seite der Armen, Kranken und Schwachen sind …“ Diese goldenen Worte flüsterte der Papstsekretär den Bild-Journalisten zum Abschied zu. Wie zum Hohn. In den Ohren der Bild-Leserinnen.
Wer wählte President Bush?
Wahlanalysen ergaben: Der ideale Bush-Wähler ist männlich, weiß, über 30 und verdient mehr als 100.000 Dollar im Jahr. Vor allem: Er ist Waffenbesitzer und Evangelist bzw. Wiedergeborener – bei keiner Bevölkerungsgruppe schlug das Wahlpanel so pro Bush aus wie bei dieser Sorte. Wäre es nach den Frauen, Schwarzen, Juden und Homosexuellen gegangen, hieße der mächtigste Mann der Welt heute John Kerry. Aber er heißt nun mal George W. Bush und steht im Dienst der Ölindustrie und Schriftgläubigen – wobei mensch nicht weiß, was gefährlicher ist. Im Irakkrieg kam es so, wie es zu erwarten war und noch schlimmer: Bis Mitte November gab es mindestens 100.000 tote Zivilisten, vorwiegend Frauen, Alte und Kinder. Der Irak war unter Saddam Hussein zwar eine Diktatur, aber immerhin laizistisch. Jetzt wurde das Land zwischen dem äußersten Okzident und dem tiefsten Orient zum Exerzierplatz für die Gotteskrieger. Das war zu erwarten und stand auch schon im April 2003 in EMMA – und wenn die es gewusst hat, dürften es auch die westlichen Geheimdienste und Staatschefs gewusst haben. Allen voran die Amerikaner. Aber ferne Tote zählen nicht. Und die Logik des ‚Spalte und herrsche’ hat doch bisher immer geklappt – oder? Jetzt soll eine Repräsentantin der Nicht-Bush-Wähler – eine schwarze Frau – den Karren außenpolitisch aus dem Dreck ziehen. Nun ja, Condolezza Rice, Ex-Ölmanagerin und Presbyterianer-Tochter, verbinden wenigstens diese zwei Faktoren mit ihrem Herrn. Wetten: Es wird alles noch viel schlimmer kommen?! A.S. In EMMA u.a. zum Thema: Krieg – und nun? 3/03, Nein zum Krieg! 2/03.
Sylvia Plath: erschütternd

Sylvia Plath war eine der wichtigsten Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit. Sie wurde nur 31 Jahre alt. 1961 begeht sie Selbstmord. Trotz der kurzen Zeit hinterließ sie Bemerkenswertes, u.a. den Roman ‚Die Glasglocke‘ und den Gedichtband ‚Ariel‘. Ihr Konflikt: die Zerrissenheit zwischen der Leidenschaft für Liebe und Arbeit. Drei Engländerinnen haben Plath fast ein halbes Jahrhundert danach wieder lebendig gemacht. Auf überwältigend überzeugende Art verkörpert Gwyneth Paltrow die Schriftstellerin. Der Regisseurin Christine Jeffs gelingt es, das Leben und die Zeit der starken zerrissenen Frau beklemmend realistisch zu inszenieren. Selten war so wenig und soviel zugleich von einem Zusammenbruch oder von Erotik zu sehen: Wie sie ihre nackten Füße auf seine im Sand stellt … Und Alison Owen hat den Film produziert. Leidenschaft schafft Leiden. Sylvia Plaths amour fou und Identifikation mit dem Schriftsteller Ted Hughes reißt sie in eine konventionelle Ehe mit zwei Kindern und liefert sie seinem zerstörerischen Betrug aus. Filmstart: 6. Januar.
Sibels Löwinnenmut

Es war nicht der erste Preis für ihre Hauptrolle in ‚Gegen die Wand‘ und, nach ‚Lola‘, wohl auch nicht der Wichtigste. Aber es war der Bewegendste. Denn Sibel Kekilli hat bei der Verleihung des Bambis in Hamburg etwas Ungeheuerliches gewagt: Sie hat vor sieben Millionen TV-Zuschauern in bewegenden Worten die scheinbar allmächtige Bild-Zeitung (und den Kölner Express) für deren „dreckige Hetzkampagne“ angegriffen. Die Boulevardzeitungen hatten anlässlich des Triumphes von Kekilli in ihrem Debütfilm immer wieder daran erinnert, dass die junge Frau früher auch mal Pornofilme gemacht hat (nicht aber, dass Sibel auch als Verkäuferin, Kellnerin und Putzfrau gearbeitet hatte). Kekilli im O-Ton: „Ich danke der Jury; Fatih Akin, meinem Freund, meiner Agentin und besten Freundin Ute Horch. Und ich danke nicht Bild und Kölner Express. Hört jetzt endlich auf mit dieser dreckigen Hetzkampagne. Das, was ihr da macht, nennt man Medienvergewaltigung. Ich werde es euch nicht erlauben, mich in meinem Recht, ein neues Leben anzufangen, zu beschneiden. Ihr müsst mich nicht lieben. Aber respektiert, dass ich ein neues Leben angefangen habe. Und ich möchte mich zu noch einem Thema äußern. Jüngst ist ein niederländischer Regisseur, van Gogh, hingerichtet worden, weil er einen islamkritischen Film gemacht hat. Für Gewalt gibt es keine Rechtfertigung, auch nicht im Islam. Ich finde, das Recht auf eigene Gedanken und ein eigenes Leben haben alle Menschen.“ – Übrigens: Bild hat bis heute kein Wort über den Auftritt verloren. Auch kein entschuldigendes Wort.
Rezensionen
Diese Bücher werden u.a. in der aktuellen EMMA besprochen:
Eveline Hasler: Tells Tochter (Nagel & Kimche)
Susanne Fengler: Fräulein Schröder (Gustav Kiepenheuer)
Barbara Frischmuth: Der Sommer, in dem Anna verschwunden war (Aufbau)
Melinda Nadj Abonji: Im Schaufenster im Frühling (Ammann)
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Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Simone de Beauvoir DVD, ein Film von Schwarzer 1973, 45 Min., deutsche u. franz Version
(EMMA, 12.95 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)
Hg. Alice Schwarzer:
"Die Gotteskrieger - und die falsche Toleranz". Über die Gefahr der Islamisierung.
(KiWi, 9.95 €)







