Ablenkungsmanöver II: Serientipps

Esther, genannt Esty, wird gleich ihre Perücke in den Wannsee werfen.
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„Unorthodox“ Es ist eine der stärksten Szenen des Films: Esther steht in ihren Kleidern im Wannsee, am anderen Ufer das Gebäude, in dem 1942 die berüchtigte „Endlösung“-Konferenz stattfand. Sie greift in ihre Haare und zieht sie sich vom Kopf. Die Perücke, die sie in ihrer orthodoxen jüdischen Gemeinde stets hatte tragen müssen, schwimmt davon. Maria Schrader hat die Autobiografie von Deborah Feldman verfilmt, die aus ihrer chassidischen Community in New York floh und heute in Berlin lebt. „Unorthodox“ gibt in starken Bildern und mit großartigen DarstellerInnen, allen voran die Israelin Shira Haas als Esther, einen eindrücklichen Einblick in die orthodoxe Gemeinde und erzählt die dramatische, aber erfolgreiche Geschichte einer Frauen-Befreiung.

„Unorthodox“, 4-teilige Mini-Serie, Netflix

 

„Godless“ Eine halbe Stunde lang könnte man „Godless“ für einen normalen Western halten. Ist er aber nicht. Denn in La Belle, dem üblichen Western-Städtchen aus Holz und Staub, haben die Frauen das Sagen. Fast alle Männer sind bei einem Minenunglück ums Leben gekommen. Mary Agnes, die Witwe des Bürgermeisters, ist jetzt Bürgermeisterin und sie muss schon bald die Frauen auf das heranreitende Unglück in Form der Bande von Frank Griffin (Jeff Daniels) vorbereiten. Der Sheriff, ihr Bruder Bill, ist ihr dabei keine große Hilfe, denn er ist erstens feige und zweitens dabei zu erblinden. Mary Agnes wird gespielt von der wunderbaren Merritt Weaver („Unbelievable“), die für ihre Rolle einen Emmy bekam. Lieblingsdialog: Bill zu Mary Agnes: „Du siehst lächerlich aus in den Hosen deines Mannes.“ Mary Agnes zu Bill: „Zieh du mal ein Kleid an. Dann sprechen wir uns nochmal.“ 

"Godless", 4-teilige Mini-Serie, Netflix

 

„The Marvelous Mrs. Maisel“ Wer Miriam Maisel, genannt Midge, noch nicht kennengelernt hat, hat was verpasst. Die Tochter aus gutem jüdischem Hause ist sehr betrunken, als sie an einem Abend Ende der 50er Jahre versehentlich auf der Bühne einer New Yorker Keller-Kaschemme landet, und dort eine sarkastische und äußerst originelle Wutrede über Männer und Frauen hält. Ihr eigener Mann Joel hat sie und die zwei Kinder gerade verlassen: Gekränkte Eitelkeit, denn als Stand-up-Comedian, der er werden will, ist er maximal Mittelmaß. Nach Midges Suff-Auftritt aber brüllt das Publikum vor Lachen. A Star is born. Co-Star der Serie ist Managerin Susie, die in der Kaschemme und ihrer Bollerhose lebt und deren ruppige Rauhbeinigkeit genauso viel Dialogwitz produziert wie die Auftritte von Midge. Susie und Midge, die von der Ausstatterin mit so vielen bonbonfarbenen Kostümen versorgt wurde, dass man glaubt, man wäre in eine Kiste mit Macarons gefallen, sind ein großartiges Duo infernale.

„The Marvelous Mrs. Maisel“, 3 Staffeln á 8 Folgen auf Amazon Prime

 

"Transparent" Der emeritierte Politik-Professor Mort Pfefferman beschließt, es nun endlich zu wagen: Er lebt von jetzt an als Maura. Außer Maura haben aber auch die anderen Mitglieder der Familie Pfefferman ihre Gender-Baustellen. Die bisexuelle Sarah, die sexuell hyperaktive Ali, der ewig megaverliebte Josh. Serienerfinderin und Szene-Kennerin Jill Soloway zeichnet ihre Figuren mit klugem Witz und verhandelt in „Transparent“ bei aller Sympathie für Maura und ihre Entscheidung auch heikle Themen rund um die Transgender-Debatte. Tipp: Nach der zweiten Staffel aufhören.

„Transparent“, 5 Staffeln à 8 Folgen auf Amazon Prime

 

"Marcella" Und zum Schluss noch der obligatorische Krimi: Marcella Backland ist eine ausgezeichnete Ermittlerin, die sich in ihre Fälle verbeißt und zu nicht immer ungefährlichen Alleingängen neigt. Privat ist sie angeschlagen, seit vor Jahren ihr Baby starb und ihr Mann Jason sie für eine Kollegin verlassen hat. Ausdrücklich empfohlen sei hier Staffel 2: Als in einer Hausmauer ein toter Junge gefunden wird, der in seinem „Grab“ mit Spielzeugtieren arrangiert wurde, entspinnt sich ein Fall um Pädokriminalität und sexuellen Missbrauch. Acht Folgen lang legt der schwedische Autor Hans Rosenfeldt, der auch „Die Brücke“ mit ihrer legendären Ermittlerin Saga Norén erfunden hat, verschiedene Spuren. Hauptdarstellerin Anna Friel bekam für ihre Marcella einen Emmy. Achtung: „Marcella“ ist nichts für schwache Nerven.

"Marcella", 3 Staffeln à 8 Folgen, Netflix        

 

    

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