© Renate Alf
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Gute Idee: Der Equal Care Day

Den 29. Februar gibt es nur alle vier Jahre - in einem Schaltjahr. Der ideale Tag also, um an folgendes Missverhältnis zu erinnern: „Männer in Deutschland brauchen über vier Jahre, um die Menge an Care-Arbeit zu leisten, die Frauen in nur einem Jahr leisten“, sagen Almut Schnerring und Sascha Verlan. Sprich: Kinderbetreuung, Putzen und Kochen; aber auch Alten- und Krankenpflege. Darüber sollte es endlich eine Debatte in Deutschland geben, findet das AutorInnen-Paar. Und deshalb haben die beiden entschieden, diese Debatte mit anzustoßen. Unter anderem auf Twitter unter den Hashtags #EqualCareDay und #ECD2016.

Care-Arbeit könnte ein Schulfach werden  

Denn daran ändert sich seit Jahrzehnten nichts: Diese Arbeiten gelten als „Frauensache“, ohne dass Frauen eine angemessene Form der Gegenleistung erwarten dürfen. Außer natürlich das vielfach beschworene „Glücksgefühl“, das die Care-Arbeit angeblich mit sich bringt. Das Gefühl, „gebraucht zu werden“. Dieser Glücks-Mythos verschleiert allzu oft den Blick auf die Realität. Zum Beispiel: Wer sein Leben mit unbezahlter Pflege- und Familienarbeit verbringt, pflastert sich selbst den Weg in die Altersarmut.

Dass Almut Schnerring und Sascha Verlan sich für einen „Equal Care Day“ einsetzen, kommt nicht von ungefähr: Die beiden schreiben auch in EMMA regelmäßig über Geschlechterklischees und erklären in ihrem Buch „Die Rosa-Hellblau-Falle“, wie Eltern „Rollenklischees im Familienalltag entkommen“. Denn die Weichen, ob sich eine Frau später für einen „Frauenberuf“ entscheidet bzw. Hausfrau werden möchte, die werden ja schon in der Kindheit gestellt. Typische „Frauenberufe“ sind Care-Berufe wie Altenpflegerin, Krankenschwester oder Erzieherin. Berufe, in denen Frauen deutlich weniger verdienen als zum Beispiel ein Kfz-Mechatroniker, der sich nicht um Menschen, sondern um Autos kümmert.

Trotzdem werden die Anforderungen gerade im Pflege- und im Fürsorgebereich zukünftig zunehmen. Barbara Sichtermann fordert deshalb in EMMA: „Es sollte über ein Schulfach ‚Pflege’ nachgedacht werden. Für beide Geschlechter.“ Und sie will „eine Männerquote für die Pflegegeberufe. Nachzulesen in ihrem Artikel „Das Leid mit den Pflegeberufen“.

Und ist eine Männerquote für Pflegeberufe denkbar?

Am 29. Februar also soll der erste Equal Care Day stattfinden. Und die Debatte im Netz angestoßen werden. Auf Twitter, auf Facebook, auf Blogs. „ Ein Text, ein Foto, ein Video, ein Comic – jede Form passt, sofern der Beitrag auf das Thema #Equalcareday aufmerksam macht“, schreiben die InitiatorInnen auf ihrem Blog.

Bisher schlägt diese Ankündigung noch kleine Wellen. Aber: So ähnlich hat das mit dem Equal Pay Day ja auch einmal angefangen!

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