Menschen
Katrin Göring-Eckardt: Die Kandidatin
Sie lernte Benimmregeln in der Tanzschule ihrer Eltern und ist eine Frau der leisen Töne. Wird die ostdeutsche Theologin Wegbereiterin für Schwarz-Grün?

- Göring-Eckard: „Keineswegs gegen das Recht auf Abtreibung“. Foto: Aris
Sie hatte sich ein festliches Kleid angezogen, hochgeschlossen und natürlich schwarz. Aufrecht und gefasst stand sie in der Erfurter Augustinerkirche, jenem Ort, wo Martin Luther vor rund 500 Jahren seine erste Predigt gehalten hatte. „Ich wusste nicht genau wie, aber ich wusste ganz genau, was ich sagen wollte“, erinnert sich Katrin Göring-Eckardt heute an diesen Moment in dem ehrwürdigen alten Klosterbau. Es war im Herbst 2011, Papst Benedikt XVI. war nach Erfurt gekommen. Und die Protestantin Göring-Eckardt hatte sich vorgenommen, ganz bewusst Frau zu sein. „Lieber Bruder“ sprach sie den erzkatholischen Kirchenfürsten beinahe despektierlich an und las ihm sodann die Leviten. „Wenn man Mauern zu lange bewacht, Mauern aus Stein und Mauern aus Schweigen, dann brechen sie von innen ein“, erklärte die Ostdeutsche dem Papst – „weil die Menschen von der Freiheit wissen“. Wer genau zuhörte, verstand. Auf ihre höfliche, aber bestimmte Art hatte Göring-Eckardt mehr kirchliche Toleranz für Andersgläubige und für die homosexuelle Liebe eingeklagt, denn, so zitierte sie das Johannesevangelium: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“.
Die Szene im Kloster offenbart eine Menge über den Politikstil der grünen Christin, die stets mit eher leisen Worten ihre Umwelt zu überzeugen sucht. „Sich trauen, aber ohne Schaum vorm Mund“, lautet ihre Devise. Und damit kam sie offensichtlich auch bei der grünen Basis an. Ein grandioses Comeback, das der 46-Jährigen kaum mehr zugetraut worden war. Sie war in den letzten 20 Jahren Landesvorsitzende der Thüringer Sektion von Bündnis90/Grünen, Bundestagsabgeordnete, parlamentarische Geschäftsführerin und Fraktionschefin der Grünen im Bund gewesen. Dann wurde sie Vizepräsidentin im Bundesparlament, Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und stand schließlich in 2011 dem Evangelischen Kirchentag mit seinen Hunderttausenden von Besuchern vor.
Nun aber stürzt sie sich doch noch einmal mit Verve in die Tagespolitik. Die Grünen hätten sie in eine Führungskonstellation gewählt, „die Sinn macht“, sagt die Spitzenkandidatin. Und da sie gerade mit einer Journalistin spricht, die für EMMA schreibt, muss Katrin Göring-Eckardt auch gleich eine wichtige Botschaft loswerden: Sie sei „keineswegs gegen das Recht auf Abtreibung“, wie seit ihrer Wahl zur Spitzenkandidatin in manchen Internet-Portalen kolportiert wird. Sie habe lediglich mal gesagt, „dass ich es mir für mich persönlich nicht vorstellen kann“. Aber natürlich stehe sie „voll hinter den Regelungen des Paragrafen 218. (...)
Christiane Kohl. Der vollständige Artikel steht in EMMA Januar/Februar 2013. Dieses Thema im Forum diskutieren. Geht auch: @EMMA schreiben

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