Ukrainischer Frauenprotest
Femen: Strippen gegen Prostitution
„Ukrainische Mädchen sind nicht zu kaufen“, steht auf ihren Transparenten, wenn die „Femen“ (Frauen) durch die Einkaufsstraße „auf Patrouille“ gegen Sextouristen gehen. Sie tragen dann gerne Miniröcke, High-Heels und Lippenstift – ganz wie ihr Präsident, Viktor Janukowitsch, sich das wohl vorstellte, als er auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos den Investoren einen Kiew-Trip empfahl, wo „die Kastanien blühen und die Frauen sich leicht bekleiden“. Doch sie meinen es ganz anders.

- Protest à la Femen: "Ukrainische Mädels sind nicht zu kaufen.“ - Foto: Olivier Goujon/Polaris/laif
Die Studentinnen und Schülerinnen von Femen sind nicht „leicht zu haben“, auch wenn laut Umfrage sieben von zehn Studentinnen schon „Sex“-Angebote von Touristen erhielten. Kein Wunder, die Arbeitslosigkeit in der Ukraine grassiert, das Durchschnittseinkommen beträgt 300 Euro im Monat. „Wir schätzen, dass 60 Prozent aller Prostituierten in Kiew Studentinnen sind“, sagt Anna Hutsol, die Ober-Feme.
Thema im EMMA-Forum diskutieren
Was sie vor drei Jahren als spontane Protestaktion begann, erregt inzwischen international Aufsehen. Mal sind sie schon ein paar Hundert. Sie protestierten gegen Irans Ahmadinedschad ebenso wie für ein freies Ägypten: „Viva Egypt!“ oder jüngst für die Rechte der Opfer der Atom-Katastrophe von Tschernobyl. Da sie mit ihrer Kritik auch vor der Regierung Janukowitschs nicht haltmachen, interessiert sich auch der Staatsschutz für die Aktivistinnen: Im Sommer 2010 drangen nachts Männer in Hutsols Wohnung ein und bedrohten sie.
Doch die Oben-Ohne-Protestlerinnen lassen sich nicht einschüchtern. Ihren Kritikerinnen erwidern die meist leicht geschürzten Femen: „Im Schlabberlook würde uns niemand beachten.“ Außerdem verdienen sie mit dem Verkauf von Fotos ihrer Aktionen Geld für ihre Kriegkasse.
Mehr über Prostitution und ihre Folgen im Dossier: "Die Ware Frau" der aktuellen EMMA.
EMMAonline 11.5.2011
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