Von Triers Melancholia
Schöner Sterben im Matriarchat
Der dänische Regisseur und Pornoproduzent Lars von Trier hat Erfolg mit Filmen, in denen Frauen sprachlose Opfer sind. Sein neues Werk „Melancholia“ ist nur scheinbar eine Ausnahme.

- Justine (Kirsten Dunst) ist in „Melancholia“ nur scheinbar gezähmt – darunter brodelt schwarze Galle und Weltverzweiflung. (Foto: Christian Geisnaes)
Lars von Trier hat schon Frauen erhängt, sich zu Tode ficken, an der Pest zugrunde gehen oder gruppenvergewaltigen lassen, sie reihenweise in die Psychiatrie eingeliefert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Doch stets, wenn der international renommierte dänische Regisseur, der 1956 in Kopenhagen geboren ist, einen neuen Film ankündigt, justieren die Rezensenten die Gleitsichtbrillen, raunen „Genie“ und flüstern „Wahnsinn“.
Der neue Trier-Streifen „Melancholia“, der beim Filmfestival in Cannes im Frühling hinter dem „Ich verstehe Hitler“-Geschwafel seines Schöpfers versank, wirkt seltsam kalt, blutleer und – sterbenslangweilig. Der intergalaktische Hirn-Crash bleibt aus, auch wenn es in „Melancholia“ genau darum geht: Ein bis dato unbekannter Planet gleichen Namens steuert unverdrossen auf die Erde zu und droht, sie zu vernichten.
Die Ouvertüre nimmt das Ende der Welt als planetaren Liebesakt vorweg: Zu „Tristan und Isolde“ verschluckt der riesige Planet die Erde so lustvoll, dass es Stanley Kubrick gefallen hätte. Die Bilder des Endzeitkarnevals sind blankpoliert, computeranimiert und so berechnend, dass man sich fast ein bisschen nach dem alten Frauenverhackstücker zurücksehnt, der in „Breaking the Waves“, „Idioten“ oder „Dancer in the Dark“ den Schauspielerinnen bis auf die Hautpore nahe rückte. Da lebte wenigstens noch etwas. Doch wie in „Melancholia“ Kirsten Dunst im mit Mai- glöckchen verzierten Hochzeitskleid durch das Wasser gleitet, daran hätten allenfalls die Präraffaeliten ihre Freude gehabt.
Lars von Trier wurde bekannt mit ohnmächtigen Frauenfiguren, deren einzige Aktivität darin besteht, sich als das ideale Opfer zu präsentieren. „Die Frau gewinnt nie, ihre Gegengewalt, auch gegen eine kommende Gewalt, geht immer ins Leere“, kommentierte Elfriede Jelinek von Triers „Antichrist“. Triers Frauenfiguren sind ohnmächtig und vor allem eines: Sie sind stumm...
Antje Flemming
Der vollständige Artikel steht in EMMA Herbst 2011. Dieses Thema im Forum diskutieren. Geht auch:@EMMA schreiben.
Weiterlesen
Antje Flemming: Lars von Trier - Goldene Herzen, geschundene Körper (Bertz + Fischer, 25 €)
Historisch, Netzwerke, ModeratorInnen, SchauspielerInnen, RegisseurInnen, Frauenrollen, Hollywood, Europa, Deutschland
Frauenrollen
blättern. kaufen. lesen.

Die ganze EMMA zum Blättern
Von Seite 1 bis Seite 164 die aktuelle EMMA-Ausgabe zum Blättern im Internet.
In neuem Fenster öffnen
Wer es genau wissen will:
Das EMMA-Heft bekommen Sie am Kiosk, im Zeitschriften- und Bahnhofsbuchhandel.
Wo kann ich die EMMA kaufen?
EMMA direkt nach Hause
Bestellen Sie Ihr persönliches EMMA-Abonnement in unserem Online-Shop
Zur Abo-Bestellung
"Lebenslauf", Vom ersten Tag Alice bis zum ersten Tag EMMA. Wer das Buch jetzt bestellt, erhält gratis die aktuelle EMMA dazu. Lebenslauf" plus EMMA. Nur 22.99 €. Frei Haus.
Das neue EMMA-Buch! Das Beste aus 280 EMMAs + EMMAs Geschichte, 426 S. Großformat (Heyne, 24.90 €)
Hg. Alice Schwarzer:
"Die große Verschleierung" Für Integration, gegen Islamismus.
(KiWi, 9.95 €)
Simone de Beauvoir DVD, ein Film von Schwarzer 1973, 45 Min., deutsche u. franz Version
(EMMA, 10 €)
Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)








