Guter Tipp!
Macht Mädchen Mut!
Neulich ist es mir passiert: Als meine fünfjährige Tochter zum wiederholten Mal versuchte, vier plus fünf mithilfe ihrer Finger zusammenzurechnen und mit den Worten: „Ich kann das einfach nicht!“ die Hände sinken ließ, sagte ich zu ihr: „Ich war auch nie gut in Mathe“ – und hätte mich sofort ohrfeigen können.
Denn dass Mädchen diese Art der Erklärung für Misserfolge viel zu oft hören, ist einer der Gründe für das erschreckende Ergebnis einer aktuellen Studie: Junge Frauen haben ein geringeres Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit und weniger Zuversicht, erfolgreicher zu sein als junge Männer. Und zwar, das ist paradox, trotz besserer Noten und Schulabschlüsse. Das fand Prof. Dr. Renate Valtin, emeritierte Berliner Professorin und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Lesen und Schreiben, heraus. Mädchen führen ihre Erfolge demnach oft auf glückliche Umstände und Zufälle zurück, während Jungen Begabung und Fleiß als Gründe für gute Leistungen ausmachen.
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Und das ist nicht selten eine Folge der unüberlegten Kommentare von Lehrern und Eltern. Carol Dweck, Professorin für Psychologie an der kalifornischen Stanford University, untersuchte, mit welchen Argumenten LehrerInnen Kinder bei Versagen kritisieren. Sie stellte einen krassen Unterschied zwischen der Kritik an Jungen und der an Mädchen fest.
Wenn ein Mädchen sich mühsam mit etwas quälte, verwies die Lehrerin oft auf dessen mangelnde Begabung, indem sie etwa sagte: „Mathe ist nicht gerade deine Stärke“. Machte dagegen ein Junge viele Fehler, ermahnten die Lehrer ihn, sich stärker zu bemühen: „Du musst dich mehr anstrengen, dann schaffst du das“.
Der gravierende und folgenschwere Unterschied zwischen den zwei Arten der Kritik: Der Junge wird nur in der Sache kritisiert und erfährt, dass sein Versagen einen temporären Grund hat: zu wenig Arbeitseinsatz. Es steht also in seiner Macht, besser zu werden. Die Kritik an seiner Mitschülerin basiert auf etwas Bleibendem: Das Mädchen wird als Person in Frage gestellt, es ist einfach unbegabt. Die demotivierende Botschaft an das Mädchen ist: Es kann die Situation nicht ändern, selbst wenn es wollte.
Wer diese Art der Argumentation nur oft genug hört, verinnerlicht sie irgendwann. Und das hat schwerwiegende Folgen, etwa für den Berufsweg. Denn wie soll eine Frau, die nicht daran glaubt, aus eigener Kraft erfolgreich sein zu können, weiterkommen? ...
Uta Wübbe. Der ganze Artikel steht in EMMA Januar/Februar 2013. Thema im Forum diskutieren. Geht auch @EMMA schreiben.

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