Frauen beim Militär

Im Juni 1978 fordert Alice Schwarzer als erste öffentliche Stimme in Deutschland den uneingeschränkten, freiwilligen Zugang von Frauen zur Bundeswehr inclusive Dienst an der Waffe. Die bekennende Pazifistin Schwarzer kritisiert „das Berufsverbot für Frauen“ im Namen der angeblichen „Natur der Frau“. Die Wogen schlagen hoch. Fast die gesamte Frauenbewegung und die Linke einschließlich der SozialdemokratInnen kritisieren diesen Vorstoß.
1980 veröffentlicht EMMA ein Pro & Contra zwischen Sibylle Plogstedt, eine der Hauptkritikerinnen (und Courage-Macherin) und Alice Schwarzer. Es war die hohe Zeit der Friedensbewegung und der angeblich „natürlichen Friedfertigkeit der Frau“. Schwarzer entwickelt ihre Argumentation weiter, macht darauf aufmerksam, dass in den beiden Weltkriegen mehr zivile Opfer an der Heimatfront getötet wurden als Soldaten an der Kriegsfront und spricht von einem „Gewalttabu für Frauen“. Die Fronten verhärten sich. EMMA bliebt dran und fordert weiterhin: Kein Berufsverbot für Frauen im Namen ihrer „natürlichen Bestimmung“.
23 Jahre nach Schwarzers erster Forderung wird am 1.1.2001 der uneingeschränkte Zugang von Frauen zur Bundeswehr Gesetz. Das Gericht hatte der vom Bundeswehrverband unterstützten Klage von Tanja Kreil recht gegeben und dabei auf die EU-Richtlinie des freien Zugangs von Frauen zu allen Berufen verwiesen: Der Ausschluss der Frauen vom Waffendienst „verstößt gegen die Gleichbehandlung der Geschlechter“.
Bis zuletzt waren vor allem die SPD und die Grünen gegen die Öffnung der Bundeswehr für Frauen. Die FDP und Teile der Konservativen, darunter allen voran die Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, Michaela Geiger (CSU, gestorben 1998), traten ab Mitte der 90er Jahre offen dafür ein. Geiger war es auch gewesen, die gemeinsam mit Schwarzer die Idee einer EU-Klage angezettelt hatte.
Gleichzeitig mit dem Dienstantritt der ersten 253 Soldatinnen startete die Bild-Zeitung den „großen Spindluder-Wettbewerb“. Die sexuelle Belästigung von Soldatinnen durch „Kameraden“ wird – wie in allen Armeen und Männerberufen – ein Problem. Heute tun 16.900 Soldatinnen in Deutschland Dienst an der Waffe (9 %), darunter 2.600 als (angehende) Offizierinnen und 380 im Auslandseinsatz.
Zum Weiterlesen:
Soldatin unter Männern (2/2006)
Kamerad M gegen Kamerad W (3/2002)
Kleiner Unterschied abgeschafft (4/2000)
Vor der Kaserne (2/2000)
Kreil gegen Deutschland (1/2000)
Flintenweiber (1/1996)
Nur pflegen und hegen - oder auch kämpfen und schießen? (1/1996)
Das Geheimnis der Citadel von South Carolina (1/1996)
Die Männlichkeit des Krieges (3/1994)
Von Flintenweibern und Flintenkerlen (6/1984)
Pro & Contra (12/1980)
Frauen ins Militär (6/1978)
Kampagne: „Frauen beim Militär”
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(EMMA, 12.95 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)
Hg. Alice Schwarzer:
"Die Gotteskrieger - und die falsche Toleranz". Über die Gefahr der Islamisierung.
(KiWi, 9.95 €)







