Häusliche Gewalt

Lange hatte das Problem genauso im Dunkeln gelegen wie der sexuelle Missbrauch. Männer, die ihre Frauen krankenhausreif schlagen? Ein Hirngespinst hysterischer Emanzen. Heute wissen wir, dass jede vierte Frau in ihrer Ehe oder Beziehung Opfer von Gewalt wird – und gibt es allein in Deutschland 358 Frauenhäuser, in die jährlich 40.000 Frauen und Kinder flüchten.
1976 erkämpfen Feministinnen in Berlin das erste „Haus für geschlagene Frauen“ – als bundesfinanziertes Modellprojekt. In der ersten EMMA-Ausgabe im Februar 1977 schreibt Alice Schwarzer über einen „Tag im Haus für geschlagene Frauen“.
Von Anfang an erklärt EMMA die private Gewalt zum politischen Gewalt und fordert, die Vergewaltigung durch den Ehemann genauso unter Strafe zu stellen wie die durch den Fremden im Park. Erst 1995 wird der Bundestag ein Gesetz verabschieden, das die Vergewaltigung in der Ehe zur Straftat macht – und das nur, weil sich die weiblichen Bundestagsabgeordneten aller Parteien für die Abschaffung des Herrenrechts zusammentun.
Am 1. Mai 1997 tritt in Österreich ein bahnbrechendes Gesetz in Kraft: „Wer schlägt, der geht!“ lautet der Grundsatz des „Gewaltschutzgesetzes“, das geschlagenen Frauen die gemeinsame Wohnung zuweist, nachdem die Polizei den Schläger aus derselben gewiesen hat. EMMA fordert dieses „Modell Österreich“ auch für Deutschland. Rotgrün verabschiedet das deutsche Gewaltschutzgesetz im Jahr 2000.
Im selben Jahr titelt EMMA mit „Männern gegen Männergewalt“ und holt dazu prominente solidarische Männer ins Boot, von Tatort-Kommissar Klaus J. Behrendt über Moderator Ranga Yogeshwar bishin zum Boxer Henry Maske. EMMA stellt die kanadische Bewegung „Männer gegen Männergewalt“ vor, deren Symbol eine weiße Schleife ist.
Am 1. Januar 2001 werden die ersten prügelnden Männer aus ihrer Wohnung gewiesen. Mit dem Gewaltschutzgesetz und der größeren Öffentlichkeit für das Thema Häusliche Gewalt wächst auch die Klientel der Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen - denen gleichzeitig die Gelder gekürzt werden. „Frauen gehen auf die Barrikaden!“ titelt EMMA im Januar 2004 und macht – nicht zum ersten Mal – auf die enormen Folgekosten der Gewalt aufmerksam, denn: „Gewalt macht krank!“
Heute ist die Lage für die Frauenhäuser eher schwieriger geworden. „Noch nie waren Frauenhäuser so respektiert wie heute – und so pleite!“ schreibt EMMA im Januar 2010 in ihrem Dossier über den Kampf gegen Häusliche Gewalt. Doch EMMA berichtet auch über Fortschritte. Immer mehr Projekte nehmen auch die Täter ins Visier. So berichtet EMMA über Anti-Gewalt-Kurse, in die Staatsanwaltschaften prügelnde Ehemänner immer häufiger schicken – und über das erste Männerhaus, in dem weggewiesene Männer ihr Verhalten therapeutisch reflektieren können.
Zum Weiterlesen:
Das Dossier: Männergewalt (Winter/2010)
Gelsenkirchen: Ein Blick ins Frauenhaus (Winter/2010)
Wir sammeln fürs Frauenhaus (Winter/2010)
Lorena Bobitts Aufbruch (Winter/2010)
Rihannas Message an die Mädchen (Winter/2010)
Editorial von Alice Schwarzer: Gewalt & Macht (März/April 2004)
Sexueller Missbrauch: Die Narben der Gewalt (Januar/Feb 2004)
Irene Khan leitet amnesty international (4/2003)
Ehefrauen-Mord: Kriegsopfer in Amerika (6/2002)
Vergewaltigung in der Ehe: Na endlich! (4/1997)
Vergewaltigung in der Ehe: Zwei vor, eins zurück (4/1996)
Vergewaltigung in der Ehe: Die Farce mit der Vergewaltigung (3/1995)
Islamismus: Fatma muss Jungfrau sein (8/1977)
Ein Tag im Haus für geschlagene Frauen (März 1977)
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Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
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Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)








