Frauenhass

Pöbelt oder mordet einer aus „Fremdenhass“ oder „Judenhass“, dann wird das in den Polizeistatistiken erfasst und wirkt sich beim Urteil eher verschärfend aus. Geschieht dasselbe aus Frauenhass, wird das nicht nur nicht wahrgenommen, sondern oft sogar regelrecht geleugnet – wie zuletzt 2009 beim Amoklauf von Winnenden. Resultat: Rassismus und Antisemitismus sind ein ernstes und zu recht bekämpftes Problem hierzulande – das Motiv Sexismus aber existiert angeblich nicht.
Dabei fordert der Sexismus Tag für Tag, Jahr für Jahr eine vielfache Zahl von Opfern. Millionen Menschen werden geschlagen, vergewaltigt, getötet - weil sie Frauen sind. Schon im Jahr 1992 startete EMMA darum die Aktion: „Stoppt Frauenhass!“ Wir forderten, dass die Polizei speziell sensibilisiert und ausgebildet wird in bezug auf Sexualmorde und häusliche Gewalt (was in Ansätzen geschehen ist), dass die Justiz Sonderdezernate für Verbrechen aus Frauenhass einrichtet und dass die Frauenhass-Verbrechen (Sexualmorde, Beziehungstaten, „Familiendramen“, Vergewaltigungen und Misshandlungen) statistisch gesondert erfasst werden. Kurzum: Der Sexismus muss so eine juristische Kategorie werden, wie es der Rassismus und Antisemitismus längst ist.
Dies ist in Ländern wie Amerika selbstverständlich: Da rangiert unter dem Begriff „Hate-Crimes“ der Sexismus ebenso wie der Rassismus. Nur in Deutschland wird die strukturelle Gemeinsamkeit der Hate-Crimes weiterhin hartnäckig geleugnet. Und was man leugnet, das gibt es nicht, und muss ergo nicht bekämpft werden.
Zwei Justizministerinnen allerdings waren bzw. sind sensibilisiert für das Problem. Herta Däubler-Gmelin (SPD) kündigte die Einführung der Kategorie „Frauenhass“ an, kurz bevor sie gehen musste. Und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte schon im Jahr 1998 zusammen mit anderen Spitzenpolitikerinnen öffentlich: „Der Gesetzgeber muss – parallel zum Motiv Fremdenhass – das Motiv ‚Frauenhass’ einführen. Die Aufstachelung zum Frauenhass muss strafrechtlich geahndet werden.“
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist wieder Justizministerin. Sie kann jetzt handeln.
Zum Weiterlesen:
Es war Frauenhass (6/2009)
Die Mädchen abballern (3/2009)
Was Männlichkeit heute bedeutet (3/2009)
Hat Tim K. aus Frauenhass getötet? (3/2009)
Im Inneren des Walfischs (3/2009)
Gewalt & Macht (2/2004)
Was müssen wir tun (6/1996)
Frauenhass & Fremdenhass (1/1993)
Stoppt Frauenhass (10/1992)
Sexuelle Belästigung, EMMA-Kampagne, Amoklauf, Hate Crimes, Frauenhass, Statistiken
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