In der aktuellen EMMA

Männer-Manifest: Und die Frauen?

Wie ein Mann sein? Grünen-Vorsitzender Felix Banaszak gab dem PLAYBOY dazu ein Interview.
Artikel teilen

Die Grünen sind schon irgendwie niedlich. Wie sie da versuchen, den Bizeps rauszuholen und ein „Angebot“ zu machen. Anton Hofreiter himself tauscht die Bienchen gegen Boxhandschuhe. Denn der Feminismus, der habe zwar seinen „notwendigen Kampf definiert, aber vergessen, was Männlichkeit stattdessen sein könnte“. Im Grunde ist wahrscheinlich eh der Feminismus dran schuld, an dieser ganzen Männer-Misere. 

Thesen mussten also her, wie die „moderne Männlichkeit“ nun aussehen könnte, am besten gleich ein „Manifest“. Kurz, prägnant, ein Ja zum Pumpen und zu lackierten Fingernägeln. Besser gleich: mit lackierten Fingernägeln pumpen. 

Aber mal im Ernst. Das Verräterische, Heuchlerische an diesem „Angebot“ ist in Wahrheit gar nicht das erweiterte Spektrum von Fußball, Gym und BMW. Es ist auch nicht das offensichtliche Herangewanze an die WählerInnen, die sich über die „Soja-Sörens“ kaputtlachen. Das Verräterische an dem Manifest der Grünen ist, was verschwiegen wird: All die vielen und wechselnden Geschlechter, die Männer und Frauen angeblich so haben können. Wo sind die denn plötzlich alle hin? Mit Tessa Ganserer in der Belanglosigkeit verschwunden? Was sagt denn eigentlich Sven Lehmann zur neuen Männlichkeit? Autsch? 

Während Grüne und Linke und einst auch die FDP das Thema Trans und die vielen daran anhängigen Geschlechter bei wirklich jeder Debatte um Geschlecht wie eine Monstranz vor sich hertrugen, ist es jetzt, wenn es um das männliche Geschlecht geht, gar kein Thema mehr? Frauen sind relativ, Männer bleiben die Norm. 

Wenn sich jetzt mal nicht die ganzen Transmänner auf den Schlips getreten fühlen … Kein Problem. „Transmänner sind Männer!“, das spricht kein Grüner in die Kamera. Den Slogan gibt es gar nicht. Männer werden von Frauen beim Thema Trans völlig außen vorgelassen. Männern ist das Thema Trans auch herzlich egal. Sie sind und bleiben Männer. 

Warum? Ganz einfach, weil Männer nichts zu verlieren haben. Jeder Transmann, dem sein Leben lieb ist, wird einen Teufel tun und in Männerräume eindringen. Einen Kampf ums Männerklo will niemand führen. Und genau das sollte dem grün-linken Queer-Feminismus mal zu denken geben. Der große Kampf ums Geschlecht findet ausschließlich auf dem Terrain der Frauen statt. 

Frauenhaus? Transfrauen sind Frauen! Her mit dem (so spärlichen) Platz im Frauenhaus! Frauenumkleide bei McDonald’s? Stellt euch nicht so an! Frauenfitnessstudio? Her mit dem Mitgliedsausweis! Auch wenn es 20 andere Studios für Männer und Frauen nebenan gibt. Frauenhaftanstalt? Hinein mit dem Neo-Nazi! Ja, wenn er sich doch nun mal als Frau fühlt! 

Vielleicht sollten sich die Grünen endlich mal ernste Gedanken nicht mehr über das Mann-Sein, sondern über das Frau-Sein machen. Ob sie da auch ein „Manifest“ zusammenklöppeln könnten? Wohl eher ein „FLINTA:*-Angebot“. Bei den ach so feministischen Grünen ist ein Mann ein Manifest und eine Frau ein Wörterbuch: Menschen mit Uterus. Gebärende. Person, die weiblich gelesen wird, etc. etc. 

Dass nicht nur sehr viele Frauen, sondern auch viele „moderne Männer“ dieses Theater nicht mehr hören können, könnte übrigens auch ein Grund für die Abwanderung der Männer in eurer Partei sein, liebe Grüne. 

Selbst jetzt, wo sich die Evidenzen mehren, wie fatal das Selbstbestimmungsgesetz ist – kein Mucks von euch! Studien beweisen, dass OPs und Pubertätsblocker Kindern und Jugendlichen eher schaden. Immer mehr Fälle tauchen auf, in denen Männer das Selbstbestimmungsgesetz nutzen, um Frauenräume zu erobern. Und viele Länder Europas haben in Sachen Trans längst die Reißleine gezogen und große Fehler eingestanden. Aber ihr sinniert über „moderne Männlichkeit“ … Übrigens: Auch um das Thema Männlichkeit islamischer Männer macht ihr noch immer einen weiten, heuchlerischen Bogen. 

Was euch fehlt, liebe Grüne, ist nicht das Gym, es ist kein Bizeps und kein BMW, euch fehlt es an Kompetenz und Rückgrat. 

Vielleicht überlasst ihr den Feminismus mal den Leuten, die wirklich was davon verstehen. 

Ausgabe bestellen
 
Zur Startseite