Sie sind die Anti-Atom-Pionierinnen
Sie alle haben hautnah erlebt, was radioaktive Strahlung anrichtet: bei ihrer Arbeit mit leukämiekranken Kindern, bei ihren Reisen nach Weißrussland, bei ihren Forschungen an Überlebenden von Hiroshima. Sie alle haben deshalb schon vor Jahrzehnten vor der Kernenergie gewarnt und sind zu unermüdlichen Kämpferinnen gegen die unbeherrschbare Technik geworden. 25 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl sehen diese fünf Anti-Atom-Pionierinnen nun fassungslos, wie recht sie hatten.

Inge Schmitz-Feuerhake
Am Anfang hatte sie gar nichts gegen die Atomenergie. Als Physikerin und Mathematikerin hielt Inge Schmitz-Feuerhake nichts davon, das Thema emotional anzugehen. Die Leiterin eines Forschungsreaktors am Hannoveraner Institut für Nuklearmedizin verließ sich lieber auf ihre Daten. 1990 besagten die Daten, dass im Umfeld des Kernkraftwerks Krümmel an der Elbe überdurchschnittlich viele Kinder an Leukämie erkrankten. Die Professorin für Medizinische Physik an der Universität Bremen, die nach Tschernobyl gemeinsam mit Kollegen die Gesellschaft für Strahlenschutz gegründet hatte, wurde in zwei Expertenkommissionen berufen, die der Ursache nachgehen sollten. Die Professorin kroch auf Dachböden und maß die radioaktive Belastung des Staubs, sie untersuchte das Blut der Anwohner um Krümmel. Sie fand eine hohe radioaktive Belastung, die sich auf einen vertuschten Unfall in der benachbarten Kernforschungsanlage Geesthacht zurückführen ließ. „Aber unsere Ergebnisse waren politisch nicht erwünscht“, sagt Schmitz-Feuerhake. „Wir alle sind ständig öffentlich attackiert worden, vor allem ich.“ 2008 belegte die sogenannte KiKK-Studie des Bundesamts für Strahlenschutz eine erhöhte Kinderkrebs-Quote im Umfeld aller deutschen Atomkraftwerke. Die Vielgeschmähte, die 2003 Vorstandsmitglied des European Comitee on Radiation Risk (ECRR) wurde, fühlt sich „rehabilitiert“ – aber auch deprimiert. Die Fukushima-Katastrophe zeigt ihr: „Wir befinden uns in so einer Zauberlehrlings-Situation. Da kommen wir nicht mehr raus.“
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