Pascha des Monats
WALTER HOLLSTEIN, Männerforscher

Sie sind arm dran, die Männer, ganz arm. Niemand weiß das besser als Männerforscher Walter Hollstein ("Was vom Manne übrigblieb"), 68. Weil der siegreiche "Kreuzzug des Radikalfeminismus" ihnen Impotenz beschert. Weil sie im Krieg den Kopf hinhalten, die dreckigsten Jobs in der Schwerindustrie machen und nach Katastrophen Menschen retten müssen. Aber, frohlockt der Gutachter des Europarates für Männer- und Geschlechterfragen: "Endlich regt sich Widerstand." Das begrüßen wir und freuen uns schon auf den Run der Diskriminierten auf Jobs als Sekretäre, Altenpfleger und Klomänner.
Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den zwei Magazin-Seiten der aktuellen EMMA.
Adieu Christa Reinig

Die Wirren der Nachkriegszeit stand sie verkleidet als Mann durch – und überhaupt hatte Christa Reinig wenig Verständnis für Dämlichkeiten. Gleichzeitig war sie sich der Geschlechterfrage bewusst, wie kaum eine Andere. Sie war eine der wichtigsten literarischen Stimmen der Frauenbewegung. Am 30. September ist die in Berlin geborene Schriftstellerin und Dichterin nun im Alter von 82 Jahren gestorben. Reinig wuchs allein mit der Mutter auf, arbeitete in der Fabrik, machte das Abitur in Abendkursen, studierte Kunstgeschichte – und wurde Ende der 40er Jahre von Bert Brecht entdeckt. Reinigs lakonisch-komische Texte erschienen ab den 50er Jahren in Ost wie West. Als sie 1964 in Bremen einen Literaturpreis erhielt, blieb sie im Westen. Einem breiten Publikum bekannt wurde Reinig mit ihrer Autobiografie "Die himmlische und die irdische Geometrie" (1975) – zur feministischen Stimme wurde sie mit ihrem bitterschwarzen Roman "Entmannung". Nach dieser Veröffentlichung bekannte Reinig sich öffentlich zur Frauenbewegung und zur Homosexualität, die sie in ihrem Liebesroman "Müßiggang ist aller Liebe Anfang" thematisierte. In den letzten Jahren war es still geworden um Christa Reinig. Ein Unfall, der ihr für den Rest des Lebens das Rückrat beugte, hatte ihr schwer zugesetzt.
Greifbare Bücher von Christa Reinig bei Eremiten und Frauenoffensive.

Congratulation Missy!
Müssen die Jungs von Spex & Co rücken? Nein. Missy eröffnet ihren eigenen Tummelplatz, denn: "Wenn Popkultur- Journalismus ein Spielplatz ist, dann sind 80 Prozent dieses Spielplatzes von Jungs besetzt (...) Wir hatten keine Lust mehr, den Jungs immer nur beim Spiel zuzusehen – wir wollten selber spielen", schreibt die Missy–Redaktion in ihrem ersten Editorial. Resultat: 96 Seiten von Frauen für Frauen über "Popkultur, Politik und Style"; vom "perfekten Lidstrich" und "Klamotten, die nicht den üblichen Normen und Looks entsprechen" bis hin zu "Pornos für Mädchen". Und das alles aus feministischer Sicht. Mit sehr schönen Bildern, doch leider schwächeren Texten. Missy startet mit einer Auflage von 15.000 und will vier Mal im Jahr erscheinen. Die drei Macherinnen – Herausgeberinnen und Redakteurinnen in Personalunion – sind Anfang/Mitte Dreißig und heißen: Chris Köver, Stefanie Lohaus und Sonja Eismann. Wie die Mädels die erste Ausgabe gestemmt haben? Sie sagen: mit zehn Monaten Anlauf und 25.000 Euro Kreativ-Förderpreis der amerikanischen Firma Hobnox. "Aber ab der zweiten Ausgabe müssen wir das Magazin über Werbeein- nahmen finanzieren." Da muss also noch ein Wunder geschehen. EMMA drückt die Daumen. www.missy-magazine.de
Einigkeit und Recht auf Ausgleich

Mit Transparenten und Trillerpfeifen standen sie am 2. Oktober vor dem Leipziger Gewandhaus: 150 geschiedene Rentnerinnen aus ganz Ostdeutschland, die im Einigungsvertrag von 1990 schlicht unter den Tisch gefallen sind. Weshalb die Hälfte von ihnen heute unter dem Existenzminimum lebt, sprich: mit weniger als 750 Euro. Denn für Frauen, die sich noch zu DDR-Zeiten hatten scheiden lassen, gibt es keinen "Versorgungsausgleich". Anders als im Westen, wo seit 1977 die in der Ehe ¬erworbenen Rentenansprüche zwischen Mann und Frau aufgeteilt werden, bekommen die Ostrentnerinnen nur ihre eigenen Anwartschaften ausbezahlt. Eine "übergroße Ungerechtigkeit", schimpft Ute Lauterbach, 68, die 1999 die "Initiative der in der DDR Geschiedenen" gründete. Denn auch im angeblich so gleichberechtigten Osten blieben Frauen wegen der Kinder zu Hause, verzichteten für ihre Männer auf Karrieren und verdienten weniger. Die Zahl der Geschiedenen mit Mini-Rente wird auf 500.000 geschätzt. Die Politik stelle sich trotz zahlloser Eingaben und Petitionen bisher stur. "Sie lässt uns seit 19 Jahren würdelos betteln."
"Hexe" Göldi rehabilitiert
Das Kantonsparlament von Glarus/ Schweiz sorgte mit seinem Beschluss für Aufsehen: Es rehabilitierte Anna Göldi, die als "letzte Hexe Europas" in die Geschichte eingegangen ist (EMMA 6/2007). Europaweit ist das die erste Rehabilitierung einer "Hexe" durch ein Parlament. Göldi stand im Verdacht, „das achtjährige Kind ihres Dienstherrn Doktor Tschudi mit Stecknadeln verzaubert“ zu haben und wurde nach schweren Folterungen am 13. Juni 1782 in Glarus enthauptet. 226 Jahre nach ihrem Tod wurde sie nun "begnadigt." Noch im November 2007 lehnte die Kantonsregierung ein entsprechendes Begehren ab. Zwar räumte die Exekutive ein, dass Anna Göldi aufgrund eines "Fehlurteils" hingerichtet worden war, mit einer Rehabilitierung lasse sich aber früheres Unrecht nicht wieder gut machen. Erst auf Druck des Parlaments lenkte die Regierung ein und sprach sich dafür aus, dass Anna Göldi "für unschuldig" erklärt werden solle. Die Rehabilitierung ins Rollen gebracht hatte der Journalist und Jurist Walter Hauser mit seinem Buch "Der Justizmord an Anna Göldi" (Limmat Verlag).
blättern. kaufen. lesen.

Die ganze EMMA zum Blättern
Von Seite 1 bis Seite 164 die aktuelle EMMA-Ausgabe zum Blättern im Internet.
In neuem Fenster öffnen
Wer es genau wissen will:
Das EMMA-Heft bekommen Sie am Kiosk, im Zeitschriften- und Bahnhofsbuchhandel.
Wo kann ich die EMMA kaufen?
EMMA direkt nach Hause
Bestellen Sie Ihr persönliches EMMA-Abonnement in unserem Online-Shop
Zur Abo-Bestellung
"Lebenslauf", Vom ersten Tag Alice bis zum ersten Tag EMMA. Wer das Buch jetzt bestellt, erhält gratis die aktuelle EMMA dazu. Lebenslauf" plus EMMA. Nur 22.99 €. Frei Haus.
Das neue EMMA-Buch! Das Beste aus 280 EMMAs + EMMAs Geschichte, 426 S. Großformat (Heyne, 24.90 €)
Hg. Alice Schwarzer:
"Die große Verschleierung" Für Integration, gegen Islamismus.
(KiWi, 9.95 €)
Simone de Beauvoir DVD, ein Film von Schwarzer 1973, 45 Min., deutsche u. franz Version
(EMMA, 10 €)
Die Antwort. Aktueller Essay. Ein Frauenwort, statt Mädchengelaber.
(KiWi, 10 €)
Romy Schneider Mythos und Leben Aktualisierte Neuausgabe der Biografie
(KiWi, 8.95 €)
Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)








