Scham

Es geht immer um Scham

Alice Schwarzer: Mal schämen sich die Opfer sexueller Übergriffe, mal die, die keine Opfer sein wollen, wie Catherine Deneuve. Und die Männer? Dabei war einst die Aufkündigung der Scham der Frauen der erste Schritt zur Befreiung. Kehren wir also zurück zu den Wurzeln!

Das Drama der Hannelore Kohl

Am 5. Juli 2001 ging die Nachricht durch die Medien: Hannelore Kohl, die erste Frau des Ex-Bundeskanzlers, hatte Selbstmord begangen. Wie konnte das sein? Wie konnte das ehrgeizige junge Mädchen und die disziplinierte Gattin in einer solchen Hilflosigkeit landen, dass sie nicht mehr weiterleben wollte?

Beschämende Online-Jagd

Monica Lewinsky war das erste weltweit bekannt gewordene Internet-Opfer. Hinzu kam die Prominenz des Täters: 1998 wurde bekannt, dass Präsident Clinton mit der Praktikantin ein Verhältnis gehabt hatte – was der bis zuletzt bestritt, auch gegenüber Hillary. Auf Kosten des Opfers.

Die neue Schamlosigkeit

Warum haben sie nicht schon früher geredet? Oder: Sie tun es ja freiwillig! So und ähnlich klingen die Urteile über Frauen, die lange warten, bis sie sagen, dass sie Opfer sexueller Erniedrigung oder Gewalt geworden sind. Oder über Frauen, die sich „freiwillig“ dem herabwürdigenden, taxierenden Blick aussetzen.

Amanda Todd: Tödliche Scham

Amanda Todd hat es das Leben gekostet. Die kanadische Schülerin hat sich aus Scham über das Cybermobbing gegen sie das Leben genommen.

Wann ist die Scham vorbei?

Frauen schämen sich für ihren Körper und ihre Gefühle – Männer für mangelnde Leistung in Beruf oder Bett, weiß Günter Seidler. Der Psychiater forschte schon zur Scham, als das Thema in Deutschland noch brach lag. Seidler treibt eine besonders zerstörerische Form der Scham um: die der Opfer sexueller Gewalt.
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