Appell unterzeichnen
„Nein zum Betreuungsgeld!“
Als gute Hausfrauen in (bayerisch angehauchten) Schürzen und Kitteln hießen die ProtestlerInnen der Jusos vorm Bundeskanzleramt die Herdprämie willkommen: „Servus, Betreuungsgeld!“ Denn es hat nichts genützt, dass alle außer Horst Seehofer dagegen sind: vom Institut der Deutschen Wirtschaft bis zum Deutschen Gewerkschaftsbund, von der FDP bis zur „Gruppe der Frauen“ in der CDU-Fraktion, von Brüssel bis zur Mehrheit der deutschen Bevölkerung. Das Kabinett hat heute das Betreuungsgeld beschlossen, nachdem die FDP sich ihre Zustimmung mit dem Ja der Union zur privaten Pflegeversicherung erdealt hatte. Aber womöglich gibt es noch Hoffnung, denn die CDU-Frauen sind sauer.

- Das Betreuungsgeld ist beschlossene Sache. Trotz Protest - hier von Jusos in Berlin, die als "gute Hausfrauen" die Herdprämie willkommen heißen. - Foto Adam Berry/ getty images
Keiner ihrer Vorschläge – von einer Auszahlung des Geldes als Sachleistung oder als Rentenpunkte – ist im Gesetzentwurf berücksichtigt. Mitte Juni trifft sich die Gruppe um Chefin Rita Pawelski, um über ihr Abstimmungsverhalten zu beratschlagen. Schließlich muss das Gesetz ja noch durch den Bundestag.
Damit hat es Seehofer sehr eilig. Schon in der kommenden Woche soll der Entwurf zur ersten Lesung in den Bundestag, endgültig verabschiedet werden soll er noch im Juni vor der Sommerpause. Eine Zustimmung des Bundesrates ist nicht erforderlich – sagen die Verfechter der „Herdprämie“.
Die SPD hat allerdings ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um zu überprüfen, ob die Länder nicht doch gefragt werden müssen. Wäre es so, würde das Betreuungsgeld im Bundesrat scheitern, wo Schwarz-Gelb keine Mehrheit mehr hat. Aber vielleicht muss es ja so weit gar nicht kommen. „Ich bin in einer christlichen Partei. Ich glaube noch an Wunder“, sagt Rita Pawelski.
Thema im Forum diskutieren
Wer sich nicht ausschließlich auf göttliche Fügung verlassen möchte, kann den Appell „Nein zum Betreuungsgeld! – Ja zu echter Wahlfreiheit!“ unterschreiben. Ein Bündnis aus Parteien und Organisationen vom der AWO bis zum Deutschen Frauenrat fordert die Abgeordneten von Union und FDP auf, im Bundesrat gegen das Betreuungsgeld zu stimmen – und es womöglich doch noch zu verhindern.
EMMAonline, 6.6.2012
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