Pascha des Monats
MARTIN WALSER

Der Privatgelehrte und die Doktorandin, der Investmentbanker und die großbusige Schauspielerin – und jetzt Goethe, 73, und Fräulein von Levetzow, 19. Mit „Schadenfreude“ hat Martin Walser, 81, sein neues Buch „Ein liebender Mann“ verfasst. Denn nun könnten die „vor allem weiblichen Kritiker“, die dem Schwadroneur vom Bodensee seine auffallend zahlreichen Bücher über alte Männer und junge Frauen „übel vermerkt haben“, nicht mehr nölen. Schließlich hat Walser, verheiratet und Vater von vier Töchtern, nun den Beweis erbracht, dass Goethe, „der größte Kerl, den wir haben“, im welken Alter ebenfalls nach jungem Gemüse schielte. Die Tatsache, dass der große Kerl sein größtes Werk über ein äußerst abschreckendes Beispiel geschrieben hat, nämlich Faust und Gretchen, lässt Walser ebenso unangefochten wie die Tatsache, dass Goethe sein im Greisenalter verfasster „Faust II“ bekanntlich etwas wirr geraten ist. Walser jedenfalls glaubt, dass nun „endlich Verständnis blüht“. Wohlan, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den zwei Magazin-Seiten der aktuellen EMMA.
Warum EMMA nicht mit Brigitte jubelt
„Donnerschlag!“ möchte man rufen und „Juchhuu!“. Offenbar gab es noch nie eine so selbstbewusste junge Frauengeneration wie die heutige zwischen 17 und 19 oder 27 und 29. Die Medien jubeln über das Ergebnis einer aktuellen Brigitte-Studie zum weiblichen Selbstverständnis: 1. Männer sind nicht mehr der Referenzpunkt ihres Selbstwertgefühls (endlich!), 2. prekäre Jobverhältnisse nehmen sie mit links (tapfer!) und natürlich wollen sie 3. beides: Vollzeit arbeiten und Kinder (Respekt!). Deshalb bestehen sie auf einer Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zur Not wechseln sie den Arbeitgeber.
EMMA ist begeistert (ehrlich!). Und drückt den Mädels beide Daumen, dass alle Wünsche in Erfüllung gehen (simsalabim…): 1. Dass sie den Richtigen finden, der auch noch ihren Kinderwunsch teilt (Zeugungsstreik?) 2. Dass dieser Mann bereit ist, Kinder und Haushalt zu teilen (Wer verdient mehr?). 3. Dass sie alle bei einem dieser Vorzeigeunternehmen landen, die maßgeschneiderte Betreuung und flexible Arbeitszeiten anbieten. Falls das nicht klappt, finden sie ja vielleicht eine Krippe, die auch nach 15 Uhr geöffnet bleibt. Sorry, wir wollen keine Spaßbremsen sein. Trotzdem: Wenn die Brigitte bei den 37- bis 39-Jährigen zum selben Ergebnis kommt, jubelt auch EMMA laut mit. Versprochen!
Die Becker & der Busch

Schon als Kind hat sie sich diebisch über seine Geschichten gefreut und, gemeinsam mit der Mutter, stundenlang über den dickleibigen Büchern von Wilhelm Busch gehangen.
Jetzt hat die EMMA-LeserInnen wohlbekannte Cartoonistin Franziska Becker eine Retrospektive im Busch-Museum in Hannover. Über hundert Objekte aus 32 Jahren werden gezeigt: Cartoons, Skizzen- und Reisetagebücher sowie Objekte. Denn Becker arbeitet seit langem auch als Malerin, was eine logische Konsequenz für die auch in ihren Cartoons sehr malerische Künstlerin ist.
Schon vor 20 Jahren erhielt Franziska Becker übrigens den „Max und Moritz Preis“, als „bester deutscher Comic-Künstler“ (also geschlechterübergreifend). Ausstellungseröffnung ist am 8. Juni um 11.30 Uhr, in Anwesenheit der Künstlerin. Versteht sich.
Franziska Becker, Retrospektive im Wilhelm-Busch-Museum, Hannover, vom 8. Juni bis 24. August
Zynismus oder Dummheit?

- Ahmadinedschad und Calmy-Rey
In Zukunft wird die Schweiz alljährlich vom Iran Gas im Wert von einer Milliarde Dollar beziehen. Das verhandelte nicht etwa die Wirtschaftsministerin, sondern die Außenministerin persönlich in Teheran – und dies mit keinem Geringeren als Präsident Ahmadinedschad.
Fast noch mehr internationale Aufmerksamkeit jedoch erregt das Foto zum Event. Die für ihre lässige Eleganz bekannte Genferin hatte sich ein dekorativ flatterndes weißes Kopftuch umgelegt, was den fundamentalistischen Hardliner sichtbar froh stimmte. Überhaupt scheint die Stimmung zwischen Micheline Calmy-Rey und Mahmud Ahmadinedschad bombig gewesen zu sein. Auf die heftige Kritik in der Schweiz an der vorauseilenden Demut der Sozialdemokratin antwortete Calmy-Rey kühl: „Ich würde es wieder tun.“ Und sie fügte hinzu, sie habe die Gelegenheit genutzt, um „die Bedeutung der Menschenrechte im Iran zu betonen“. Zynischer geht’s nimmer.
Als wiege so ein Bild im Land der zwangsverschleierten Frauen, die schon bei verrutschtem Kopftuch zusammengeschlagen und verhaftet werden, nicht tausendmal schwerer als alle Worte. Kommentar einer zwangsverschleierten Philosophiestudentin in Teheran: „Ich bin enttäuscht von dieser Frau. Wir kämpfen gegen den Kopftuchzwang, auch wenn westliche Politikerinnen ihre Unterwerfung offenbar freiwillig zelebrieren.“
20. und 21. Jh. deutschspr.
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