In der aktuellen EMMA

Ist die künstliche Intelligenz männlich?

Foto: Jens Knappe/360-berlin/dpa
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Das große Thema unserer Zeit ist die „Künstliche Intelligenz“ (kurz KI), darin sind sich PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen und UnternehmerInnen einig. Uneinig sind sie sich darüber, was das eigentlich bedeutet. Werden in Zukunft die Roboter die Menschen unterwerfen? Oder werden die Menschen dank KI etwa bald unsterblich sein? 

Die KI-Technologien bringen eine „gewaltige Veränderung unserer Lebens- und Arbeitswelt“ mit sich, so formuliert es Kanzlerin Merkel. Dieselbe Kanzlerin, die noch vor sechs Jahren im Zusammenhang mit dem Internet von „Neuland“ sprach und dafür viel Spott und Häme im Netz erntete. Heute ist dieses „Neuland“ aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, mehr noch: Wir sprechen ganz selbstverständlich über smarte Häuser, selbstfahrende Autos und Drohnen, die bald vielleicht Pakete liefern. All diese technologischen Veränderungen sollten dem Menschen dienen, fordert die Kanzlerin. Und zwar allen Menschen. Bloß: Bislang ist die KI-Entwicklung ein Feld, auf dem sich vor allem Männer tummeln.

Erstmalig hat das Weltwirtschaftsforum 2018 die „Artificial Intelligence“ in seinem Global Gender-Gap Report berücksichtigt. Die gute Nachricht: Deutschland steht in diesem Ranking, für das anhand von LinkedIn-Daten das KI-ExpertInnen-Potential in Ländern analysiert wurde, auf Platz drei; direkt hinter den USA und Indien. Zumindest, solange man nicht nach Geschlecht differenziert. Die schlechte Nachricht: Deutschland ist mit einem Frauenanteil von nur 16 Prozent KI-Expertinnen unter den Schlusslichtern, zusammen mit Brasilien, Mexiko und Argentinien. Die Ursachen für dieses Ergebnis sind hinlänglich bekannt. Es beginnt im Kindergarten, wo die Grundlagen dafür gelegt werden, dass Frauen irgendwann Germanistik studieren und Männer Informatik. Und es endet in einer Branche, aus der viele Frauen schon im ersten Berufsjahr wieder aussteigen wollen, weil sie das sexistische Arbeitsklima nicht aushalten.

In den Chefetagen der Tech-Branche konnten die mächtigen Männer deswegen bislang weitestgehend unter sich ausmachen, welche Themen relevant für unser aller Zukunft sind und welche nicht, sagt Joanna Zylinska. Die gebürtige Polin ist Professorin für „New Media and Communications“ am Goldsmiths College der University of London und forscht und lehrt an der Schnittstelle zwischen Körper, Kunst und Technik. „The End of Man: A Feminist Counterapocalypse“ heißt ihr Buch, in dem sie die Hybris der Tech-Revolutionäre entlarvt. „Mir geht es vor allem darum, mal ein bisschen kühle Luft auf diesen völlig überhitzten Diskurs über Künstliche Intelligenz zu blasen, vor allem auf die Silicon-Valley-Boys“, erläutert sie.

Worin sich Tech-Expertinnen wie Zylinska einig sind: Es reicht nicht, einfach nur die Erhöhung des Frauenanteils in Unternehmen zu fordern und dann die eine Frau öffentlichkeitswirksam auf einen Chefposten zu befördern. „Das ganze Weltbild muss sich ändern“, findet Zylinska.

Seit den 1950er-Jahren ist die KI-Forschung zu einem Sammelbecken geworden, für Phantasmen wie menschenähnliche Androiden ebenso wie für ganz real agierende Schachcomputer oder Algorithmen, die komponieren wie Bach und Beet­ho­ven. Die Idee, Denken und Handeln zu automatisieren und Intelligenz bzw. Problemlösungsprozesse maschinell nachzuahmen, ist noch sehr viel älter. Was neu ist: Durch die größere Rechenleistung von Computern, den immensen Speicherplatz und die enorme Menge an Daten über alles und jeden geht es nun deutlich schneller voran als noch vor 60, 70 Jahren.

Zentral ist das so genannte Machine Learning, insbesondere das Deep Learning und der damit einhergehende Aufbau von (künstlichen) neuronalen Netzwerken. Die Algorithmen passen die Stärke der hunderttausenden Verbindungen zwischen den künstlichen Neuronen automatisch immer weiter an und lernen so quasi selbstständig. Das klingt kompliziert, lässt sich aber trotzdem am einfachsten mit Katzen erklären: Im Prinzip werden (digitale) Katzenfotos an die Maschine verfüttert, und zwar abertausende Katzenfotos, anhand derer das System sodann Merkmale extrahiert. Je tiefer das Netzwerk, desto komplexer sind diese Merkmale, die der Algorithmus erkennen kann.

Interessant wird es, wenn die Maschine nicht mehr nur darauf trainiert wird, dass Katzen mal schwarz und weiß oder bunt, mal flauschig oder haarlos sein können – sondern darauf, Hautkrebs zu erkennen. Gesundheit ist eines der vielversprechendsten Felder der KI-Forschung und gleichzeitig auch das anschaulichste für ein Problem, auf das wir zurasen: Wie sehen diese Datensätze denn aus, mit denen die Maschinen in Bezug auf menschliche Gesundheit trainiert werden? Wird berücksichtigt, dass Frauenkörper ganz anders ticken als Männerkörper?

Amazon zum Beispiel hatte testweise ein künstlich intelligentes System für das Recruiting von MitarbeiterInnen im Einsatz, das ganz stur eher Männer als Frauen einstellen wollte. Warum? Das System bevorzugte männliche Bewerber, weil sich bisher vor allem technikaffine Männer bei Amazon beworben hatten. Und die KI war mit zehn Jahre alten Bewerbungs-­Daten trainiert worden.

Das bedrohliche an lernenden Maschinen ist also nicht die Maschine, sondern der Mensch, der diese Maschine mit Daten füttert. Weil sich dadurch bestehende Ungleichheiten und Rollenzuweisungen unwiderruflich in die Technologie einschreiben und damit erst recht zementiert werden, sagt Nanjira Sambuli. „Wenn wir Gleichberechtigung erreichen wollen, müssen die Datensätze, mit denen diese Maschinen trainiert werden, ausbalanciert sein. Und das geht darauf zurück, welche Daten wir sammeln, wie wir Daten sammeln, auf welchem Wege wir sie auswerten und vor allem auch: Wer sie auswertet.“

Die 31-jährige Forscherin und Analystin aus Nairobi ist eine der derzeit beachtetsten Wächterinnen der Gleichberechtigung in der digitalen Welt. Bei der „World Wide Web Foundation“ ist sie für Gleichstellungsfragen zuständig, mit besonderem Blick auf die Frauenrechte. Die Stiftung wurde von Tim Berners-Lee gegründet, der als der Erfinder des World Wide Webs gilt und drei Jahrzehnte später bang um den Schutz seines Erbes kämpft: der Idee eines freien und fairen Internets.

Denn während wir in den großen Industrie­nationen über selbstlernen­de Maschinen diskutieren, haben andernorts Menschen nicht einmal Zugang zum Basisdienst: Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist nach wie vor offline. Und die meisten dieser rund vier Milliarden Menschen sind Frauen aus einkommensschwachen Ländern, schreibt die Web-Foundation 2018 in dem Bericht „The Case #ForTheWeb“. Frauen wie Sambuli warnen schon lange vor dieser digitalen Kluft.

Aber die Prophezeiung, dass das Internet die Macht habe, soziale Grenzen zu sprengen, allen voran die Geschlechtergrenzen, klang in den Ohren vieler einfach zu schön. „Wir wurden als Schwarzmalerinnen diffamiert und als fortschrittsfeindlich“, erinnert sich Sambuli. Heute eröffnet sie zusammen mit mächtigen weißen Männern große Tech-Konferenzen, wie zuletzt die re:publica in Berlin. Die Machtverhältnisse haben sich trotzdem nicht verändert. Als die Tech-Expertin aus Nairobi nach Bundespräsident Steinmeier die Bühne betrat, verließ ein Großteil der ZuhörerInnen prompt den Saal. „Am meisten frustriert es mich, wie häufig ich Dinge wiederholen muss, bis sie gehört werden. Wenn ein weißer Tech-Bro genau das gleiche sagt, dann macht es immer sofort Klick“.

Und so leben wir in einer Welt, in der Milliardäre daran arbeiten, alsbald mit Raketen ins All zu düsen, während alltägliche Probleme schlicht keine Beachtung finden. Milchpumpen für Mütter zum Beispiel, sagt die Doktorandin Alexis Hope. Die 31-jährige Designerin forscht am Media Lab des Massachusetts Institute for Technology, einer interdisziplinären Zukunftsschmiede. Milchpumpen sind ihr Lieblingsthema. Es ist ein paar Jahre her, dass eine Kollegin ein Baby bekommen hatte und pumpen musste, was für sie schmerzhaft und erniedrigend war. Hope klagt: „Wir reden über einen Alltagsgegenstand, auf den weltweit unzählige Frauen angewiesen sind, an dessen Design sich aber seit dem frühen 19. Jahrhundert so gut wie nichts geändert hat.“ Aus einem einfachen Grund: Weil niemand auf die Idee gekommen ist, es zu tun.

In einem Blogbeitrag machte Hope genau das zum Thema – und fragte ihre Leserinnenschaft, was sie denn verbessern würde an den leidigen Pumpen. „Ich hatte mit zehn, zwölf Antworten gerechnet“, erinnert sich Hope. Es kamen über tausend E-Mails. Und so wurde die Idee für den „Make the Breast Bump Not Suck“-Hackathon geboren. Ein Erfolg: Auf den ersten Event im Jahr 2014 kamen 150 Frauen und einige Männer, um gemeinsam an Prototypen zu arbeiten. Zum zweiten Hackathon im April 2018 kamen schon doppelt so viele. Gleichzeitig wurde über Themen wie Elternzeit diskutiert.

Auf Hackathons (eine Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“) treffen sich TüftlerInnen, ProgrammiererInnen und ExpertInnen, um an einer ganz konkreten Problemlösung zu arbeiten. Hope will unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichem Background an einen Tisch setzen, um eine „joyful future“, eine erfreuliche Zukunft für jede und jeden zu schaffen – jenseits des Genie-Kultes, in dem ein einzelner Mensch, genauer: ein Mann, die eine große Erfindung macht, die die Welt verändert. Was ja ohnehin immer schon nur ein Mythos war.

„Als wir den Milchpumpen-Hackathon angekündigt haben, dachten einige Leute, wir machen einen Scherz!“, erinnert sich Hope. Im Herbst wird sie ihren nächsten Hackathon veranstalten, diesmal zu einem noch größeren Tabu-Thema: Menstruation. Das wird blutig.

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Women in Tech

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"Ruf halt den Computerheini an!“, dieser Satz fällt in so ziemlich jedem Büro mehrmals die Woche. Dann kommt er, der Mann in den Trekking-Klamotten, der den PC davor bewahrt, aus dem Fenster geworfen zu werden und die Hegemonie zwischen Mensch und Maschine wiederherstellt. Besonders redselig ist der Computerheini nie, er schafft es auch nicht, die geschehenen Fehler so zu erklären, dass sie nie wieder passieren. Und noch seltener ist der Computerheini eine Frau. Nicht mal in der EMMA-Redaktion.

IT-Berufe sind Männersache. Und der Fisch stinkt vom Kopf her. Aber gerade rumort es im Bauch – und von da kommen gute Nachrichten. Die Frauen sind im Kommen. Es hat nur ein wenig gedauert.

Das Silicon Valley ist verschrien für seine ­Männercliquen und Sexpartys in Stripclubs, in Sado-Maso-Läden oder in privaten Villen von erfolgreichen Gründern. „Sexuelle Offenheit“ gehört zum Selbstverständnis einer Branche, die nach ihren eigenen Regeln lebt. Wer auf der Gäste­liste steht, hat es geschafft, kann im Whirlpool den nächsten großen Deal abschließen.

Diese Deals haben Konsequenzen für uns alle. Die Erfindungen bestimmen, wie wir miteinander kommunizieren, wie wir uns informieren, was wir einkaufen, wie wir die Welt sehen. All das wurde von ein paar weißen Männern geschaffen. Und sie haben die Produkte auf sich und ihre Bedürfnisse zugeschnitten.

Dass sie dabei jedoch jemanden vergessen haben, erkennt die Branche sogar langsam selbst. Twitter-Mitgründer Evan Williams fragt sich öffentlich, ob unsere Welt vielleicht nicht doch eine bessere wäre, wenn mehr Frauen in Tech-­Firmen das Sagen gehabt hätten: „Wenn Frauen stärker an der Entstehung von Twitter beteiligt gewesen wären, wäre Onlinemobbing nie ein so großes Problem geworden. Die Gründer dachten an all die schönen Möglichkeiten ihrer Anwendung. An Beschimpfungen und Vergewaltigungsdrohungen aber dachten sie nicht. Vielleicht wären Videospiele dann jetzt nicht ganz so gewaltverherrlichend und Pornos weniger omnipräsent.“

Trotzdem bahnten sich einige wenige Frauen den Weg nach ganz oben. Geschäftsführerin ­Sheryl Sandberg, die mit ihrem Buch „Lean in“ eine Debatte über Frauen und Karriere ausgelöst hat, zum Beispiel (EMMA berichtete). Auch YouTube, IBM und XEROX haben Frauen als CEOs. Immerhin. Selbst in Deutschland schaffen es einige bis ganz an die Spitze der Tech-Welt. Bei Microsoft Deutschland haben es immerhin schon fünf Frauen in das 14-köpfige Geschäftsführungsgremium geschafft. Nur es bleiben auffallend viele nicht lange an der Spitze der Unternehmen. Sie nervt die Macho-Kultur.

Im Mittelfeld allerdings, jenseits des Silicon Valleys und der Dax dotierten Unternehmen sieht es schon besser aus, dort passiert der wahre Umbruch. Frauen sind schon heute „Global Chief Information Officer“, „Outreach, Engineering Manager“, „Certified Tester“ oder „Scrum Master“. Berufe, deren Bezeichnungen für Außenstehende wie erfunden klingen. Doch die Frauen, die sie ausfüllen, führen nicht selten Unternehmenszweige mit mehreren Tausend MitarbeiterInnen in den USA, Skandinavien, Asien oder auch Deutschland. Und anders als in vielen anderen Branchen suchen diese Frauen ganz aktiv den Schulterschluss zu anderen Frauen. Weil sie die sexistisch versiffte Macho-Kultur der Szene satt haben und wissen, dass sie nur mit Verbündeten nach oben kommen können. Und: Sie wissen, wie sich Diskriminierung anfühlt. Unter dem Hashtag „WomeninTech“ verbünden sie sich global, versuchen anderen Frauen die Türen zu öffnen.

Eine dieser Türöffnerinnen ist Gabriela Motroc. Sie leitet die JAXenter.com-Website. „JAX“ ist eine Fachkonferenz für Softwareentwicklung und eine der größten Informationsveranstaltungen der IT-Branche in Deutschland. (Die nächste findet übrigens am 10. Mai in Mainz statt.) Auf der ­Website porträtiert Motroc in der Reihe „Women in Tech“ inspirierende Frauen der ganzen Welt, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben und dort nachhaltig arbeiten.

„Nichts ist für Frauen in dieser Branche so wichtig wie andere Frauen. Zu sehen, was und wie sie es machen. Daraus wachsen ein starkes Selbstbewusstsein und starke Ellenbogen“, sagt Motroc. Ihre Porträt-Reihe hat in der Szene eingeschlagen. Musste sie anfangs noch nach Protagonistinnen suchen, kann sie sich heute vor Vorschlägen, die von IT-Frauen weltweit bei ihr eintrudeln, gar nicht retten. Auch die Netzwerke wachsen. Da wären die „Female Tech Leaders“ aus München, die „Women in Tech“ aus Dänemark, die „European Women in Tech“, die „Women’sTEC“ in Belfast oder die „WITIS – Women in Tech International“. Es gibt sie in nahezu jedem Land, jedem aufstrebenden IT-Zweig.

Sandra Persing ist eine der Netzwerkerinnen und „Global Strategist“ bei Mozilla in Kalifornien. Seit Jahren setzt sie sich in der Organisation „Women who code“ (Frauen, die programmieren, EMMA berichtete) für ein Umdenken in der Tech-Welt ein. Bei einer Entwicklerkonferenz wurde sie von einem der führenden Köpfe des Silicon Valley von oben bis unten gescannt und gefragt: „Gehörst du überhaupt hierher?“.

„Es gibt Forschungen, die zeigen, wie mein asiatisches Gesicht, mein Geschlecht als Frau, vielleicht sogar meine kleine Statur, mich davon abhalten, dass mich Unternehmen als Führungsfigur ansehen, und ich nicht so schnell vorankomme wie meine Kollegen“, sagt sie.

Liat Palace ist „Director des Delivery Technology Office DevOps Coaching Teams“ bei Amdoc in Israel, einem der größten Anbieter für Telekommunikationssoftware. Palace arbeitet an der Schnittstelle von Meta-Analyse und der Psychologie der Software-Entwicklung. Während ihres Studiums war Liat die einzige Frau in ihrem Jahrgang. „In Israel gibt es die geheime Bruderschaft des Mannes. Männer werden viel mehr von ihren Egos angetrieben. Wir Frauen aber überschätzen uns und unsere UserInnen nicht. Wir verfügen über bessere Menschenkenntnis, programmieren umfassender. Und genau das ist das Rezept für den zukünftigen Erfolg der Branche.“

In Deutschland ist die gebürtige Irakerin Aya Jaff (23) zum Gesicht des Geschlechterwandels der Tech-Szene geworden. Als sie für ihren Vater als Kind die Bedienungsanleitung für den neuen Computer übersetzen muss, ist der Funke übergesprungen. Aya Jaff studiert Informatik, bricht das Studium jedoch ab, weil sie ihr eigenes Ding ma- chen will. Durch das Programm „Women who code“ landet sie im Silicon Valley, gründet ein Start Up, wird erfolgreich. Sie spricht auf Konferenzen wie den Ted Talks über Frauen, sie coacht UnternehmerInnen bei der Digitalisierung und ist fest ­entschlossen, die Tech-Welt nicht den Männern zu überlassen.

Das wird nicht passieren. Der Digitalverband Bitkom hat jüngst 82.000 freie Stellen für IT-SpezialistInnen gezählt. Frauen auszusortieren kann sich die Branche gar nicht leisten. Und: Aktuelle Studien zeigen, dass IT-Unternehmen mit Geschlechterparität erfolgreicher sind, sogar zu 70 Prozent mehr Chancen haben, neue Märkte zu erobern. „Solche Unternehmen sind der Lage, die zentralen Fragestellungen von Unternehmen ganzheitlich zu analysieren, effektivere Entscheidungsprozesse zu verfolgen und letztlich auch bessere Entscheidungen zu treffen. Unterschiedliche Denkansätze bedeuten mehr Innovation, mehr Umsatz“, erklärt Motroc.

Selbst das Silicon Valley horcht nun auf. Die Branche ist von Geld getrieben, und da kann man die Firmen empfindlich treffen. So geschehen in der Aktion „delete Uber“ (lösche Uber), die KundInnen des privaten Taxidienstes aufforderte, die App zu löschen, um gegen den sexistischen Umgang des Unternehmens mit Frauen zu protestieren. Nicht zuletzt dank #MeToo agieren UserInnen sehr viel bewusster, nehmen ihre Macht als KonsumentInnen wahr.

Die Branche reagiert. Die IT-Arbeitgeber haben sich hohe Ziele gesteckt: Bis zum Jahr 2020 soll jede vierte IT-Stelle in Deutschland mit einer Frau besetzt sein.

Termine: Vom 6. bis 8. Mai ­findet in der Station Berlin, Luckenwalder Straße, die re:publica statt, eines der wichtigsten Festivals der digitalen Gesellschaft – und ein guter Ort für Frauen, die in die IT-Szene wollen. 19.re-publica.com

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