In der aktuellen EMMA

Lockdown bringt es an den Tag

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Die Schweizerin Carola Meier-Seethaler ist Psychotherapeutin und Philosophin.  Sie veröffentlichte zahlreiche kultur-historische und politische Werke zum Verhältnis der Geschlechter.

Frau Meier-Seethaler, wir definieren uns heute vor allem durch unsere Arbeit. Wäre es nicht ein grundsätzliches Ziel für alle, sich von Arbeit zu emanzipieren, um sich auf sein eigenes, „gutes“ Leben zu konzentrieren?
Zunächst wäre der Begriff „Arbeit“ zu definieren. Wenn ich gute Arbeit als sinnvolle Tätigkeit verstehe, möchte ich mich davon nicht emanzipieren. Belastend ist Arbeit immer dann, wenn ich einer Erwerbsarbeit nachgehen muss, die mir sinnlos erscheint oder die schädlich ist für Menschen und Umwelt. Belastend ist aber auch der Stress durch Zeitdruck, das heißt immer effizientere Leistung in kürzerer Zeit erbringen zu müssen. Dieser tödliche Wettbewerb, wie ich ihn nenne, ist einer der Grundpfeiler der neoliberalen Wirtschaftstheorie.

Im Grunde haben wir es mit einer Marktreligion zu tun, die sich in den USA mit der calvinistischen Vorstellung verband, dass Reichtum ein Anzeichen göttlicher Gnade sei. Aus angelsächsischer Sicht gibt es zum kapitalistischen System keine Alternative, weil andernfalls die kommunistische Wirtschaftsdiktatur drohen würde.

Verlierer in diesem System sind die Frauen. Zwei Drittel der unbezahlten Arbeiten werden von Frauen ausgeführt und sogenannte „Frauenberufe“ werden schlechter bezahlt als Männerberufe.
Allerdings bin ich nicht der Auffassung, dass das kapitalistische System Männern nur Vorteile bringt. Schließlich ruinieren viele von ihnen dabei ihre Gesundheit. Tatsache aber ist, dass die heute sogenannte Care­-Arbeit der Frauen gegenüber männlichen Leistungen abgewertet und immer noch viel schlechter bezahlt wird. Ganz abgesehen davon, dass Frauen den Löwenanteil der Hausarbeit und Kinderbetreuung bewältigen.

Weshalb ist es so schwierig, die Frauen aus der Kleinfamilie zu „befreien“?
Niemals zuvor waren Mütter so isoliert mit ihren Kindern wie heute in einer Drei­- oder Vierzimmerwohnung, zu der der Mann und Vater erst nach einem langen Arbeitstag am Abend zurückkehrt. Die Befreiung aus diesem für alle Familienmitglieder unbefriedigenden Zustand wäre nur durch eine gerechte Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern möglich und zusätzlich durch eine völlig neue Wohnarchitektur: Etwa durch genossenschaftlich organisierte Siedlungen und Mietobjekte, die ein „verbundenes Wohnen“ erlauben; eine Art nicht blutsverwandter Sippe, welche den früheren verwandtschaftlichen Zusammenhalt ersetzen könnte.

Diesen Aspekt machte der Lockdown während der Corona­-Krise hoch aktuell: Bei geschlossenen Kitas, Kindergärten und Schulen und beim Wegfall des großelterlichen Beistands war es jungen Eltern fast unmöglich, die beruflichen Tätigkeiten im Homeoffice mit der Betreuung ihrer Kinder zu vereinbaren. Besonders in engen Wohnverhältnissen bestand die einzige Rettung in der gegenseitigen nachbarschaftlichen Hilfe.

UNO-Statistiken zeigen, dass weltweit zwei Drittel der menschlichen Arbeit von Frauen geleistet werden – trotzdem verfügen sie über weniger Geld als Männer.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit wäre eigentlich selbstverständlich. Innerhalb der Kleinfamilie egalitäre Einkommensverhältnisse zu schaffen, ist aber nur möglich, wenn bezahlte und unbezahlte Arbeit zwischen Mann und Frau hälftig aufgeteilt werden. Dies bedingt den Abschied von der Ernährerrolle des Mannes, die bis vor kurzem zu seinem Selbstverständnis gehörte. Im Zeichen der vierten industriellen Revolution mit der Roboterisierung und der Digitalisierung unserer Wirtschaft steht das bedingungslose Grundeinkommen für alle zur Diskussion. Dies halte ich nur unter zwei Bedingungen für wünschenswert: Erstens setzt es eine egalitäre Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern voraus, damit das Grundeinkommen der Frau nicht als Abgeltung für ihre Haushalts­ und Betreuungsarbeit missverstanden wird, während sich der Mann nach wie vor außerhäuslichen Aufgaben zuwenden kann.

Zweitens ist der Verlust von Arbeitsplätzen nicht einfach durch Geld zu ersetzen. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern braucht das Wirken in der Gemeinschaft und die Anerkennung, die er daraus bezieht. Betätigungsfelder im sozialen und ökologischen Bereich gäbe es ja immer noch genügend, doch müssten sie gemeinschaftlich organisiert werden und nicht der individuellen Initiative überlassen bleiben.

Als Psychotherapeutin haben Sie auch Männer therapeutisch begleitet. Woran leiden Männer in diesem System?
Nach meiner Erfahrung leiden Männer einerseits an Konflikten mit Vorgesetzten oder bei drohendem Stellenverlust; andererseits an Schwierigkeiten in der Beziehung, die sie allerdings oft zu spät bewusst wahrnehmen. Ich erinnere mich zudem an moralische Bedenken, denen junge Angestellte ausgesetzt waren. So an einen im Baugeschäft arbeitenden Maler, der es als demütigend empfand, schludrige Arbeit leisten zu müssen, um Zeit zu sparen. Oder an einen Verkäufer, von dem man verlangte, Preisschilder für den Ausverkauf durch willkürliche Erhöhung des Originalpreises zu manipulieren, um die Reduktion größer erscheinen zu lassen. Mit solchen grundsätzlichen Zweifeln am System werden auch Männer allein gelassen.

Sie schreiben in Ihrem Buch „Ursprünge und Befreiungen“ über die Revolution der Väter, die sich heute mit ihren Kindern deutlich mehr abgeben, als es ihre eigenen Väter gemacht haben. Wenn es aber darauf ankommt, ordnen diese modernen Väter ihre Kinder der Arbeit unter.
Es kommt immer wieder vor, dass Männer ihren Vaterschaftsurlaub nur bedingt wahrnehmen oder sich den häuslichen Betreuungsaufgaben durch Flucht in den Beruf entziehen. Eigentlich könnte dies aufzeigen, wie aufreibend Kinderbetreuung für eine Einzelperson im isolierten Kleinfamilienmodell tatsächlich ist, und zwar für Väter ebenso wie für Mütter. Nur wird von Frauen wie selbstverständlich unendliche Geduld unter Verzicht eigener Interessen erwartet. Eine Entlastung für beide Eltern wäre eine kinderfreundliche Umgebung, gutnachbarschaftliche Beziehungen zu anderen Familien mit Kleinkindern und die Möglichkeit, die Kita­-Betreuung zu beanspruchen.

Was trennt die beiden Geschlechter? Warum kämpfen sie nicht für die gleichen Ziele?
Tatsächlich wurden seit der Errichtung des Patriarchats gegen Ende der sogenannten Neolithischen Revolution – sesshafte Ackerbaukulturen mit großem Bevölkerungswachstum – vor ungefähr 5.000 Jahren die Lebensziele für beide Geschlechter unterschiedlich festgelegt. Der Mann erlebte sich ja in der Frühzeit der Menschheit als das zweite, nicht gebärfähige Geschlecht. Nur wurde dies in den langen Phasen des Daseins als Sammlerinnen und Jäger durch den Zusammenhalt der Männer auf der Jagd und bei Jagdritualen ausgeglichen. Erst als der Mann seine Selbstidentität als Jäger verlor, suchte und fand er neue, ihm vorbehaltene Betätigungsfelder: im Bergbau und in der Metallverarbeitung. Waren die Frauen als Entdeckerinnen der Pflanzenzucht zunächst führend im Garten­ und Ackerbau, so erwarben sich Männer eine bedeutende Stellung als Pflugführer und später als Verteidiger der Gruppe auf den ersten großen Wanderungen. Schließlich kam es seit der Bronzezeit zu Eroberungskriegen aufgrund der neuen Waffentechnik und damit zu einem Kriegeradel und dessen Herrschaftsanspruch. Es dauerte aber noch Jahrhunderte, bis die ursprüngliche Verehrung weiblicher Gottheiten durch männliche Kriegs­ und Schöpfergötter ersetzt wurde. Es entstand eine Klassengesellschaft, bei der Frauen als zweitrangig galten: von der Abstufung der Gattin eines hochrangigen Mannes bis hinunter zur Sklavin unter den Besiegten. Die antike Philosophie kanonisierte schließlich diese angeblich natürlichen oder gottgewollten Geschlechtszuordnungen, die bis heute in konservativen Kreisen unvergessen sind: die schwache, anlehnungsbedürftige Frau gegenüber dem starken, energischen Mann; die emotional/e Hingebungsvolle gegenüber dem rationalen, den Fortschritt schaffenden Mann. Um die ideologischen Konstruktionen des Patriarchats aufzulösen, bedarf es mehr als einer Generation. Auf die erste und zweite Frauenbewegung muss eine gemeinsame Frauen­ und Männerbewegung folgen, welche die narzisstischen Fehldefinitionen der patriarchalen Denkmuster entlarvt. Leider entzieht sich die gegenwärtige universitäre Genderforschung einer prinzipiellen Patriarchatskritik, indem sie sich einseitig auf Minderheiten konzentriert und damit die Geschlechterproblematik individualisiert beziehungsweise privatisiert.

Kaum jemand mehr fragt nach dem Sinn von nützlicher Arbeit, eher stellen wir beispielsweise überzuckerte Nahrungsmittel her oder produzieren neue Waffen. Wie können wir in einer solchen Welt trotzdem ein würdevolles Leben leben – und eine gute Zukunft für die Nachkommen schaffen?
Damit stellen Sie die sehr grundsätzliche Frage: Gibt es ein richtiges Leben im falschen (System)? Gegenwärtig spitzt sich das Problem zwar zu, es existiert jedoch schon sehr lange. Im historischen Rückblick stoßen wir auf eine ganze Reihe inhumaner Systeme fundamentalistischer, rassistischer oder frauendiskriminierender Art. Dennoch gelang es integren Menschen zu allen Zeiten, ein würdiges Leben zu führen, wenn auch im Schatten der Herrschaft. Die Voraussetzung dafür war und ist, persönliches Prestige und die Anhäufung von Reichtum für unwesentlich zu halten und sich ganz einer guten Sache zu verschreiben. In heutigen Rechtsstaaten riskieren wir nicht mehr unser Leben, wenn wir gegen den Strom schwimmen. Aber es bedarf der ständigen Aufmerksamkeit, um auch die ungewollte Unterstützung von lebensfeindlichen und korrupten Tendenzen zu vermeiden. Und dies sowohl in der Erwerbstätigkeit als auch in unserem Konsumverhalten. Wahrscheinlich gehört eine Prise Resignation zu der Einsicht, dass wir als Individuen nur wenig zur Veränderung eines falschen Systems beitragen können. Aber das schließt nicht aus, einen Lebenssinn darin zu sehen, es mit aller Kraft zu versuchen.

Der Kapitalismus und das Patriarchat verhindern, dass Frauen und Männer ein gleichberechtigtes Leben führen können. Weshalb wird das in der Öffentlichkeit nicht benannt – und diskutiert?
Der fortgeschrittene, neoliberale Kapitalismus schafft sich Monopole der Meinungsbildung und verhindert damit die öffentliche Diskussion. Wenn immer mehr Zeitungen in die Hände von Kreisen geraten, die dem Finanzkapitalismus nahe stehen, und auch in anderen Medien der freie und verantwortungsbewusste Journalismus an Boden verliert, ist es nicht verwunderlich, wenn systemkritische Stimmen nur selten zu Wort kommen. Aber die gibt es, und zwar in bemerkenswerter Zahl: hochqualifizierte Autorinnen und Autoren, die sich mit den negativen Folgen unserer Wirtschafts­ und Gesellschaftspolitik auseinandersetzen und sehr konkrete Maßnahmen für eine positive Wende vorschlagen. Nur steht keine finanzkräftige Lobby hinter ihnen. Wir haben nur eine Chance, wenn wir, die schweigende Mehrheit, uns zu Wort melden.

Sie sind über 90 Jahre alt – und nehmen mit Ihren Schriften nach wie vor Anteil am gesellschaftlichen Leben. Wie haben Sie es geschafft, trotz Ihres scharfen Blicks guten Mutes zu bleiben?
Ich setze meine Zukunftshoffnungen auf zwei ganz unterschiedliche Tendenzen: Auf theoretischer Ebene tritt eine neue Generation von Hoch
schullehrerInnen in den Wirtschafts­ und Sozialwissenschaften an, die entschieden gegen das alte Dogma des absolut freien Marktes argumentieren. Nun hören die Studierenden endlich von den Fehleinschätzungen einer liberalen Wirtschaftstheorie, die den Wohlstand für alle versprach und in Wirklichkeit die Schere zwischen Reich und Arm sich immer weiter öffnen ließ. An die Stelle von notorischer Skepsis gegenüber dem Staat tritt die Forderung staatlicher Rahmenbedingungen für Banken und Konzerne, um das immer weniger durchschaubare Finanzsystem in den Dienst der Gesellschaft zu stellen. Seit der Finanzkrise 2008 und der gegenwärtigen Corona­Krise ist dies offensichtlicher denn je. Siehe auch Elinor Ostrom, die 2009 den Nobelpreis für ihre Forschungen über Gemeinschaftsgüter und kooperatives Wirtschaften erhielt. Damit erfährt die Genossenschaftsidee in ihren vielfältigen Formen eine Renaissance.

Auf der konkret menschlichen Ebene begrüße ich die Abkehr vom alten Macho-­Ideal und das Entstehen eines neuen Männerbildes, wie es Neue Väter vorleben. Der Biologe Adolf Portmann hat die elf Monate, die das Menschenbaby gegenüber seinen Tierverwandten im Rückstand ist, die „extrauterine Tragzeit“ genannt. Sie kann vom Vater ebenso wahrgenommen werden wie von der Mutter. Selbst „Lebensträger“ zu sein, kann für den Mann das Gefühl des Ausgeschlossenseins aus dem Prozess des werdenden Lebens aufheben und zugleich eine breitere Basis für seine Selbstidentifikation schaffen. Für die Kinder besteht der wesentliche Vorteil darin, dass sie sich mit Mutter und Vater emotional identifizieren können und damit Mädchen und Knaben eine selbstverständliche Identitätsfigur besitzen.

Aber das ist ja (noch?) nicht Realität.
Es ist eine Frage der kritischen Masse, bis die Neuen Väter familiengerechte Arbeitszeiten politisch durchsetzen können. Ihre grundsätzliche Perspektive wäre dann, in wieweit die Wirtschaft ihrer eigentlichen Aufgabe entspricht, physische und psychische Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen, statt immer neue Konsumbedürfnisse künstlich zu schaffen.

Das Gespräch – hier in Auszügen – führte die  Journalistin Sibylle  Stillhart. Ungekürzt nachzulesen in deren Buch „Schluss mit  gratis! Frauen zwischen Lohn und Arbeit“ (Limmat).

 

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Gefahr für Gleichberechtigung?

Durch die Corona-Krise: Zurück in das Rollenmodell der 50er Jahre?
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Feminismus? Echt jetzt? Das ist doch wohl - in Zeiten von Corona - nicht das Thema? Doch ist es! Denn eine Epidemie (und wir haben ja sogar eine Pandemie) vergrößert so ziemlich alle Ungleichheiten, die es gibt. Die nach Geschlecht am deutlichsten. Jede sozioökonomische Krise trifft die, die am wenigsten haben, am härtesten. Das sind weltweit in allen Gruppen noch immer die Frauen. Seit der Finanzkrise prostituieren sich beispielsweise Frauen in Griechenland für sieben Euro pro Stunde.

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Ebola, SARS, die Schweine- und die Vogelgrippe hatten - global gesehen - langanhaltende Auswirkungen auf die Gleichberechtigung der Geschlechter, wie Studien belegen. Je ärmer das Land, desto andauernder. In Afrika stieg während und nach Ebola die Mütter- und Säuglingssterblichkeit rasant an, die Bildung von Mädchen fiel weit zurück – sie wurden zuhause gebraucht, durften nicht zur Schule gehen. In allen von diesen Seuchen betroffenen Ländern kehrten Männer schneller auf ihr Gehaltslevel zurück und hatten bessere Zukunftsperspektiven.

Wer wird seinen Job für die Betreuung opfern?

Dieses Prinzip zeigt sich auch in Corona-Zeiten. Jetzt, wo die bezahlten Frauenberufe (Lehrerinnen, häusliche Pflegerinnen, Betreuerinnen) auf Eis gelegt sind, springen Frauen unbezahlt ein. Sie stecken im Beruf zurück, einer muss sich ja kümmern - und einer muss ja den Schinken nach Hause bringen.

Viele Familien rutschen so gerade in Rollenmuster aus Zeiten vor der Frauenbewegung. War bislang bei einem Zwei-Verdiener-Paar die Betreuung ausgelagert, bricht diese nun weg. Wenn ein Job für die Betreuung der Kinder geopfert werden muss, dürfen wir dreimal raten, wessen Job es sein wird. Noch immer verdienen Männer 21 Prozent mehr Geld, arbeiten zu 90 Prozent in Vollzeit. Jede dritte Frau in Deutschland aber arbeitet in Teilzeit (in Westdeutschland 46 Prozent, in Ostdeutschland 27 Prozent). Das gleiche Prinzip gilt, wenn ältere Menschen, die sich von Corona erholen, gepflegt werden müssen. Wer wird sie wohl pflegen? Und wer macht gerade den Haushalt? Wer macht mit den Kindern die Schulaufgaben, hält sie bei Laune?

Am härtesten trifft es die Alleinerziehenden, und das sind zu über 90 Prozent Frauen. Auch ohne Corona sind sie die Gruppe, die am stärksten von Armut betroffen ist und das größte Risiko läuft, in die Altersarmut abzurutschen. Corona verschärft ihre ohnehin schon brenzlige Situation.

Es fängt ja schon mit der Job-Aufteilung an. Homeoffice können natürlich all jene leichter machen, die nur die Räume, also das Office wechseln müssen. Den Großteil aller Schreibtischjobs machen Männer. Frauen aber arbeiten größtenteils in Berufen mit Menschen. Festangestellte sind noch relativ gut geschützt vor Arbeitslosigkeit. Zwei Drittel aller – leicht kündbaren - Minijobs werden aber von Frauen gemacht. Millionen von Frauen werden durch die Coronakrise ihren Job verlieren.

Millionen Frauen werden ihren Job verlieren

Und sich zu isolieren fällt in einem großen Haus natürlich leichter als in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Die steigende Männergewalt ist ein trauriger Beleg dafür. In Wuhan verdreifachte sich während der Quarantäne-Maßnahmen die Gewalt gegen Frauen und Kinder, auch in Deutschland schlagen die Frauenhäuser Alarm (EMMA berichtet). Lehrerinnen von Brennpunktschulen sorgen sich um das Wohlergehen ihrer SchülerInnen. Für Hunderttausende Kinder ist die Schule das einzig geregelte Leben, das sie haben. Selbst krank gingen sie bislang lieber zur Schule als es zuhause auszuhalten. Für sie und ihre Mütter ist Corona ein einziger Alptraum. Vor dem Täter im eigenen Haus gibt es kein Entfliehen.

Dass Männergewalt kein „Corona-Thema“ in der aktuellen politischen Diskussion ist - obwohl Frauenhäuser und Frauenorganisationen Alarm schlagen -, zeigt, welchen Stellenwert Themen der Gleichberechtigung in Zukunft haben werden. Die Unabhängigkeit von Frauen geht gerade flöten. Geräuschlos. Das darf nicht passieren: Geschlechtergerechtigkeit muss zum Thema gemacht werden! Gerade jetzt: Es lebe der Feminismus!

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