Monaco
Die Operetten-Hochzeit
Wenn sich am 2. Juli Prinz Albert und Charlene Wittstock das Ja-Wort geben, haben nicht alle Monegassinnen feuchte Augen. So einigen stinkt das verstaubte Theater im Männerstaat gewaltig.

- Die Monegassinnen setzen den exklusiven Männerclubs ihren eigenen entgegen: Hilde Haneuse (Mitte) im Kreis ihrer "Femmes Leaders Mondiales".
Monaco. Hilde Haneuse möchte weder eine reiche Hausfrau noch ein Anhängsel eines vermögenden Mannes sein. „Wir wollen engagierte und erfolgreiche Frauen in Monaco endlich ans Licht bringen“, sagt die Gründerin der Vereinigung „Femmes Leaders Mondiales“ (auf Deutsch etwa: Frauen führen die Welt). Die gebürtige Belgierin lebt seit 20 Jahren in Monaco und hat dort erfolgreich eine internationale Softwarefirma gegründet. Auch ihr 2010 gegründeter Frauenverband wächst rasant. „Die Monegassinnen scheinen nur auf einen Treffpunkt gewartet zu haben“, triumphiert die Managerin.
Monaco ist mitten in Europa eine kleine Welt für sich. Hier werden die Gehwege täglich geschrubbt und die Palmen kunstvoll in Façon geschnitten. Der nur zwei Kilometer lange Staat am Mittelmeer ist das teuerste Pflaster der Welt: Eine winzige Einraumwohnung kostet rund 500000 Euro. Milliardäre aus aller Welt mieten Hotelzimmer. Der niedrige Steuersatz macht’s möglich. Monaco ist ein Steuerparadies für Reiche.
Das Frauenbild aber ist ärmlich. In Monaco haben vermögende Herren das Sagen und gepflegte Damen begleiten sie. Das künftige Fürstenpaar Albert und Charlene Wittstock entspricht diesem Modell: Fürst Albert ist 21 Jahre älter als seine künftige Ehefrau und reichlich vermögender. Passend dazu das Freizeitangebot in Monaco, das aus den 1950er Jahren zu stammen scheint: Es gibt unzählige exklusive Männerclubs, in denen Golf gespielt wird oder sich Unternehmer zum Business-Lunch verabreden. Reine Frauenclubs hingegen sind quasi unbekannt.

- Prinz Albert und Charlene geben sich am 2. Juli das Ja-Wort. Foto: Armedeo M. Turello/ Monaco Palace
Dabei waren Monegassinnen gerade im letzten Jahrzehnt durchaus erfolgreich. Bei den „Femmes Leaders“ zum Beispiel engagieren sich Galeristinnen, Finanzexpertinnen, Eventmanagerinnen, Juristinnen und Architektinnen. Und während in Deutschland nur ein Fünftel aller Betriebe von Frauen geleitet wird, ist im Ministaat rund ein Viertel in weiblicher Hand. Auch Hilde Haneuse hat inzwischen 15 MitarbeiterInnen sowie Filialen in Tunesien und Libyen.
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Bislang hat sich die Braut von Fürst Albert, die frühere Leistungsschwimmerin Charlene Wittstock, noch nicht zu Frauenthemen geäußert. Obwohl die Südafrikanerin schon seit 2006 mit Albert zusammen ist, tauchte sie lange Zeit offiziell nicht an seiner Seite auf. Beim viel beachteten jährlichen Rote-Kreuz-Ball rückte die siegesgewohnte Profi-Schwimmerin auf den Fotos jedes Jahr eine Reihe nach vorne, bis sie 2010 zum ersten Mal direkt neben Prinz Albert zu sehen war. Seither gibt der Palast nur noch ein offizielles Bild heraus, das die Ex-Spitzensportlerin und Albert im Hofgarten zeigt: Darauf sind Charlenes blonde Haare streng nach oben frisiert und auch ihr klassisches Etuikleid erinnert an Grace Kelly, Alberts Mutter und die letzte Fürstin des Ministaates. In den Souvenir-Läden ist dieses eine Bild auf Tassen, Postern und Postkarten zu sehen.
Das Foto ähnelt sicherlich nicht zufällig dem Verlobungsbild von Alberts Vater Rainier und seiner Mutter Grace Kelly vor 55 Jahren. Auch Grace Kelly gab für Fürst Rainier schlagartig ihre eigene erfolgreiche Karriere als Filmschauspielerin auf. Charlene Wittstock hat ihre Laufbahn als Sportmodell inzwischen beendet und ist für Albert zum Katholizismus übergetreten.
Denn die katholische Kirche ist in Monaco sehr einflussreich. Ihr Erzbischof hat Fortschritte im Land jahrelang gebremst, allen voran die Frauenrechte. Heiratet ein Monegasse eine Ausländerin, so kann sie selbstverständlich die monegassische Staatsbürgerschaft annehmen. Umgekehrt war dies noch bis Anfang 2011 unmöglich. Auch das in Frankreich existierende Recht auf Abtreibung gibt es bis heute in Monaco nicht.
Auch politisch einflussreiche Frauen sind im Fürstentum rar: Die fünfköpfige Ministerriege, die in Monaco „Berater“ genannt werden, bestehen traditionell aus Männern. Erst in den vergangenen beiden Jahren hat sich in der Old-boy-group die Umwelt-und Bauministerin Marie-Pierre Gramaglia einen Platz erobert. Dafür geht es Müttern hier, wie auch beim großen Bruder Frankreich, vergleichsweise gut: Es gibt ausreichend Krippenplätze für den Nachwuchs ab drei Monaten, die ärztliche Versorgung gilt als vorbildlich.
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Und engagierte Frauen haben in Monaco noch einen Vorteil: Der Staat ist so klein, dass sie sich schneller vernetzen können und so leichter Zugang zur Macht haben. Bislang sind 50 Monegassinnen Mitglied bei „Femmes Leaders Mondiales“, aber sie haben schon ein internationales Projekt auf der Agenda: Weltweit werden sich Schulen an einem Schreibwettbewerb über die Bildung von Mädchen beteiligen. Renommierte AutorInnen werden besonders berührende Texte auswählen und die Schülerinnen nach Monaco einladen. Aber nicht zu früh gefreut, Mädels: Die Hochzeit ist dann schon vorbei.
Annika Joeres, EMMA Sommer 2011
Frauenförderung
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