Toronto: Incels und ihr Frauenhass

Alek Minassian, der Attentäter von Toronto, 2011 in einem Jahrbuch seiner Schule.
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Am Montag, den 23. April 2018, lenkte Alek Minassian einen weißen Kleintransporter auf die Gehsteige der Innenstadt von Toronto. Auf einer Länge von 2,2 Kilometern überfuhr er Passanten und zielte dabei vor allem auf Frauen. Zehn Menschen wurden getötet, 15 weitere verletzt. Bevor er losfuhr, schrieb er auf Facebook seinen letzten Post:

Schon Eliott Roger erklärte Frauen den Krieg

„The incel rebellion has already begun! We will overthrow all the Chads and Stacys! All hail the Supreme Gentleman Elliot Rodger!“ zu Deutsch: „Die Rebellion der unfreiwillig Zölibatären hat begonnen. Wir werden die Chads und Stacys niederringen. Heil dem überlegenen Gentleman Eliott Rodger!« Eine wirre, von Frauenhass triefende Nachricht, die einen Frauenmörder zum Helden erhebt.

Eliott Rodger hatte im Mai 2014 in Santa Barbara auf dem Unigelände sechs Menschen getötet – zunächst seine Mitbewohner und dann wahllos Studentinnen. In einem Manifest hatte er erklärt, in einen „Krieg gegen Frauen“ zu ziehen, weil diese „ihm Sex vorenthalten hätten“. Der 23-jährige Rodger hatte sich als „Incel“ verstanden, genau wie der 25-jährige Alek Minassian.

Wer aber sind diese Incels?

„Incel“ ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus dem Englischen „Involuntary“ und „Celibate“ – zu Deutsch: „unfreiwillig zölibatär.“ Incels treffen sich im Internet, zum Beispiel auf der Plattform Reddit, auf der man anonym alles Mögliche posten und sich austauschen kann. Dort sprechen sie über »Stacys«, also attraktive Frauen, und »Chads«: Männer, die bei Frauen gut ankommen. Incels fühlen sich gekränkt und zurückgewiesen von Frauen und glauben – auch aufgrund intensiven Pornokonsums – sie hätten ein Anrecht auf Frauen. Da diese aber oberflächlich seien und deshalb nur auf muskelbepackte Erfolgstypen ständen, hätten sie bei ihnen keine Chance.

Das Motiv der Incels: ihr gekränktes Ego

Incels sind eine heterogene Gruppe, dennoch zeigen sich übereinstimmende Merkmale: Sie sind technikaffin und arbeiten oft in der IT-Branche. Ihre sozialen Kontakte sind gestört, oft leben sie noch bei ihren Müttern. Sie attackieren Frauen aus der feigen Anonymität des Internets und feuern sich gegenseitig zu Gewalttaten an, die sie dann gemeinsam feiern, etwa, wenn es einem von ihnen gelungen ist, Frauen Angst zu machen oder sie sogar zu verletzen. Zwar sind Incels vor allem englischsprachig organisiert, doch in den Diskussionssträngen finden sich zahlreiche deutschsprachige Nutzer.

In den Medien wird – wie bereits bei Elliot Rodger – das Bild des armen, bemitleidenswerten „guten Kerls“ befördert, der bei den oberflächlichen Frauen nicht landen kann. Auf diese Weise werden die entsetzlichen Bluttaten dieser Mörder nicht nur relativiert - den Frauen wird sogar noch eine Mitschuld daran gegeben.

Zwischen Incels und Pick-Up-Artists gibt es zahlreiche Verbindungen. Gemeinsames Merkmal ist ihr Frauenhass. Während Pick-Up-Artists Frauen zu Objekten degradieren, die es möglichst manipulativ zum Sex zu bringen gilt, ist der Hass, den Incels auf Frauen haben, noch viel intensiver. Auf Reddit tauchen immer wieder frauenverachtende und gewaltverherrlichende Postings auf. Sie beschreiben, wie sie Frauen und Mädchen nachstellen und stalken und ihre Angst genießen. Sie beschimpfen Frauen und fantasieren von brutalen Vergewaltigungen. Das Motiv dahinter: ihr gekränktes Ego.

Die Incels hoffen: Die Opfer sind hübsche Frauen

Bereits 2014, nach den Isla Vista Morden, bei denen Elliot Rodgers zuvor in einem Youtube-Video von seinem Frauenhass fantasierte, rückten die Incels in den Fokus des Interesses. Auf Reddit gibt es inzwischen zahlreiche Diskussionsstränge, auf denen Incels ihren Frauenhass und ihre Gewaltfantasien zelebrieren. Allerdings ist Reddit, sonst vor allem für seine Zensurfreiheit bekannt, seit einiger Zeit dabei, diese Stränge zu schließen. Erst Ende letzten Jahres schloss Reddit ein vor Frauenhass triefendes „Subreddit“ von Incels mit mehr als 40.000 Teilnehmern.

Trotzdem gibt es für die Incels genug Möglichkeiten, sich auszutauschen. Bereits kurz nach dem Massaker fanden sich auf Reddit zahlreiche Posts bekennender Incels, die Alek Minassian als „Helden“ und „Heiligen“ feiern. Einige der Postenden schreiben, dass sie hofften, es handele sich bei den Opfern vor allem um junge, gutaussehende „Cunts“ – das englische Wort für „Fotze“. Häufig werden diese Postings schnell gelöscht, doch das kritische Subreddit »IncelTears« sammelt Screenshots der Äußerungen und dokumentiert damit das ganze Ausmaß des Frauenhasses.

Sie sehen Sex als die Bringschuld der Frauen

Ein bezeichnendes Merkmal der „Incels“ ist, dass sie sich selbst als Opfer betrachten. In einer oberflächlichen, auf das Äußere bedachten Gesellschaft kämen sie nicht zum Zug bei Frauen. Gerne geben sich Incels so, als seien sie die »netten Kerle«, die auf der Suche nach romantischer Liebe seien, aber in der oberflächlichen Wahrnehmung der Frauen durch ein Raster fielen. In Wirklichkeit zeigt sich in ihren Postings knallharter Frauenhass. So schreiben sie etwa von ihrer unfreiwilligen Jungfräulichkeit und erhalten dann Tipps, wie es ihnen gelingen kann, eine Frau zum Sex zu manipulieren oder sogar mit Gewalt zu zwingen. Dahinter steckt die Auffassung, dass Frauen Männern Sex »schuldig« seien.

Schon jetzt gibt es die ersten Interviews mit amerikanischen Forschern, die den Hass in diesen Foren relativieren. Dort ginge es nur um Austausch und Selbsthilfe. Doch selbst ein oberflächlicher Blick in diese Foren zeigt, wie oft dort zu Gewalt gegen Frauen aufgerufen wird.

Eine Zielscheibe des Hasses der Incels sind Feministinnen. Ihnen geben sie die Schuld daran, dass Frauen über sich, ihre Sexualität und ihr Leben selbst bestimmen. Ohne Feminismus, so die Incel-Logik, hätten Frauen gar keine andere Wahl, als auch sie, die Incels, als potenzielle Partner zu betrachten.

Incels: Frauen verdienen Vergewaltigung

Incels sind nicht einfach ein paar traurige, picklige Jungs vor dem Computer, sondern, das zeigen die Attentate von Isla Vista und Toronto, potenzielle Terroristen, die nicht im Namen der Religion, sondern des Frauenhasses agieren. Es geht ihnen nicht um Liebe, sondern um Sex und Dominanz. Sie degradieren Frauen, weil diese es angeblich mit jedem treiben, der Muskeln oder Geld hat, nur mit den hässlichen Incels nicht, und die es deshalb nicht anders verdienen, als gestalkt, vergewaltigt oder online belästigt zu werden. Die Lobeshymnen, die in den Incel-Gruppen erst auf Elliot Rodger und nun auf Alek Minassian gesungen werden, lassen befürchten, dass ihre Taten zum Vorbild für andere werden. Das Ziel: Angst und Schrecken unter Frauen zu verbreiten und sie für ihre Selbstbestimmung zu bestrafen.

Wie immer, wenn Terrorismus versucht, Menschen in ihrer Freiheit einzuschränken, ist es wichtig, zusammenzustehen und Solidarität zu zeigen. Unsere Gesellschaft hat Frauenhass weithin akzeptiert und toleriert sogar Hassrede, wie die aktuelle Debatte um die Rapper Kollegah und Farid Bang zeigt. Die Sensibilisierung für Frauenhass muss gestärkt und diesem entschlossen entgegengetreten werden. Das Attentat aus Toronto zeigt auf furchtbare Weise: Aus Worten werden Taten. Das gilt auch und vor allem, wenn sich diese Worte gegen Frauen richten.

 

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Frauenhass betrifft #YesAllWomen

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“Morgen ist der Tag, an dem ich meine Rache an der Menschheit verüben werde. Seit ich in der Pubertät bin, bin ich gezwungen in Einsamkeit, Ablehnung und unerfülltem Begehren zu leben. Mädchen haben mit anderen Männern geschlafen oder sie geliebt, aber ich ging leer aus. Ich bin 22 Jahre alt und noch immer Jungfrau. Ihr Mädchen habt euch nicht für mich interessiert. Ich weiß nicht, warum. Ich werde euch alle dafür bestrafen.“

So hat es Elliott Rodger aus Santa Barbara in seinem Abschieds-„Manifest“ verkündet. Inzwischen hat er seine Drohung wahrgemacht. Am Freitagabend hat der 22-jährige Student und Sohn des Hollywood-Regisseurs Peter Rodgers sechs Menschen – drei Frauen und drei Männer – getötet und 13 weitere verletzt.

Zunächst erstach er drei Kommilitonen in seiner Wohnung, dann ging er zum „Alpha Phi“-Studentinnenwohnheim und erschoss zwei Frauen und verletzte eine dritte. Danach schoss er aus seinem Auto „auf all die beliebten Kids“, die immer auf ihn herabgeschaut hätten.

An seinem Motiv hatte Rodger keinen Zweifel gelassen. „Ich bin der perfekte Mann, und ihr werft euch trotzdem diesen ganzen anderen dämlichen Typen an den Hals. Am Tag meiner Rache werde ich ins Gebäude der schärfsten Studentinnenverbindungen meiner Uni gehen, und ich werde jede einzelne blonde, verwöhnte Schlampe abschlachten, die ich dort sehe.“

Es ist nicht der erste Amoklauf mit dem Motiv Frauenhass. Aber es ist der erste, bei dem dieses Motiv nicht entweder unter den Teppich gekehrt oder als Randaspekt behandelt wird. Unter #YesAllWomen twittern jetzt Frauen (und Männer) aus aller Welt darüber, was bis dato stets unerwähnt blieb: Dass das Thema Geschlecht bei fast allen Amokläufen eine entscheidende Rolle spielt.

„Ich will die Frauen!“ hatte Marc Lépine gebrüllt, als er am 6. Dezember 1989 die Polytechnische Hochschule von Montréal stürmte und 14 Frauen erschoss. In mehreren Räumen der Uni hatte der 25-Jährige die Studentinnen von den Studenten getrennt und dann gezielt die Frauen ermordet. „Ich hasse Feministinnen!“ hatte der beruflich gescheiterte Sohn eines algerischen Vaters und einer kanadischen Mutter gerufen.

Im Herbst 2006 überfiel je ein Mann eine Amish-Schule in Pennsylvania und eine weitere in Colorado. Beide Male trennte der Täter die Mädchen von den Jungen und brachte sechs Mädchen um und verletzte fünf weitere. Aber: „Die breite Berichterstattung in den Medien hielt die Tatsache, dass nur Mädchen angegriffen wurden, für kaum erwähnenswert. Stellen wir uns nur einmal vor, der Killer wäre in eine Schule marschiert und hätte die Kinder nach Rasse oder Religion aufgeteilt“, schrieb damals der schwarze New York Times-Kolumnist Bob Herbert in EMMA. „Der Angriff wäre als das verurteilt worden, was er wirklich war: ein Hassverbrechen.“ (Hate Crime)

Als am 11. März 2009 der 17-jährige Tim K. in Winnenden in seiner ehemaligen Schule Amok läuft und dort elf von zwölf seiner Opfer, die er mit gezielten Kopfschüssen hinrichtet, Mädchen sind, erwähnen die Medien das ebenfalls mit keinem Wort. Als EMMA die Frage aufwirft, ob es sich auch hier um das Motiv Frauenhass gehandelt haben könnte, erntet sie nur Ignoranz und Häme.

Es ist, als säßen wir im Bauch eines Walfisches. Mittendrin, da, wo der gewaltige Fisch selbst nicht zu sehen ist, sondern nur eine diffuse Undurchdringlichkeit“, schreibt Alice Schwarzer. „Anders lässt es sich nicht erklären, dass ein Amokläufer in einer Schule gezielt zwölf Menschen töten kann, von denen elf weiblich sind und der zwölfte als ‚Frauenversteher’ gilt, aber niemand es sieht. Und was das vollends Beklemmende ist: Nicht nur die Medien wollen es nicht wahrhaben – auch die Polizei und die ermittelnde Staatsanwaltschaft schließt fest die Augen.“

Am 22. Juli 2011 ermordet Anders Breivik in Oslo und auf der Insel Utoya 77 Menschen. In einem 1500-seitigen Manifest hatte Breivik unter anderem erklärt, das er das „Patriarchat wiedererrichten“ will. Denn: „Das Erstarken des Feminismus bedeutet das Ende der Nation und das Ende des Westens.“ Breivik erklärt der „Verweiblichung“ der westlichen Männer und der „Wahlfreiheit der Frauen“ den Krieg. Aber davon ist in den Medien kaum die Rede.

„Über den Fremdenhass von Massenmörder Breivik haben wir viel gelesen – aber auffallend wenig über sein Lieblingsthema: die Frauen“, schreibt EMMA.

Nach seinem Amoklauf am Freitag hat Elliott Rodger sein Motiv so unmissverständlich benannt, dass selbst die Medien nicht mehr wegsehen konnten. Und auch die Frauen schauen nun endlich hin und machen die Kultur der Gewalt gegen Frauen zum Thema, die den Boden für solche Attentäter bereitet. #Yesallwomen ist die Antwort auf den Hashtag #Notallmen: Es seien schließlich nicht alle Männer Gewalttäter. Soraya Chemaly entgegnet: „#notallmen practice violence against women but #YesAllWomen live with the threat of male violence. Every. Single. Day. All over the world.“

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Kommentare

Weder XX noch XY sind degeneriert. Aber das Patriarchat hat die Schwächen von XY glorifiziert, während es die Schwächen von XX stigmatisiert hat. Um die Sache rund zu machen wurden die Stärken von XX gleichfalls abgewertet. Und das ist tatsächlich Wahnsinn.

@ Kalimohan @CIm
Ich denke, dass man/frau dem Kampf gegen das Patriarchat keinen guten Dienst erweist, wenn man XY als degeneriert bezeichnet. Es ist eher die Sichtweise und Definition von Männlichkeit, die hinterfragt werden muss. Nehmen wir das einzige gesicherte wesentliche Unterscheidungsmerkmal: Die Hormone. Viele Frauen merken, dass sie sich vor der Menstruation ein wenig empfindlicher und labiler fühlen. Eine vernünftige Erziehung rät ihnen, das bewusst wahr zu nehmen und selbst für Ausgleich zu sorgen. Niemand kommt auf die Idee, die Frauen zu ermutigen, ihre Stimmungsschwankungen an ihrer Umwelt auszulassen oder sonst wie zu zelebrieren . In einer männlich dominierten Umgebung werden sie sich von selbst davor hüten, da sie sonst dafür sanktioniert würden. Wie anders ist da der Umgang mit männlicher Aggression. Deren zur Schau Stellung wird zelebriert, weil ach so grundmenschlich arterhaltend männlich. Und selbst Grenzüberschreitungen werden eher entschuldigt.

Profilfoto von Kalimohan

@CIm: Das Patriarchat gibt es erst seit einer relativ kurzen Zeit der Menschheitsgeschichte. Alles weist darauf hin, dass in den Matriarchaten davor alles anders war und die Frau alleine Leben schaffen und nehmen kann. Alles im Einklang mit der Natur und nicht gegen sie. Das macht auch alles Sinn, wie eben eine intelligente Species sich nicht selbst vernichtet. Deshalb muss es auch möglich sein, den patriarchalen Wahnsinn wieder aus den Köpfen der Menschen zu bekommen. Vielleicht dauert es wieder sehr lange; vielleicht auch nicht. Aber Frauen sind grundsätzlich stark und biologisch überlegen. Ein XX-Chromosomenpaar repräsentiert den Menschen, während das XY (Hall of Mirrors) eine degenerierende Mutation ist.
Die Frage ist nur, ob der Menschheit noch genug Zeit bleibt wieder auf "Matriarchat" umzustellen, denn die Männer der letzten paar tausend Jahre haben den ganzen Planeten bereits bis kurz vor die Zerstörung allen Lebens gebracht.

Mir gefällt Ihr Kommentar. Ich kann in komplett unterschreiben. Hier habe ich einen interessanten Artikel gefunden. Zwei Zitate daraus:
"Ich bezeichne Matriarchate als Gesellschaften in Balance. Ihre Muster zeigen deutlich, dass sie von einer Egalität der Geschlechter ausgehen, dass also beide Geschlechter gleichwertig sind."
"Matriarchate werden ja meist mit Frauenherrschaft verwechselt. Das ist aber völliger Unfug."
https://www.n-tv.de/wissen/Frauenherrschaft-Das-ist-Unfug--article397451...

Und schon wieder benutzen Sie eine Sprache, die man als extrem bezeichnen muss. Was meinen Sie mit "ins Nirwana befördern"? Wie soll ich Sympathie für Ihre Position empfinden, wenn es klingt als wollten Sie Feuer mit Feuer bekämpfen? Und wir leben nicht im Saudi-Arabien des Jahres 1585 sondern in Deutschland des Jahres 2018. Mit Sicherheit gibt es auf dem Weg zur vollen Gleichberechtigung der Geschlechter noch viel zu tun, aber Sie sollten die Fortschritte, die gemacht wurden und werden anerkennen. Und nein, damit sage ich nicht "es ist alles in Ordnung, was wollen die Frauen eigentlich?", sondern genau das, was ich geschrieben habe. Gesellschaftliche Veränderungen ohne Blutvergießen schafft man nun mal nicht mit der Brechstange. Und Ihre Kommentare klingen mir zu sehr nach Brechstange.

Profilfoto von CIm

Männer sind Männer und bleiben Männer. Daran wird Frau nie was ändern können. Das Patriarchat funktioniert tatsächlich wie ein "StehAufMännchen", das seine Interessen importiert und exportiert, ausbaut nach Lust und Laune, die Orte wechselt: die Einen gehn unter u. woanders stehen andere Herrschermännchen wieder auf; und eher stirbt das natürlich-biologische Geschlecht aus der menschl. Natur aus, als der Wahnsinnsgeist gerichtet auf Naturbeherrschung, trotz Untergangsszenarien und globaler Umweltvernichtung, denn das Eine bedingt das Andere. Als Frauen sind ma einfach zu schwach und abhängig *von*, um daran grundsätzlich was zu ändern. Wir sind Mittäterinnen auf quasi jedem Niveau und lassen diese Zombies mitaufstehen in uns und mit uns.

Profilfoto von Kalimohan

@Lumina: So sehe ich das auch!
@ModernTimes: Die Geister des Patriarchats feiern wie Zombies Wiederauferstehung, da sie nie zur ewigen Ruhe gebettet wurden, sondern stattdessen nur immer wieder ein bisschen "entschärft" werden. Es wird mehr über diese Zombies gesprochen, deren vielleicht unschöne Kindheit erklärt, psychologisiert und diskutiert, anstatt sie ins Nirvana zu befördern, wo sie hin gehören. Erst wenn es nicht mehr primär darum geht, das Patriarchat weniger grausam und für Frauen verträglicher zu machen, sondern es komplett zu eliminieren, wird sich grundlegend etwas ändern.

Dass Gleichberechtigung am Papier und als lauer mainstream Konsens allein nicht taugt, um Frauenfeindlichkeit zum Verschwinden zu bringen ist mir klar. Aber warum sollte ich als Frau mir etwas anderes als einen gerechten/gleichen Anteil wünschen? Nicht weil ich "nett" bin, sondern weil es ganz einfach nicht meinen Vorstellungen entspricht. An matriarchalen Kulturen finde ich faszinierend, dass sie zeigen wie anders Gesellschaft organisiert sein kann. Allerdings legen auch sie die Rollen der Geschlechter ziemlich fix fest. Auf die Befreiung von solchen Vorgaben, die uns der moderne Feminismus beschert hat, wollte ich aber nicht verzichten. Allerdings beschleicht mich immer mehr das Gefühl, dass die Geister des Patriarchats wie Zombies Wiederauferstehung feiern - was mich ziemlich bestürzt und auch in ideologischer Hinsicht ratlos macht.

Profilfoto von Kalimohan

@benutzERfrank: Seitdem wir alle im patriarchalen Wahnsinn leben müssen, haben Männer ihre Privilegien. Und sie halten - auch heute und noch immer - daran fest, ohne irgendwelche Rücksicht auf Frauen, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Ausgleich. Frauen/Feministinnen nehmen bereits präventiv auf Männer Rücksicht und achten genau darauf, dass sie kein Stück über die Linie der Gleichberechtigung hinaus gehen. Schön, aber nicht alle Frauen sind so nett. Ich auch nicht, weil ich die Männer kenne. Mir ist es deshalb egal, ob Männer zurückstehen müssen; Hauptsache die Frauen "kommen nach oben" (wie du schreibst). Dabei sollte es keine Tabus und Denkverbote mehr geben. Wenn ich Feministinnen (als Ally) unterstütze, liegt mein Focus bei den Frauen und nicht bei den Männern. Letztere stehen im Patriarchat sowieso immer im Focus.

Leider ist es aber oft noch ganz anders; Zuhälter werden als Gäste und "normale" Unternehmer in Talkshows eingeladen; für Incels hat man(n) in einigen Kommentarspalten irgendwie doch ein bisschen Verständnis; Rap-Texte mit brutalst gewalttätigem, frauenfeindlichem Inhalt ("..ich fick sie bis ihr Steißbein bricht", etc., siehe Artikel "Und der Sexismus?") gehören einfach dazu und sind außer unter Feministinnen nicht mal eine Erwähnung oder gar öffentlichen Protest dagegen wert. DAS sollte aufhören. Diese Positionen müssten ihre gesellschaftliche Existenzberechtigung verlieren und ihre VertrerInnen viel deutlicher signalisiert bekommen, dass sie weit außerhalb des akzeptablen Rahmens stehen. In dem betreffenden Referenzsystem ist "Männerfreundlichkeit" oft gleich "Frauenfeindlichkeit'. Denn was hier als männerfreundlich verkauft wird ist oft zutiefst misogyn und antifeministisch: Prostitution als normale Dienstleistung, Rücknahme von Mütterrechten, etc. etc...

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