In der aktuellen EMMA

Dirigentinnen: Sie geben den Ton an

Oksana Lyniv dirigierte im Sommer 2021 als erste Frau in Bayreuth. Foto: Werner Kmetitsch/photowerk
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Es ist eine Revolution. Am 25. Juli 2021 steht mit Oksana Lyniv zum ersten Mal eine Frau am Pult in Bayreuth. Die ukrainische Dirigentin eröffnet die Festspiele mit Wagners „Der Fliegende Holländer“. Der Druck ist hoch, die Aufmerksamkeit enorm. Und der Erfolg phänomenal. Zwölf Minuten Applaus. Begeisterte Kritiken. Euphorie und Erleichterung. „Es sind die stärksten Stunden des Lebens“, sagt Oksana Lyniv nach der Premiere in eine Fernsehkamera.

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Der Klassik-Betrieb ist nicht gerade Avantgarde in Sachen Gleichberechtigung. Oksana Lyniv, 1978 in der Kleinstadt Brody in der Ukraine geboren, kennt dessen konservative Seiten. Wo angeblich nur Talent zählt, redet man nicht gern über so profane Dinge wie die Geschlechter-Frage.

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In einem Interview drei Jahre vor ihrem Bayreuth-Debüt bekannte Lyniv: „Jeder kämpft mit Unsicherheit und damit, dass er noch keine Erfahrung hat. Es ist nur so, dass die Männer meistens mehr Unterstützung bekommen, wenn einem Mann etwas nicht gelingt, ist er noch zu jung – aber sehr begabt. Eine Frau hört sehr selten solche motivierenden, unterstützenden Sätze.“

Oksana Lyniv hatte das Glück, in Kirill Petrenko einen Dirigenten zu finden, der sie förderte, als sie seine Assistentin an der Bayerischen Staatsoper war. Von Kurt Masur hingegen bekam sie während eines Meisterkurses Sätze zu hören, die sie verstörten. Sätze wie: „Was stehst du so sexy da. Denkst du, so wird dich jemals jemand ernst nehmen?“ Die Entgleisung eines älteren Meisters, der eben nicht so recht auf der Höhe der Zeit war? Nein, die Herablassung gegenüber Dirigentinnen ist tief in der Tradition verwurzelt. Die männliche Leitfigur, umgeben vom Nimbus einer heroischen Einsamkeit, ist zwar das Relikt einer vergangenen Epoche. Doch in manchen Teilen des Musikbetriebs hat sie sich erhalten wie unter einer Glasglocke.

Endlich aber tut sich etwas. Ein Kulturwandel zeichnet sich ab, verspätet zwar, aber gewaltig!

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