1. Männerbeauftragter
Schweizer: Freut euch!
Seit dem 1. Juli hat Zürich einen Männerbeauftragten: Markus Theunert. Er erklärt, warum es den Männern gar nicht gut geht. Und warum sie ihre Ohren trotzdem auf Durchzug stellen.

- Seit dem 1. Juli ist Markus Theunert der erste Männerbeuftragte der Schweiz.
Als 15-Jähriger, also so um 1989 herum, ist er „Feminist geworden“, wie er sagt. In der Schweiz durften die Frauen gerade mal seit 1971 wählen und abstimmen. Als 1984 mit Elisabeth Kopp die erste Bundesrätin gewählt wurde, war das ein Ereignis; und bis 1985 galt das alte Eherecht, nach dem die Frau den Mann um Erlaubnis bitten musste, wenn sie berufstätig sein wollte. Das Land, das sich rühmt, die älteste Demokratie der Welt zu sein, verstand Demokratie lange als Männersache. Und dies fand Markus Theunert ungerecht. Er lacht, wenn er davon erzählt, dass er der klassische „Frauenversteher“ gewesen sei und entsprechend stets umgeben von „den schönsten Frauen“, die in ihm aber bloß den feinfühligen Kumpel sahen. Als „gleichstellungsorientierter Mann“, wie er sich nennt, empfand der älter werdende Theunert die Gleichstellungspolitik zunehmend als einseitig. Im Jahr 2000 gründete der studierte Psychologe und Soziologe deshalb die Schweizer Männerzeitung und 2005 mit seinen Mistreitern den Dachverband Schweizer Väter- und Männerorganisation (männer.ch). Theunerts Buch „Männerpolitik – Was Jungen, Männer und Väter stark macht“ ist im Mai erschienen; darin wird auf kluge Weise „Männerpolitik“ erklärt und aufgezeigt, worin die Herausforderungen für den modernen Mann bestehen und wie Gleichstellung gelebt werden kann. Mit dem Geschrei der Maskulisten hat das rein gar nichts zu tun, im Gegenteil: Hier kommen Männer zu Wort, die Gleichstellung für unbedingt notwendig halten, sich auf diesem Weg aber nicht selber verlieren wollen.
Herr Theunert, wie waren die Reaktionen auf Ihre Ernennung?
Markus Theunert: Die Männer sagen: „Das haben wir doch nicht nötig!“, die Frauen sagen: „Soweit kommt’s noch!“.
Die Frauen werden in der Tat wenig Verständnis haben. Sie mögen in den Gleichstellungsinstitutionen die Mehrheit sein, sind aber dort, wo es wirklich wichtig ist, zum Beispiel in den Teppichetagen und in der Politik, immer noch krass untervertreten.
Das stimmt, trotzdem lassen sich Ungerechtigkeiten nicht gegeneinander aufwiegen. Stellen Sie sich vor, ein Politiker würde sagen, die Frauen sollten sich in Sachen Teppichetage doch nicht so anstellen, sie hätten ja die häusliche Macht für sich.
Sie sind also kein Softie von Berufs wegen?
Das Etikett interessiert mich nicht. Mich interessiert die Frage, wie wir Männer dahingehend stärken können, die eigenen Wahrnehmungen und Anliegen zu artikulieren. Sobald Männer die Gleichstellung zu etwas eigenem machen, geht es im Eilzugtempo vorwärts. Aber solange sie in diesem passiven Widerstand drin sind, passiert nicht viel...
Das Gespräch führte Bettina Weber. Das vollständige Interview steht in EMMA Sommer 2012. Thema im Forum diskutieren. Geht auch: @EMMA schreiben.

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