In der aktuellen EMMA

Drei „Besties“ in Berlin

Nora, Sarah und Junia: allerbeste Freundinnen. - Foto: Frank Rothe
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Nora, 17, sagt: Mit 12 lernte ich ein Mädchen kennen, und wir waren uns sofort einig, dass wir das Konzept der „Besten Freundin“ zutiefst toxisch und übergriffig fänden. Damit wollten wir nichts zu tun haben. Wir fingen an, jedes Wochenende beieinander zu übernachten. Wir teilten unsere Kleiderschränke. Auf jeder Party kannten uns die Leute nur als Duo. Wenn wir mal alleine irgendwo hingingen, wurden wir gefragt: „Wo ist denn deine beste Freundin?“. Empört antworteten wir: „Ich habe keine beste Freundin“. Wir wollten schließlich unabhängige Frauen sein. 

Letztendlich akzeptierten wir unser Schicksal und nannten uns gegenseitig scherzhaft „Bestie“. Das geht nun schon seit mehr als fünf Jahren so. Dieses Mädchen heißt Junia. 

Mit 14 komme ich in die neunte Klasse und sehe in meinem Klassenzimmer ein Mädchen mit langem Haar und einer schicken Schlaghose. Ich war sofort begeistert von ihr. Doch sie fand mich nicht so toll, also fand ich sie auch doof, und wir hatten die erste Hälfte der neunten Klasse nichts miteinander zu tun. Auf einer Klassenfahrt wurden wir dann zufällig in dasselbe Zimmer eingeteilt. Seitdem darf ich mich glücklich schätzen, dass diese großartige Frau eine der wichtigsten Menschen in meinem Leben ist. Sie heißt Sarah. 

Später gehen wir drei in dieselbe Klasse. Es klingt vielleicht unglaubwürdig, aber ich kann kein schlechtes Wort über die beiden verlieren. Sie haben mich nie für einen Typen sitzen lassen, sie haben nie hinter meinem Rücken über mich gelästert. Sie sind immer die Ersten, die zu meiner Verteidigung aufspringen, wenn mir jemand blöd kommt. Diese beiden Frauen haben eine Kraft, die man spürt, sobald sie einen Raum betreten. Es ist eine mitreißende Kraft. Das Drama und den Konkurrenzkampf, der in anderen Frauenfreundschaften herrscht, kann ich nicht nachvollziehen. Ich weiß, wie toll Frauen miteinander sein können. Doch wie sehen das die beiden? 

Sarah, 18, sagt: Die Freundschaften zu Nora und Junia fühlen sich sehr frei an, das Gegenteil von toxisch, eben unterstützend. Wir haben eine spezielle Energie und ein besonderes Verständnis füreinander. Junia kenne ich seit der ersten Klasse. Wir saßen zusammen an einem Tisch und fanden uns superlustig. Wir haben immer zusammen gelacht. 

Nora habe ich am Anfang bewundert. Sie war so selbstbewusst und hatte so einen starken Charakter. Und sie hatte so coole Klamotten an und ist schon ausgegangen. Das habe ich beneidet. Ich habe zu Beginn nicht geglaubt, dass sie mich wirklich cool findet. Das macht ja keinen Sinn, dass jemand, den ich cool finde, mich so cool findet. Da war ich eben noch unsicher. 

Mit Junia war ich dann irgendwann später wieder befreundet, weil ich mit Nora befreundet war und sie noch von früher kannte. Unsere Freundschaft habe ich ab dann nie wieder in Frage gestellt. Wir sind miteinander eingespielt. Wir wissen, in welchen Situationen wir einander zuhören müssen und wann wir miteinander lachen können. Wir haben ein starkes Gefühl füreinander. Das ist in anderen Mädchengruppen, die ich kenne, nicht so. Die führen Machtkämpfe untereinander, die tricksen sich aus, die stehlen sich gegenseitig die Typen. 

Wenn mir das erzählt wird, sitze ich ganz still daneben und höre aufmerksam zu. Ich bin sehr froh, das von außen zu beobachten. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es Mädchen in unserem Alter gibt, die so drauf sind. Diese Freundschaften beruhen nicht auf gegenseitiger Anerkennung. Man sollte sich nicht vergleichen und auch anderen Frauen nicht das Gefühl geben, dass sie sich mit dir vergleichen sollten. Kein Konkurrenzkampf! Kein Kampf, um zu gucken, wer schöner ist, wer schickere Klamotten trägt, wer mit mehr Typen Kontakt hat. Durch Nora und Junia habe ich gemerkt, welche Freunde mir guttun. 

Dadurch habe ich jetzt nur coole Leute um mich herum. Wenn ich an mir selbst zweifle oder Probleme mit anderen habe. Dann sagen sie: „Scheiß mal auf die anderen.“ Ich spüre die Unterstützung von ihnen, die mir sehr viel Kraft gibt. Ich bin nicht allein. Ich kenne Nora und Junia so gut, dass ich genau weiß, was sie nervt. Und sie wissen genau, was mich nervt. Es ist mir wichtig, dass wir einander zuhören. Unter uns Dreien wird nicht geschwiegen. 

Junia, 18, sagt: Ich weiß, dass ich meinen Freundinnen vertrauen kann. Sarah und Nora hören mir immer zu. Wenn ich sage, dass ich sie brauche, würden sie immer zu mir nach Hause fahren oder mich anrufen. Ich bin ihnen nahe, obwohl wir sehr verschieden sind. Sie kennen mich gut. Sie wissen, wann sie mich ablenken und wann sie mich ablenken und wann sie mit mir reden müssen. 

Wir haben schon viele Extrem-Situationen miteinander erlebt. In der neunten Klasse sind wir auf eine dreiwöchige Fahrradtour ohne Handy gefahren. Wir waren komplett fertig und haben trotzdem die ganze Zeit geredet. Dann bin ich auch noch vom Fahrrad gefallen, und Nora musste sich eine Stunde neben mich ins Gras setzen. Alle anderen haben mich genervt, weil sie die ganze Zeit gefragt haben, wie es mir geht. Sie hat sich einfach neben mich gesetzt und gewartet, bis ich von selbst anfangen habe zu reden. 

Nora war in der Grundschule mit Mädchen befreundet, die ich nicht mochte, also mochte ich sie auch nicht. In der siebten Klasse fand ich sie dann doch nett. Wir waren ab und zu zusammen joggen. Ich war in der Zeit eher stiller. Nora hat damals einfach immer sehr viel geredet. Manchmal war ich überrascht, aber ich mochte es. Irgendwann waren wir zusammen tanzen, da dachte ich mir, das sollten wir öfter machen. 

Sarah saß in der fünften Klasse im Englisch- Unterricht neben mir. Wir hatten immer die nervigsten Leute an unserem Tisch. Wir konnten beide kein Englisch. Es war immer sehr lustig, wenn wir probiert haben, die Arbeitsblätter auszufüllen. In der Oberstufe hatten wir erst mal nicht so viel Kontakt miteinander. Dann hat Nora sich mit Sarah angefreundet, und von einem Tag auf den anderen waren wir auch wieder eng. Alles ist toll an Sarah. Sie hat eine sehr klare Art. Sie weiß genau, was sie sagen will, und erzielt damit auch die gewünschte Wirkung bei anderen. Sie steht für sich ein und zieht Grenzen. Das ist sehr beeindruckend. Sie sagt, wenn ihr etwas nicht passt. Man hat viel Spaß mit ihr. Ich glaube, dass viele Menschen eingeschüchtert sind von Frauen, die sehr genau wissen, wer sie sind und was sie wollen. Ich habe einen starken Charakter und weiß, wer ich bin. Und dafür will ich mich nicht entschuldigen müssen. 

So ist das mit mir, Nora, und meinen Freundinnen Sarah und Junia. 

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