In der aktuellen EMMA

Annemirl Bauer in Potsdam

Annemirl Bauer mit Tochter Amrei 1975, die heute das Werk ihrer Mutter lebendig hält.
Artikel teilen

„Frauen, wenn wir heute nichts tun, leben wir morgen wie vorgestern.“ Als Annemirl Bauer 1988 diesen klugen Satz sagte, hatte sie nur noch ein Jahr zu leben. Sie starb mit nur 50 Jahren an Krebs, am 23. August 1989, zehn Wochen vor dem Mauerfall. Seither hält ihre Tochter Amrei Bauer das Erbe ihrer Mutter lebendig: im Annemirl-Bauer-Haus im brandenburgischen Niederwerbig, das auch Kultur- und Seminarort ist. Annemirl Bauer, Tochter einer Malerin und eines Fotografen, war eine der bedeutendsten Künstlerinnen der DDR. Sie erhielt zunächst Staatsaufträge für Wandbilder, geriet aber ab Ende der 1970er Jahre zunehmend mit dem System in Konflikt. Sie forderte öffentlich ein Reiserecht für alle DDR-BürgerInnen und schrieb: „Die Eingrenzung eines ganzes Volkes auf Dauer ist Gewaltanwendung und führt zu Isolierung und Entmündigung desselben.“ 1984 wurde sie aus dem Verband Bildender Künstler der DDR ausgeschlossen, was de facto Berufsverbot bedeutete. Jetzt zeigt „Das MINSK Kunsthaus in Potsdam“ eine Retrospektive mit 150 Gemälden, Zeichnungen, Collagen und Objekten von Annemirl Bauer. Darunter auch ein Bild aus dem Jahr 1979 (Foto oben rechts), das die Feministin und begeisterte EMMA-Leserin EMMA gewidmet hat. 

Annemirl Bauer. Bruch ist in der Welt. 5. September – 7. Februar 2027 in DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam. Der gleichnamige Katalog erscheint im Distanz-Verlag (38 €). – annemirlbauer.de 

Artikel teilen
 
Zur Startseite