Pascha des Monats
MARCEL REICH-RANICKI, Literaturkritiker

Klar war Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, 88, schon mal EMMA-Pascha. Denn er ist ja der Pascha an sich. Nicht des Monats, sondern des Jahres, wenn nicht Jahrzehnts.Nun hat er noch mal auf die Tube gedrückt und seiner Kollegin Elke Heidenreich – die doch so gerne eine Lobrede auf ihn gehalten hätte – eins reingewürgt. Ihre geschasste Sendung "Lesen" sei auf einem ganz "anderen intellektuellen Niveau" gewesen als sein "Literarisches Quartett". Denn: "Es war halt eine Sendung für Frauen". – Ach Marcel, was sagt denn eigentlich die liebe Teofila dazu?
Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den zwei Magazin-Seiten der aktuellen EMMA.
Bonjour Traurigkeit

Ich zögere, diesem fremden Gefühl, dessen sanfter Schmerz mich bedrückt, seinen schönen und ernsten Namen zu geben: Traurigkeit." Mit diesem Satz begann die 18-jährige Françoise Quoirez, die sich Sagan nannte, ihren 1953 erschienenen Roman "Bonjour Tristesse" – und gab damit dem Lebensgefühl einer ganzen Generation Ausdruck. Die Französin wurde rasch zum Weltstar, ihr erstes von vielen Büchern vier Millionen Mal verkauft. Für die Literatur – und den Jet-Set – war Françoise Sagan in den 50er Jahren und darüber hinaus das, was James Dean für den Film war: Star und Symbol zugleich, verloren und verwegen, schüchtern und dekadent. Nach der erfolgreichen Piaf-Verfilmung jetzt also ein Sagan-Film, nur vier Jahre nach ihrem Tod. Das Frappanteste an dem Film ist Hauptdarstellerin Sylvie Testud, die eine Wiederauferstehung von Sagan zu sein scheint (in Deutschland bekannt aus "Jenseits der Stille"). Testud schafft es, die 18-Jährige auf dem Sprung ins Leben genauso glaubhaft zu verkörpern wie die 69-Jährige beim Versinken in Kokain und Tod. Und das alles quasi ohne Worte: Ihr androgyner, pubertärer Körper, der lebenslang eher ein Gefängnis für Sagan gewesen zu sein scheint, sagt alles. Regisseurin Diane Kurys spannt den ganzen Bogen dieses Lebens in Schlaglichtern. Sie verzichtet dabei auf Spektakuläres und zeigt uns Sagan eher als Gefangene einer nie gestillten Sehnsucht, deren Einsamkeit auch die frühen, flüchtigen beiden Ehemänner und der ihr fremde Sohn sowenig durchbrechen konnte wie die letzte Lebensgefährtin. Au revoir! "Bonjour Tristesse", ab 1. Januar 2009 im Kino.
Kung-Fu gegen Albträume

Es ist der immer gleiche Albtraum, der Ay?e nachts aufschrecken lässt: Ein schwarz vermummter Unbekannter jagt sie durch die Straßen Kopenhagens, Ay?e wehrt sich beherzt, aber schließlich liegt sie doch am Boden – und der Verfolger erledigt sie mit einem letzten Tritt. Die junge Türkin, überzeugend gespielt von der 22-jährigen Karatekämpferin Semra Turan, trainiert heimlich, hinter dem Rücken ihrer Familie – und besiegt letztendlich nicht nur ihre Kung-Fu-Gegner, sondern auch den Vermummten aus dem Albtraum. Die dänische Regisseurin Natasha Arthy hat für ihren ersten Jugendfilm Fightgirl eng mit Xian Gao (in der Rolle des Kung-Fu-Meisters) zusammengearbeitet, dem Trainer der "Tiger & Dragon"-Crew. "Fightgirl Ay?e", ab 1. Januar 2009 im Kino.
Females in front!

"250 Millionen Frauen in der EU – und nicht eine davon gut genug?" Kann nicht sein, sagte sich die dänische EU-Parlamentarierin Christel Schaldemose – und gründete die Initiative "Females in Front". Ihr Ziel: Mindestens einer der vier europäischen Spitzenjobs, die in 2009 neu besetzt werden, soll an eine Frau gehen. Wer ebenfalls findet, dass es an der Zeit ist für eine Ratspräsidentin, Parlamentspräsidentin, Kommissionspräsidentin oder Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik, kann das mit seiner virtuellen Unterschrift unterstützen. Kommen eine Million Unterschriften zusammen, muss die Kommission tätig werden – wegen Missachtung des Vertrags von Lissabon, der vollmundig erklärt: "Die EU eliminiert Ungleichheit zwischen Männern und Frauen." Fast 100.000 EurpäerInnen haben schon unterschrieben. Fehlen nur noch 900.000. Los geht's! www.femalesinfront.eu
Nix gegen Prostitution ...
Da schlugen die Wellen der Empörung hoch. Aber nicht über den traurigen Tatbestand, sondern über die überfällige Kritik daran. Die EU-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin (FDP) hatte in einem Bunte-Interview gefordert, EU-Abgeordnete sollten nur noch in Hotels absteigen, die keine Prostituierte vermitteln. Grund: Bei den Sitzungswochen in Straßburg, wo wie in ganz Frankreich Straßenstrich und Bordelle verboten sind, sind die Lobbys der Hotels voll von Prostituierten, denn die Nachfrage ist groß dank der EU-Politiker, die immer wieder gerne Resolutionen gegen Menschenhandel und Prostitution verabschieden. Einer der ersten, der Hohn und Spott über Koch-Mehrin ausgoss, war Daniel Cohn-Bendit, Chef der deutschen Grünen-Fraktion in der EU. Der einstige Pädophilie-Befürworter (EMMA 3/01) sprach von einer "dümmlichen Sauberkeitskampagne", entsprungen aus den "Phantasien von Frau Koch-Mehrin". Damit liegt Cohn-Bendit auf Parteilinie: Die deutschen Grünen sind seit einem Vierteljahr- hundert führend bei dem (hierzulande leider erfolgreichen) Versuch der Legalisierung und Verharmlosung von Prostitution, diesen "Beruf wie jeder andere". – Übrigens: Der Vorschlag kam ursprünglich von der dänischen Grünen Karin Riles-Jürgesen. Denn sie kennt ein gelungenes Beispiel: Die Mitglieder des "Nordischen Rats" haben sich seit Jahren verpflichtet, nicht in Hotels zu verkehren, die sich am "Geschäfts mit Sex" beteiligen.
blättern. kaufen. lesen.

Die ganze EMMA zum Blättern
Von Seite 1 bis Seite 164 die aktuelle EMMA-Ausgabe zum Blättern im Internet.
In neuem Fenster öffnen
Wer es genau wissen will:
Das EMMA-Heft bekommen Sie am Kiosk, im Zeitschriften- und Bahnhofsbuchhandel.
Wo kann ich die EMMA kaufen?
EMMA direkt nach Hause
Bestellen Sie Ihr persönliches EMMA-Abonnement in unserem Online-Shop
Zur Abo-Bestellung
"Lebenslauf", Vom ersten Tag Alice bis zum ersten Tag EMMA. Wer das Buch jetzt bestellt, erhält gratis die aktuelle EMMA dazu. Lebenslauf" plus EMMA. Nur 22.99 €. Frei Haus.
Das neue EMMA-Buch! Das Beste aus 280 EMMAs + EMMAs Geschichte, 426 S. Großformat (Heyne, 24.90 €)
Hg. Alice Schwarzer:
"Die große Verschleierung" Für Integration, gegen Islamismus.
(KiWi, 9.95 €)
Simone de Beauvoir DVD, ein Film von Schwarzer 1973, 45 Min., deutsche u. franz Version
(EMMA, 10 €)
Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)








