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Britney Spears: Wird sie es schaffen?

© Jennifer Graylock/IMAGO/PA Images
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Als Britney Spears vor mehr als 20 Jahren das erste Musikvideo „Baby One More Time“ veröffentlichte, stritt Amerika nicht nur über ihr Outfit. In einer Schuluniform aus schwarzem Büstenhalter unter geknoteter Bluse, Minirock, Overknees und geflochtenen Zöpfen tanzte die damals 16-Jährige durch die Gänge einer High School. Zu freizügig, zu lasziv, zu viel Kindfrau, urteilten Musik-KritikerInnen. Den Titel des Hits hatten die Produzenten schon entschärft. Aus „Hit Me Baby, One More Time“– von vielen als Aufforderung zu Sadomasochismus interpretiert – war das vergleichsweise unverfängliche „Baby One More Time“ geworden.

Das Musikblatt Rolling Stone stilisierte Spears wenig später endgültig zur Pop-Lolita. Für das Cover der April-Ausgabe 1999 („In Britneys Herz, Kopf und Schlafzimmer“) fotografierte David LaChapelle die Sängerin zuhause in Louisiana: in Unterwäsche, mit kokettem Blick und Teletubby im Arm. „Mir war bewusst, dass irgendetwas nicht stimmte“, erinnerte sich der Starfotograf später. Irgendetwas? Eine 17-Jährige in BH und Slip vor dem Puppenregal ihres  Kinderzimmers? Doch Spears ließ sich einfach zu gut verkaufen. Titel wie „Crazy“, „Oops! … I Did It Again“ und „I’m A Slave 4 U” eroberten die Charts und machten ihre Manager, Songschreiber und Familienmitglieder zu Millionären.

Anfang 2007 brach die Sängerin zusammen. Nach einem Kurzaufenthalt in einer Drogenklinik setzte sie sich zuhause in Thousand Oaks bei Los Angeles ans Steuer, fuhr zu einem Friseursalon und rasierte sich die Haare ab. Ein Jahr, eine Scheidung und den Sorgerechtsstreit um ihre beiden Söhne später verbrachte Spears einige Tage in der Psychiatrie. Der Grund für die Zwangseinweisung bleibt bis heute umstritten. Ebenso die Betreuung durch ihren Vater Jamie Spears, über die seit Monaten vor Gericht in Los Angeles debattiert wird.

Bei der ersten öffentlichen Anhörung Ende Juni 2021 hatte Spears dem früheren Bauunternehmer Ausbeutung, Freiheitsentzug und Zwangsmedikation vorgeworfen. Nach 13 Jahren Vormundschaft, sagte Spears der Vorsitzenden Richterin Brenda Penny, wolle sie nicht länger „wie eine Sklavin leben“. Die Bewegung #FreeBritney, unterstützt durch Spears’ Lebensgefährten Sam Asghari und die Bürgerrechtsorganisation ACLU, sah die Grammy-Preisträgerin schon auf dem Weg zur Freiheit. Richterin Penny erlaubte der 39-Jährigen einen eigenen Anwalt, Mathew Rosengart, zu beauftragen.

Ende Juli verlangte Rosengart, Jamie Spears umgehend wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung des auf 60 Millionen Dollar geschätzten Vermögens seiner Tochter abzusetzen. Der bezeichnete seine Tochter zwar wieder einmal als „geisteskrank“, erklärte sich aber plötzlich bereit, als Finanz-Vormund seiner Tochter zurückzutreten. Wann er das tun möchte, ließ er aber offen. Dann aber bliebe immer noch die Vormundschaft über Spears’ gesundheitliche Belange wie Therapien und Medikation. „Es wird eine Zeit kommen, zu der das Gericht darüber entscheiden muss, die Betreuung ganz zu beenden“, erklärte Anwalt Rosengart.

Vor Gericht in Los Angeles wird der Schlagabtausch am 29. September fortgesetzt. Bis dahin tut Spears das, was ihr schon als Kind beigebracht wurde. Sie tanzt, jetzt bei Instagram, in Hot Pants, Minirock oder Bikini.

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