Meine Geschichte

Es geht um das Recht auf Abtreibung

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Ich bin 18 Jahre alt und mache gerade mein Abitur. Ich habe große Pläne, werde nach dem Abi für ein Jahr nach Indien gehen und dort als Assistant Teacher an einer Schule arbeiten. Anschließend will ich auf jeden Fall studieren. Neulich dachten mein Freund und ich, ich sei schwanger, und wir haben darüber gesprochen, was wir tun. Wir waren uns einig, dass ein Kind nicht in unsere jetzigen Pläne und die (nahe) Zukunft passt. Ich wusste auch, dass ich die Unterstützung meiner Eltern, besonders meiner Mama habe, mit der ich mir übrigens das EMMA-Abo teile, ganz egal wofür ich mich entscheide.
Ich habe dann angefangen, im Internet über Abtreibung zu recherchieren. Ich fand dort ausschließlich Meinungen gegen Abtreibung. Mir wurde erklärt, wie qualvoll die wehrlosen kleinen Babys bei der Abtreibung sterben; dass sie ermordet werden und dass es meine Schuld sei, wenn ich danach mein Leben lang unter einem schlechten ­Gewissen leide.

Ich war ziemlich wütend, denn ich finde, dass ich als junge Frau ein Recht auf Aufklärung habe. Und zwar objektive Aufklärung. Ich bin schließlich nicht die einzige Frau, die schon mal überlegt hat abzutreiben. Wir stoßen aber nur auf Ablehnung und Verachtung. Ein großes Tabu!

Meine Freundin sagte mir, dass es doch cool wäre, jetzt schwanger zu werden, dann wäre der Altersunterschied zwischen meinem Kind und mir nicht so groß, und wir könnten Freunde werden, wie bei „Gilmore girls“. Was für ein Schwachsinn.

Ich will richtige Freunde und studieren und nach Indien gehen und jung sein, mich verlieben, trennen, Sex haben und mich wieder verlieben. Ich will emanzipiert sein. Und ich will all das und zwar, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen/sollen. Das musste einfach mal gesagt werden! Danke, dass ihr entschlossen seid, die Tabus aus dem Weg zu räumen!  

Janna Reichart, 18, Duisburg

PS: Ich bin übrigens doch nicht schwanger.

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