BRUSTKREBS
Der Silikon-Skandal
Weltweit klagen zur Zeit über 400.000 Frauen, darunter 800 Deutsche, gegen Dow Corning, den amerikanischen Produzenten von Silikon-Implantaten. Der Konzern, der die Silikon-Implantate 1963 ohne Forschung und Tests auf den Markt geworfen hatte, weiß spätestens seit 1978 von der Lebensgefährlichkeit des Silikon.
Da die Implantate jedoch nicht als "Medizin", sondern nur als "medizinische Hilfsmittel" gelten, sind die staatlichen Kontrollen minimal. Dennoch wird Dow Corning seine Profitgier auf Kosten der Gesundheit und des Lebens von Frauen teuer bezahlen müssen: zur Zeit ist eine Entschädigungssumme von 3,2 Milliarden Dollar zwischen den Anwälten in Verhandlung (der Profit wird um ein Vielfaches größer gewesen sein).
Nur: Das macht die toten Frauen nicht wieder lebendig. Am 14. April dieses Jahres schrieb die Vorsitzende der "Selbsthilfegruppe Silikongeschädigter Frauen e.V." (SHG) Karin Heidrich an Gesundheitsministerin Andrea Fischer: "Wir wissen, dass der Bundesregierung die Tragödie der silikongeschädigten Frauen in Deutschland seit 1993 bekannt ist." Heidrich, die sich vor Gericht immer wieder die zynischsten Argumente von "Gutachtern" anhören muß, bat die Ministerin "dringend um eine klare Rechtslage für Silikonimplantierte und -erkrankungen".
Fischers Staatssekretärin Christa Nickels antwortete: "Die EU-weit vorliegenden Informationen geben nicht die rechtlichen Voraussetzungen für ein Verbot von Silikon-Brustimplantaten." Dabei ist die Geschichte des Silikon ein Krimi, der jedem Gesundheitspolitiker die Haare zu Berge stehen lassen müsste: 1945 wurde den flachbrüstigen, im Dienste der GIs tätigen japanischen Prostituierten erstmals Industriesilikon in die Brüste gespritzt.
Anfang der 60er begannen die Silikon-Brüste ihren Siegeszug durch die USA. Spätestens 1978 tauchten die ersten wissenschaftlichen Warnungen auf. Die Symptome hatten die Frauen von Anfang an gehabt, ohne die Ursache zu kennen: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Atemnot, Brustschmerzen, Schwellungen, Schlaganfälle - Tod.
Und noch immer werden Silikonkissen von gewissenlosen Ärzten in Frauen eingepflanzt: allein in Deutschland 40 bis 50 pro Tag, vielen von ihnen nach Brustkrebs. Wann endlich wird dem Einhalt geboten?
EMMA September/Oktober 1995
Adresse: Selbsthilfegruppe Silikongeschädigter Frauen, T + Fax 02246/ 913759.
Zum Weiterlesen: Siliconegate
Siliconegate in EMMA 5/96
Gesundheitszentren, Gebärmutter, Wechseljahre, Brustkrebs, Gewalt-Folgen, Ärztinnen historisch, Ärztinnen aktuell, Geschlechternormen, Historisch, Depressionen
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