Die EMMA-Kampagnen
Eine EMMA-Kampagne ist ein Thema, bei dem EMMA über das Schreiben hinaus auch handelt. Das kann über Jahrzehnte gehen, wie bei der Pornografie, wo der stern-Prozess 1978 wg. frauenverachtender Titelbilder zum nationalen Thema wurde und die PorNO-Kampagne 1988 ein (folgenloses) Hearing und Debatten bis zum heutigen Tag auslöste. Es kann aber auch eine zeitlich begrenzte, gezielte Aktion sein, wie bei der Serie „Die Hälfte vom Ball für die Frauen!“ 1998 über den Frauenfußball, wo EMMA Spielerinnen und Funktionärinnen systematisch in die Kampagne eingebunden hat – und sich heute über die zweifachen Weltmeisterinnen freut. Oder wie beim Girlsday, den EMMA 1999 aus Amerika nach Germany importierte und so lange Schulen, Politik und Wirtschaft antrug, bis es geklappt hat: Am Girlsday 2010 beteiligen sich rund 9.000 Betriebe! Eine EMMA-Kampagne ist also eine Serie von Artikeln, mit denen EMMA die Absicht verfolgt, die Welt für die Frauen ganz konkret ein Stück zu verbessern.

Als EMMA im Juli 1984 mit dem Thema ‚Lesbenehe?’ titelte, da war das, ganz ehrlich gesagt, die pure Lust an der Provokation. Nie und nimmer hätten wir gedacht, dass die Homo-Ehe schon 17 Jahre später Wirklichkeit werden würde (schließlich landeten Homosexuelle ein halbes Jahrhundert zuvor noch im KZ). Auslöser der Titelgeschichte zur Homo-Ehe war die kirchliche Trauung zweier Frauen in Hamburg gewesen.
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Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist ein Skandal? Keineswegs. Bis in die 1970er Jahre hinein war Kindesmissbrauch ein Kavaliersdelikt, über das niemand sprach. Schon gar nicht die Opfer, denn die hatten sich zu schämen. Erst EMMA hat Missbrauch und Inzest in Deutschland zum Thema gemacht. Heute wissen wir: Jedes dritte bis vierte Mädchen (und jeder zehnte Junge) wird missbraucht.
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Es waren Feministinnen, die in den 1970er Jahren Seite an Seite mit Prostituierten protestierten: gegen die Doppelmoral und Behandlung als Menschen zweiter Klasse. Ab den 80er Jahren galt Prostitution in Deutschland als cool, vor allem in grünen, aber auch in manchen feministischen Kreisen als „Beruf wie jeder andere“. EMMA hatte immer eine radikal andere Position.
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Die Gefahr des religiösen Fundamentalismus ist eines der beiden ganz großen Themen von EMMA. Der christliche Fundamentalismus ist nicht minder beunruhigend – der islamische jedoch weltweit in der Offensive. Im März 1979 folgte Alice Schwarzer dem Hilferuf der Iranerinnen, die schon in den ersten Tagen nach Machtantritt Khomeinis entrechtet wurden.
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Lange hatte das Problem genauso im Dunkeln gelegen wie der sexuelle Missbrauch. Männer, die ihre Frauen krankenhausreif schlagen? Ein Hirngespinst hysterischer Emanzen. Heute wissen wir, dass jede vierte Frau in ihrer Ehe oder Beziehung Opfer von Gewalt wird – und gibt es allein in Deutschland 358 Frauenhäuser, in die jährlich 40.000 Frauen und Kinder flüchten.
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Zugegeben: Der ganz harte Kern der Fanclubs war die EMMA-Redaktion noch nie – aber ein Faible hatte sie immer schon für die Mädels am Ball. Unter der aufmunternden Schlagzeile "200.000 Frauen erobern den Fußballplatz!" berichtete EMMA im Oktober 1977 erstmals über den Frauenfußball. Es folgt der legendäre "Schuss in alle Frauenherzen!".
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Pöbelt oder mordet einer aus „Fremdenhass“ oder „Judenhass“, dann wird das in den Polizeistatistiken erfasst und wirkt sich beim Urteil eher verschärfend aus. Geschieht dasselbe aus Frauenhass, wird das nicht nur nicht wahrgenommen, sondern oft sogar regelrecht geleugnet – wie zuletzt 2009 beim Amoklauf von Winnenden. Resultat: Rassismus und Antisemitismus sind ein ernstes und zu recht bekämpftes Problem hierzulande – das Motiv Sexismus aber existiert angeblich nicht. Zur Kampagne

Was 1978 für EMMA als relativ überschaubarer Fight begann – der Kampf gegen die frauenverachtenden Titelbilder des stern – hat längst epidemische Ausmaße angenommen: Pornografie ist heute allgegenwärtig und dank der Neuen Medien auch unbegrenzt zugänglich. Experten schätzen die Anzahl allein von Kinderpornografie im Netz 2010 auf vier Millionen Seiten.
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Die Idee kam aus Amerika und EMMA griff sie freudig auf: Am 23. April gingen Millionen Mädchen in den USA statt zur Schule an die Arbeitsplätze ihrer Mütter und Väter (oder Tanten oder Onkel oder Nachbarn). Take Our Daughters To Work Day hieß die von dem feministischen Magazin Ms. initiierte Aktion. EMMA war begeistert, machte den GirlsDay zum TöchterTag.
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Die Kinderbetreuung in Krippen und die Ganztagsschulen war lange des Teufels in Westdeutschland, dafür sorgten CDU und CSU. Sie hörten nicht auf, das Schreckgespenst der „sozialistischen Verwahranstalten“ an die Wand zu malen. Erst nach der Wiedervereinigung geht es richtig los mit den Forderungen nach Ganztags-Schulen und -Kindergärten.
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Er war ein Schock: der EMMA-Sonderband ‚Durch dick und dünn’ 1984 (später als Taschenbuch bei Fischer). Und seine Titelzeilen sagten alles: Mit Twiggy fing’s an/Diätwahn: Wann ist frau fett?/Fresssucht: Ein Leben zum Kotzen/Brigitte: Der alltägliche Diätterror. Bis dahin war das Problem total tabu gewesen.
EMMA hatte im Juni 1980 erstmals mit dem Diätwahn getitelt.
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Im September 1996 titelte EMMA: ‚Brustkrebs – die Offensive!’ Auf dem Cover die amerikanische Künstlerin Matuschka, der die rechte Brust abgenommen worden war, und die sich selber nackt und erhobenen Hauptes fotografiert hatte. Das Dossier brachte mit einem Schlag den internationalen der Erkenntnisse zur Frauenkrankheit Nr. 1 nach Deutschland.
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Der Kampf um das Recht auf Abtreibung war Anfang der 70er Jahre Auslöser für die Neue Frauenbewegung. Denn mit dem verlogenen Abtreibungsverbot, das die Frauen in die Heimlichkeit, Illegalität und Lebensgefahr trieb, hing viel zusammen: die Sexualität war geprägt von der Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft und das Leben davon überschattet.
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Im Juni 1978 fordert Alice Schwarzer als erste öffentliche Stimme in Deutschland den uneingeschränkten, freiwilligen Zugang von Frauen zur Bundeswehr inclusive Dienst an der Waffe. Die bekennende Pazifistin Schwarzer kritisiert „das Berufsverbot für Frauen“ im Namen der angeblichen „Natur der Frau“. Die Wogen schlagen hoch.
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Der erste Text über die Genitalverstümmelung (damals hieß das noch Beschneidung) erschien im März 1977 in EMMA. Das Thema war bis dahin total tabu gewesen – und die Reaktionen waren überwältigend! EMMA-Leserinnen schrieben Waschkörbe von Briefen und solidarisierten sich. Immer wieder veröffentlichte EMMA zahlreiche Artikel über das Problem.
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Im Januar 1994 titelte EMMA erstmals mit dem 'Recht für Tiere'. Dabei ging es um Fragen wie: Woher nimmt der Mensch das Recht, sich für die Krone der Schöpfung zu halten? Was ist Frauen und Tieren gemein? Und warum sind gerade Frauen so besonders engagierte TierrechtlerInnen? Die Reaktionen auf diese Titelgeschichte waren überwältigend! Medien hämten.
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