Autumn Durald Arkapaw: Die Erste!
Sie hat Filmgeschichte geschrieben. Nach fast 100 Jahren Filmakademie wurde Autumn Durald Arkapaw als erste Kamerafrau mit einem Oscar ausgezeichnet. Deshalb mag es auf den ersten Blick sexistisch erscheinen, ein Porträt über sie mit dem Outfit zu beginnen, das sie bei der Verleihung am 3. März in Los Angeles trug. Ist es aber nicht. Denn dieses Outfit war ein Statement.
Die Preisträgerin trug keinen rosa Traum aus Tüll, keinen geschlitzten Glitzerschlauch, aus dem die Brüste quellen. Sie war weder bauch- noch schulterfrei und schon gar nicht trug sie ein „Naked Dress“ wie so manche ihrer Kolleginnen bei den Grammys.
Autumn Durald Arkapaw war vollständig bekleidet, und zwar mit einem schwarzen Longblazer, weißem Hemd und schwarzer Krawatte. Das war nicht nur ein klarer Griff zu männlichen Insignien, wie ihr Griff zur Kamera. Autums Ehemann Adam, ein Kameramann, und ihr gemeinsamer Sohn Aidan trugen ebenfalls schwarz-weiß. Diese Art des Partnerlooks zeigte deutlich, wie es läuft im Hause Arkapaw: „Wenn ich arbeite, kümmert er sich um unseren Sohn – und umgekehrt. Es ist Teamarbeit.“
Solche Momente passieren nicht, wenn nicht Frauen für dich aufstehen
Als sie die goldene Statue in den Händen hielt, bat die preisgekrönte Kamerafrau „alle Frauen im Saal aufzustehen“. Denn: „Solche Momente passieren nicht, wenn nicht Frauen für dich aufstehen und sich für dich einsetzen.“ So wie Rachel Morrison, die 2018 als erste von nur vier Frauen in 98 Jahren Oscar-Geschichte für die Beste Kamera nominiert gewesen war. Kamerafrau Morrison hatte ihre Kollegin Arkapaw empfohlen, als sie selbst für das Filmprojekt „Blood & Sinners“ verhindert gewesen war.
Und auch für die Mädchen vor den Bildschirmen hatte die Gewinnerin eine Botschaft: „Eine Menge Mädchen, die aussehen wie ich, werden heute Nacht gut schlafen, weil sie Kamerafrau werden möchten.“ Denn: „You have to see you to be you.“ Sinngemäß: Du musst sehen, wer du sein könntest, um du selbst zu sein.
So war es auch der jungen Studentin Autumn gegangen. Zunächst hatte sie Kunstgeschichte studieren wollen. Ihre Leidenschaft für Bilder hat sie ihren Großeltern mütterlicherseits zu verdanken. Die stammten von den Philippinen und waren nach Kalifornien ausgewandert. „Sie waren sehr viel gereist und meine Großmutter hatte Tonnen von Fotoalben, die wir zusammen ansahen. So konnte ich die Welt sehen und mich mit anderen Familienmitgliedern verbinden“, erzählt die 47-Jährige.
Die Familie, in der Autumn aufwuchs, bestand aus Frauen. Ihre Eltern trennten sich früh, der Vater, ein Kreole aus New Orleans, ging zurück in seine Heimatstadt. „Meine Mutter war eine working mom, also brachte sie mich immer zu meiner Tante, die ich Mama Lyn nenne. Sie war wie eine zweite Mutter für mich und ihre Töchter wie meine Schwestern.“
An der Uni belegte Autumn einen Filmkurs und entdeckte ihre Leidenschaft für bewegte Bilder. Mit 21 stellte sie fest, dass der Kameramann eines ihrer Lieblingsfilme, „Blow“, eine Frau war: Ellen Kuras. „Als ich ihren Namen sah, dachte ich: Es gibt eine. Also kann es auch noch mehr geben!“
2010 schloss Autumn das „American Film Institute“ ab. Nach Musik- und Modevideos folgt 2013 der erste Spielfilm: „Palo Alto“ von Coppola-Enkelin Gia Coppola. 2022 dann der Marvel-Blockbuster „Black Panther – Wakanda Forever“, ein Science-Fiction- Film über ein schwarzes Matriarchat, bevölkert von Königinnen, Ingenieurinnen, Generalinnen. Regisseur war Ryan Coogler, mit dem Autumn Durald Arkapaw nun auch „Blood & Sinners“ drehte. Die surreale Vampir-Story um zwei schwarze Brüder spielt im Jahr 1932 in Mississippi, woher Autumns Urgroßmutter väterlicherseits stammt. „Der Film bedeutet mir sehr viel. Ich wollte meine Vorfahren stolz machen.“ Gedreht hat ihn die erste oscarprämierte Kamerafrau of Color auf IMAX, einem Format für riesige Leinwände. Auch damit war sie die Erste.
In Hollywood heißen Kamerafrauen (und -männer) „Director of Photography“, sie sind schließlich ChefInnen eines ganzen Teams. „Wir führen, wir sind stark, wir haben Macht“, sagte Arkapaw bei der Oscar- Verleihung. „Es ist gut, dass die Mädchen das sehen“.


