Hebammen protestieren weiter
Das "Sommermärchen" blieb aus

- Demonstration in Köln: "Hebamme ist man aus Berufung." - Foto: joschwartz.com
Über 186.000 Unterschriften haben sie gesammelt, die Hebammen, und damit die erfolgreichste Petition in der Geschichte der Bundesrepublik gestartet. Protestiert haben sie gegen steigende Haftpflichtversicherungsprämien, die am 1. Juli in Kraft getreten sind und es vielen Hebammen unmöglich machen, ihren Beruf im selben Maße wie bisher auszuüben. Die Resonanz auf die Proteste in der Öffentlichkeit war groß, es kam zu einer Anhörung des Petitionsausschusses mit Mitgliedern des Bundestags. Doch wie zufrieden sind die Hebammen mit den Ergebnissen ihrer Proteste?
Von einem "Sommermärchen" hatten sie nach der großen Resonanz aus der Bevölkerung gesprochen, doch mittlerweile klingen die Hebammen deutlich ernüchtert. Vor allem die freiberuflich tätigen Hebammen sind von den Ergebnissen der Diskussionen der letzten Wochen enttäuscht. Nur acht Euro mehr bei einer Beleggeburt beziehungsweise 100 Euro mehr für eine außerklinische Geburt sollen die Hebammen zukünftig erhalten. Dies sind jedoch bisher nur vorläufige Beträge, die die Krankenkassen möglicherweise noch einmal verändern wollen. Eine bittere Enttäuschung für die Hebammen.
"Wenn es uns nicht gelingt, eine realistische Perspektive für die freiberuflich tätigen Kolleginnen zu entwickeln, werden noch viele die Geburtshilfe einstellen", lautet das Fazit von Martina Klenk, Präsidentin des deutschen Hebammenverbandes. Schon zehn Prozent aller freiberuflichen Hebammen, die Geburtshilfe anbieten, hätten zum 1. Juli ihre Verträge gekündigt, erklärt der Deutsche HebammenVerband (DHV). Und es werden voraussichtlich noch mehr werden. Denn als Anfang Juli das extra einberufene Schiedsgericht entschieden hatte, dass die Beträge für zukünftige Geburtshilfen nur minimal erhöht werden sollen, wurde das Urteil als "bittere Niederlage für alle geburtshilflich tätigen Hebammen" angesehen. Da selbst diese geringen Mehrverdienste noch keinesfalls sicher sind und die gestiegenen Kosten durch die Haftpflichtversicherung keinesfalls decken, verspricht sich Martina Klenk auch von den endgültigen Beträgen nicht besonders viel: "Bereits heute wissen wir, dass das Ergebnis in keinster Weise existenzsichernd sein wird."
Aufgeben werden die Hebammen deswegen aber nicht, sondern weiter darum kämpfen, dass nicht noch weitere Geburtshelferinnen ihren Beruf aufgeben müssen. Denn in manchen Regionen Deutschlands kommt es jetzt schon zu Versorgungsengpässen. Noch bis Oktober wollen sie wöchentlich bundesweite Mahnwachen abhalten, um auf ihre schwierige Situation aufmerksam zu machen. Am 21. Oktober soll es dann in Berlin eine große Abschlusskundgebung geben.
Zu den Protest-Aktionen der Hebammen
Zum Weiterlesen
Protest der Hebammen (3/2010)
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