Dominique Strauss-Kahn II
Der Mann, der die Frauen liebt
Die New Yorker Richterin hat die vorläufige Freilassung des der oralen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung angeklagten IWF-Chefs abgelehnt, und das, obwohl sein Anwalt eine Kaution von einer Million Dollar und das Tragen von Fußfesseln abgeboten hatte. Zurzeit werden weitere Spuren, die im Zimmer sowie bei Strauss-Kahn und dem Zimmermädchen festgehalten wurden, untersucht. Am Freitag dieser Woche ist der nächste Haftprüfungstermin. Bis dahin sitzt der mächtigste Banker der Welt und potenzielle französische Präsidentschaftskandidat auf der Gefängnisinsel Rikers Island. Inzwischen meldete sich eine weitere Frau aus Frankreich: Strauss-Kahn soll versucht haben, 2002 die damals 22-jährige Freundin seiner Tochter und Patentochter seiner zweiten Frau zu vergewaltigen. In linken und liberalen französischen Kreisen allerdings heißt es, es könne sich um eine „Falle“ handeln. Schließlich sei bekannt, dass DSK „die Frauen liebt“.

- Dominique Strauss-Kahn auf der Anklagebank. Die Kaution von einer Million Dollar wurde abgelehnt.
Im Polizeibericht nach der Verhaftung von DSK heißt es wörtlich: „Um 15.29 Uhr zeigte eine Angestellte schwarzer Rasse/Herkunft des Hotels Sofitel, 33 Jahre alt, bei der Polizei an, dass sie Opfer eines sexuellen Überfalls geworden ist. Der Überfall habe sich im Zimmer 2806 zugetragen. (…) Als die Frau das Zimmer betrat, kam der Gast, Dominique Strauss-Kahn, ein weißer Mann von 62 Jahren, nackt aus dem Badezimmer. Er hat die Frau aufs Bett geworfen und seinen Penis in ihren Mund gesteckt.“ Die Frau konnte sich befreien, doch Strauss-Kahn verfolgte sie ins Bad und versuchte, ihr die Sachen vom Körper zu reißen. Die Zimmertüre hatte er abgeschlossen. Sie schaffte es dennoch, zu fliehen, informierte ihre Kollegen und die riefen die Polizei.
Wie inzwischen bekannt ist, lebt die Frau namens Ophelia in der Bronx, ist alleinerziehende Mutter einer Tochter und hat einen „untadeligen Ruf“.
Strauss-Kahn wurde kurz vor Abflug der Air-France-Maschine auf dem Kennedy-Flughafen aus dem Flugzeug geholt. Die Polizei hatte seine Spur aufnehmen können, weil er sein Handy im Hotel liegen ließ und deswegen dort anrief. Die Fluggesellschaft ließ wissen, dass Strauss-Kahn jederzeit einen Platz in der ersten Klasse hat, auch ohne vorher zu buchen. Seine eigentliche Buchung war für später.
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Die Untersuchung wird jetzt von der New Yorker „Sondereinheit für sexuelle Verbrechen“ geführt. Der Anwalt von DSK ist spezialisiert in sexuellen Verbrechen. Und erklärte, dass sein Mandant unschuldig sei. Strauss-Kahns (dritte) Ehefrau, Anne Sinclair, eine in Frankreich bekannte Journalistin und hochvermögende Erbin, ist auf dem Weg nach New York. Sie erklärte bereits, sie sei „uneingeschränkt von der Unschuld ihres Mannes überzeugt“.
Der sozialistische Ex-Justizminister Robert Badinter (und Ehemann der Philosophin) kritisierte das Vorgehen der amerikanischen Justiz scharf als „Inszenierung“. Warum hat man Strauss-Kahn nicht auf Kaution freigelassen?, fragte er. „Weil er Franzose ist? Weil er der Chef des Weltwährungsfonds ist?“
Am Freitag dieser Woche wissen wir mehr: Ob die Tatspuren sich erhärtet haben. Ob Strauss-Kahn (vorläufig) auf freien Fuß gesetzt wird oder nicht. Und ob die Anklage wegen „oraler Vergewaltigung und Freiheitsberaubung“ aufrecht erhalten wird.
EMMAonline, 17.5.2011
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