Der Heldinnen-Award 2026
Am 28. September wird in Berlin zum vierten Mal der Heldinnen-Award der Alice-Schwarzer-Stiftung verliehen. Diesmal geht er an zwei Kämpferinnen gegen den sexuellen Missbrauch. Zwei sehr unterschiedliche Kämpferinnen. Die eine, Maria Mesrian, kämpft innerhalb der katholischen Kirche gegen die mächtige Institution und für ihre Opfer. Die andere, Kirsten Bruchhäuser, fängt am Rand der Gesellschaft die Opfer auf, die nirgendwo mehr Halt gefunden haben. Die Laudatorinnen sind diesmal die Schauspielerin Désirée Nosbusch und die Journalistin Christiane Florin. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei. Aber ihr müsst euch bis zum 21.9. anmelden: mail@alice-schwarzer-stiftung.de
KIRSTEN BRUCHHÄUSER Sie leitet seit 1995 den Pferdehof „Maruschka“ in Meuselko in Sachsen- Anhalt, der heute eine offizielle Einrichtung der Jugendhilfe ist und acht Mädchen betreut. Die meisten von ihnen haben schwerste sexuelle Gewalt erlebt und konnten in keiner anderen Einrichtung mehr Hilfe finden. Kirsten wurde 1968 in Kassel geboren. Als Kleinkind wird sie vom Babysitter missbraucht, dann vom eigenen Vater. Die Mutter kann lange keine Beziehung zur eigenen Tochter aufbauen, will sie nicht einmal berühren. Auch sie war vom eigenen Vater missbraucht worden. Mit 16 geht Kirsten nach Berlin, macht dort eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitet sich in die therapeutische Arbeit mit Pferden ein. 1992 kann sie ihren ersten Hof pachten und rettet 20 Pferde vor dem Schlachter. Pferde waren schon immer Kirstens Zufluchtsort. Und einen solchen wollte sie für andere Frauen und Mädchen aufbauen.
MARIA MESRIAN Sie wuchs in Franken in einer katholischen, aber „sehr freien“ Familie auf. Ihr Vater hatte unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs ein Theologie-Studium begonnen, war dann aber Arzt geworden. Maria Mesrian studierte katholische Theologie in Freiburg und Würzburg, hadert aber zusehends mit dem Ausschluss von Frauen aus Kirchenämtern. Sie arbeitete als Pressereferentin beim ZDF. Maria Mesrian ist mit einem Iraner verheiratet, mit dem sie fünf Kinder hat. Seit 2019 engagiert sie sich bei der Kirchen-Reformbewegung Maria 2.0, die gegen Machtmissbrauch und Vertuschung und für das Recht von Frauen auf alle Kirchenämter kämpft. 2021 gründet Maria Mesrian den Verein „Robin Sisterhood – Umsteuern!“. Im März 2022 geht die Beratungsstelle „Leuchtzeichen“ an den Start, die Opfer von sexuellem Missbrauch unter dem Dach der katholischen und evangelischen Kirche unterstützt.
Die Verleihung des HeldinnenAward 2026 findet am 28.9.2026, 19 Uhr, in der Landesvertretung Baden-Württemberg statt (Tiergartenstr. 15, 10785 Berlin). www.alice-schwarzer-stiftung.de
In der September/Oktober-EMMA berichten wir in zwei Reportagen über die Projekte der Preisträgerinnen.
Annika Ross war in Meuselko in Sachsen-Anhalt auf dem Hof von Kirsten Bruchhäuser, wo acht Mädchen und 29 Pferde eine neue Heimat gefunden haben. „Systemsprenger“ werden diese Mädchen genannt, die alle Opfer von (sexueller) Gewalt sind. Hier bekommen sie eine Chance.
Chantal Louis besuchte in Köln die Beratungsstelle "Leuchtzeichen" von Maria Mesrian. Sie ist Anlaufstelle für Betroffene, die Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche geworden sind - und sich nie wieder in die Hände der "Täterorganisation" begeben wollen.
Hier die September/Oktober-EMMA kaufen.

